Mit einem Benefizspiel wollen alte Weggefährten dem Ex-Stürmer helfen.

Olaf Bodden vor einem Poster aus besseren Tagen.   Fotos : imago
Olaf Bodden vor einem Poster aus besseren Tagen. Fotos : imago

Olaf Bodden vor einem Poster aus besseren Tagen. Fotos : imago

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Olaf Bodden vor einem Poster aus besseren Tagen. Fotos : imago

München. Früher war Olaf Bodden der Modellathlet unter den Fußballstürmern – schon mit seiner Statur imponierte der Hüne den Gegenspielern. Inzwischen aber hat sich das Bild komplett gedreht:

Der langjährige Profi des TSV 1860 München ist zum Pflegefall geworden. Schon seit fast 16 Jahren leidet Bodden am Chronischen Erschöpfungssyndrom.

Die Behandlungen sind aufwendig und teuer, Boddens Psyche ist am Boden. Für etwas Auftrieb soll am Sonntag(18.15 Uhr) ein Benefizspiel sorgen, das frühere Münchner Weggefährten für ihn organisiert haben.

Der Erlös aus dem Spiel kommt Bodde zugute

Thomas Häßler, Horst Heldt, Olaf Marschall und Thorsten Fink haben sich wie Reiner Calmund und Friedhelm Funkel im Grünwalder Stadion angesagt, um Bodden zu unterstützen. Alle Einnahmen aus dem Gute-Zweck-Kick in München-Giesing kommen dem 45-jährigen Frührentner, der mit dem einstigen Kraftprotz Bodden längst nichts mehr gemeinsam hat.

„Vor 18 Jahren bin ich dort im ersten und letzten Bundesligajahr, das wir mit 1860 im Grünwalder Stadion gespielt haben, eingelaufen. Jetzt werde ich wahrscheinlich im Bett hineingeschoben“, kommentiert er.

4. Mai1968 in Kalkar

Fußballprofi von 1989 bis 1997

Borussia Mönchengladbach (1989-1991), FC Hansa Rostock (1991-1994), TSV 1860 München (1994-1997)

92 Spiele und 27 Tore in der Bundesliga/61 Spiele und 22 Tore in der 2. Bundesliga

Bodden der sich nach einem langen Gerichtsstreit mit seiner Krankenkasse auf einen Vergleich einigen musste, lebt in bescheidenen Verhältnissen. Von seiner Freundin hat er sich getrennt. Er wollte ihr nicht zumuten, ihn zu pflegen.

1996 erkrankt Bodden am Pfeifferschen Drüsenfieber

Das Drama beginnt im Jahr 1996. Boddens erkrankt am Pfeifferschen Drüsenfieber und muss monatelang aussetzen, anstatt für die Münchner „Löwen“ in der Bundesliga auf Torejagd zu gehen. Im Frühjahr 1997 gibt er sein Comeback, sorgt mit einem Dreierpack gegen Arminia Bielefeld für Begeisterung. Diese 90 Minuten aber werden seine letzten erfolgreichen bleiben.

Danach häufen sich die Rückschläge, körperlich geht es rapide bergab. Die Ärzte diagnostizieren ein Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS). Bodden hat Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, verspürt Übelkeit. Irgendwann entdeckt Bodden im Internet ein neues Medikament.

Obwohl dieses bisher nicht auf die Nebenwirkungen von CFS getestet worden ist, lässt er sich das Mittel trotzdem verschreiben. „Es war eine große Chance, wieder gesund zu werden“, sagt er. Das Gegenteil aber tritt ein: Bodden kann schon bald nicht mehr stehen. Inzwischen ist er bettlägerig.

„Es ist grausam. Wenn man morgens wach wird, weiß man, dass man wieder den ganzen Tag im Bett vor sich hat. Was bleibt sind Fernsehen, Laptop und Telefon“, berichtete er jüngst im Rundfunk.

Am Sonntag wird er allenfalls von draußen zuschauen können, wie Heldt, Fink & Co. für ihn einnetzen. „Ich habe Momente, in denen ich weine und verzweifelt bin, Wut habe, resigniere und manchmal wieder Hoffnung schöpfe“, sagt er. Sein Traum? „Irgendwann wieder ein normales Leben mit Arbeit und Sport führen zu können.“

» Benefizspiel: 1860 München All Stars - Bundesliga All Stars Sonntag, 18 Uhr/Kabel 1

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