Joseph Blatter muss sich erneut gegen Vorwürfe wehren.
Joseph Blatter muss sich erneut gegen Vorwürfe wehren.

Joseph Blatter muss sich erneut gegen Vorwürfe wehren.

dpa

Joseph Blatter muss sich erneut gegen Vorwürfe wehren.

Zürich (dpa) - Ein britischer Parlamentsabgeordneter und der frühere Fußball-Verbandschef Englands haben neue Bestechungsvorwürfe gegen Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees erhoben.

Vor der Vergabe der WM-Gastgeberrolle 2022 im vergangenen Dezember an Katar sollen zwei Angehörige des Gremiums je 1,5 Millionen Dollar für ihre Stimmabgabe zugunsten des Wüstenstaates erhalten haben, sagte der Politiker Damian Collins am 10. Mai bei einer Parlamentsanhörung. Er berief sich dabei auf einen bislang unveröffentlichten Bericht der Zeitung «The Sunday Times».

FIFA-Chef Joseph Blatter reagierte ausweichend auf die neuen Vorwürfe und forderte Beweise. Er könne «nicht sagen, ob sie alle Engel oder Teufel sind», sagte der Schweizer über die Mitglieder des Exekutivkomitees. Er könne nur für sich selbst sprechen und gehöre «nicht zu dieser Kategorie», sagte Blatter. Der nach den Bestechungsvorwürfen unter Druck stehende FIFA-Boss, der am 1. Juni um seine Wiederwahl kämpft, will alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen an die FIFA-Ethikkommission weiterleiten.

Der katarische Verband wies Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der WM-Vergabe entschieden zurück. Die Anschuldigungen würden «unbewiesen bleiben, weil sie falsch sind», hieß es in einer in Doha verbreiteten Mitteilung. Der Verband fügte hinzu: «Wir haben nichts zu verbergen und sind daran interessiert, alle weiteren Untersuchungen zu unterstützen.»

In der Parlamentsanhörung zur gescheiterten englischen WM-Bewerbung 2018 wurden laut eines Berichts der amerikanischen Nachrichtenagentur AP weitere Vorwürfe gegen vier FIFA-Exekutivmitglieder erhoben. Der frühere englische Verbandschef David Triesman, der sieben Monate vor der Wahl wegen unbewiesener Anschuldigungen gegen die Mitbewerber Russland und Spanien/Portugal zurücktreten musste, beschuldigte ein FIFA-Quartett, unlautere Forderungen für eine Stimme gestellt zu haben.

Dabei seien laut Triesman neben finanziellen Ansprüchen auch immaterielle Gegenleistungen wie ein Ehrenrittertitel gefordert worden. Zu den Beschuldigten sollen auch zwei FIFA-Vizepräsidenten gehören. Europäische FIFA-Funktionäre sind den Berichten zufolge nicht betroffen.

Vor der WM-Vergabe für die Turniere 2018 (Russland) und 2022 (Katar) waren die FIFA-Exko-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) unter dem Verdacht der Bestechlichkeit suspendiert worden. Beide hatten die Vorwürfe einer Verletzung des Ethik-Codes der FIFA bestritten. Sie waren auf von englischen Journalisten fingierte finanzielle Offerten für die Stimmabgabe eingegangen und dabei heimlich gefilmt worden. Die neuen Vorwürfe aus England sollen andere FIFA-Spitzenfunktionäre betreffen.

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