Fünf junge Dortmunder waren nominiert, aber keiner spielte gegen Italien von Beginn an. Löws Strategie erfordert Geduld.

Nationalteam
Geduld gefragt: Mats Hummels (l.) und Kevin Großkreutz (r.).

Geduld gefragt: Mats Hummels (l.) und Kevin Großkreutz (r.).

dpa

Geduld gefragt: Mats Hummels (l.) und Kevin Großkreutz (r.).

Dortmund. Cesare Prandelli sprach bedächtig, aber seine Worte hatten Gewicht. „Wir haben gegen eines der besten Teams der Welt gespielt“, sagte der italienische Nationaltrainer nach dem 1:1 im Dortmunder Länderspiel.

Was die Leistung seiner neu formierten und unerfahrenen italienischen Auswahl deutlich hervorheben sollte. „Es gibt noch sehr viel zu tun, aber wir haben den Abstand zu Deutschland ein wenig verringert“, sagte Prandelli. Italien verringert den Abstand – das war auch schon mal anders.

Der Rasen in Dortmund war dieses Länderspiels nicht würdig

Der deutsche Fußball taugt inzwischen als Vorbild. Vor allem, weil die spieltechnischen Vorzüge dieser Mannschaft selbst auf holprigem Geläuf wie in Dortmund (Löw: „Der Rasen wäre besser schon vor dem Spiel erneuert worden“) und auch dann erkennbar werden, wenn die Einstellung kein WM-Niveau erreicht.

„Wir hatten aber auch einige Schwächen“, sagte Bundestrainer Löw und meinte die Ordnung im Spiel, die vor allem Thomas Müller des öfteren vernachlässigt hatte. Löw registriert das, hat aber ein Urvertrauen in seine Spieler gewonnen, taktische Probleme auszuräumen, wenn es zu bedeutenden Spielen kommt.

Dass dabei die jüngste Garde des DFB-Kaders am Mittwoch eine untergeordnete Rolle gespielt hat, wird angesichts von fünf nominierten Dortmunder Spielern nicht jeden im BVB-Land gefreut haben – gehört aber zu Löws Arithmetik des Erfolgs. Zur Europameisterschaft 2012 will der Bundestrainer annähernd die selbe Mannschaft, die bei der WM in Südafrika begeisterte, aber keinen Titel holte, titelreif ins Turnier gehen lassen.

Seit 2000 gelangen der deutschen Nationalmannschaft zum Jahresauftakt nur vier Siege.

2011 Deutschland - Italien 1:1

2010 Deutschl. - Argentinien 0:1

2009 Deutschl. - Norwegen 0:1

2008 Österreich - Deutschl. 0:3

2007 Deutschl. - Schweiz 3:1

2006 Italien - Deutschl. 4:1

2005 Deutschl. - Argentinien 2:2

2004 Kroatien - Deutschl. 1:2

2003 Spanien - Deutschl. 3:1

2002 Deutschl. - Israel 7:1

2001 Frankreich - Deutschl. 1:0

2000 Niederlande - Deutschl. 2:1

Bei allem Druck, den junge deutsche Spieler wie Mats Hummels, Mario Götze, Marcel Schmelzer, Sven Bender oder Kevin Großkreutz ausüben, kommen sie für die Startplätze noch nicht in Frage. Nicht umsonst verzichtete Löw auf jeden Dortmunder in der Startelf, Bender und Schmelzer spielten gar nicht. Allenfalls Hummels steht auf dem Sprung, weil Holger Badstubers Entwicklung noch nicht vorhersehbar erscheint.

Klose dürfte auch bei der EM 2012 noch eine wichtige Rolle spielen

Vor allem das Mittelfeld mit Khedira, Schweinsteiger, Podolski, Özil und Müller ist gesetzt. Auf Zentralstürmer Miroslav Klose kann Löw wohl auch 2012 noch zählen, in der Hinterhand hält er den wiedererstarkten Mario Gomez.

Die Philosophie des Bundestrainers, deren Umsetzung konstant zu beobachten ist, sieht ein besonderes Verständnis der Spieler für das zu Leistende vor. Ein Prozess, der Zeit braucht. Von der die Youngster alle reichlich haben. Gut zu wissen für Löw, dass sie da sind. Aber noch besser zu wissen, dass sie noch nicht gebraucht werden.

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