Walter, Seeler, Beckenbauer, Matthäus, Klinsmann – und jetzt Lahm? Der soll am Freitag auf dem DFB-Bundestag gewählt werden. Aus Respekt. Die Herzen gehörten anderen.

Philipp Lahm
Am Freitag soll Philipp Lahm (M) auf dem DFB-Bundestag zum Ehrenspielführer des DFB gewählt werden.

Am Freitag soll Philipp Lahm (M) auf dem DFB-Bundestag zum Ehrenspielführer des DFB gewählt werden.

Marcus Brandt

Am Freitag soll Philipp Lahm (M) auf dem DFB-Bundestag zum Ehrenspielführer des DFB gewählt werden.

Düsseldorf. Ehrenspielführer, was sind das bislang für Typen gewesen: Der 2002 verstorbene Fritz Walter war der Mann für eine neue deutsche Ära, sportlich ohnehin, auch politisch und gesellschaftlich. Weil der Pfälzer Kapitän mit dem WM-Titel 1954 das geächtete Deutschland wieder ersten Ruhm servierte und dabei auf und abseits des Rumpelrasens Regie führte.

Franz Beckenbauer strahlt als semi-offizieller Kaiser über allen, auch wenn die Leuchtkraft zuletzt durch den WM-Skandal von 2006 in einem Maße abgenommen hat, dass es den Beobachter erschaudern lässt. Ist der Abstieg des Ehrenspielführers Beckenbauer im Lichte seiner einstigen Bewunderer am Ende nicht doch zu sehr typisch deutsch?

Und Uwe Seeler? Norddeutsch, trocken, heimatverbunden, geerdet. Beliebt wie kaum ein anderer. Ein Herzensfußballer, der weniger auf Verstand denn auf Leidenschaft zählte. Nicht immer ganz ernst genommen, aber immer auf Händen getragen. Vielleicht sogar ein bisschen wie Lothar Matthäus, der es freilich immer viel schwerer hierzulande hatte.

Lahm ist der verlässlichste aller deutschen Kicker

Der hochimpulsive Raumausstatter aus Herzogenaurach mit den goldenen Oberschenkeln wurde oft verhöhnt. Weil die Zeit nach der Fußball-Laufbahn weniger glamourös geriet. Aber: Matthäus ist allemal ein Typ. Wie auch der fünfte Ehrenspielführer Jürgen Klinsmann einer ist: Unbeugsam, ein Mann der Konzepte, eiserner Wille. Ein Dickkopf, der konsequent seinen Weg gegangen ist. Und geht. Fünf Typen.

 

Fritz Walter (1958), 30-maliger Spielführer der Nationalmannschaft (61 Länderspiele, 33 Tore)

Uwe Seeler (1972), 40-maliger Spielführer (72 Länderspiele, 43 Tore)

Franz Beckenbauer (1982), 50-maliger Spielführer (103 Länderspiele, 14 Tore)

Lothar Matthäus (2001), 75-maliger Spielführer, Rekordnationalspieler der Männer mit 150 Länderspielen (23 Tore)

Jürgen Klinsmann (2016), 36-maliger Spielführer der Nationalmannschaft, 108 Länderspiele (47 Tore)

Bettina Wiegmann (2004), ehemalige Rekordnationalspielerin (154 Länderspiele, 51 Tore)

Birgit Prinz (2013), geschlechterübergreifend Rekordnationalspielerin (214 Länderspiele) und Rekordtorschützin des DFB (128 Tore)

Und was eigentlich ist nun Philipp Lahm?
Weltmeister 2014, richtig. Ein Fußballer wie eine Nähmaschine, in seinen besten Zeiten setzte er Stich um Stich, Fehler ausgeschlossen. Er lief und lief und lief. Lahm ist verbürgt der verlässlichste aller deutschen Kicker. Und manchmal wirkte er auch so: Böse Zungen hielten ihn für Schwiegermutters Liebling, ohne das als Kompliment zu meinen - alternativ für einen galanten Versicherungsvertreter. Dabei war er ganz sicher eines: einer der besten Außenverteidiger aller Zeiten.

Am Freitag soll Lahm auf dem DFB-Bundestag zum Ehrenspielführer des DFB gewählt werden. Mit seinen 34 Jahren steht er dann auf einer Stufe mit diesen vorgenannten Fußball-Legenden. Und auch eine Stufe vor etwa Michael Ballack, der lange das deutsche Nationalelf-Gesicht aus Lahms Dekade war, das Team prägte, aber nie einen Titel gewann. Und am Ende in sagenumwobenen Tagen von Südafrika bei der WM 2010 von Lahm aus dem Kapitänsamt gedrängt wurde. Es war eine Staatsaffäre, die kennzeichnete, wie Lahm wirklich ist: Ein Profi, der seine Karriere exakt geplant und entscheidende Auseinandersetzungen nie gescheut hat. Der mit einem bewusst am Verein vorbei eingestielten Interview einst den FC Bayern wieder in die Spur brachte. Und später in einem Buch die Teamchef-Zeit von Jürgen Klinsmann zerfledderte.

Jetzt ist Lahm seit einem halben Jahr Ex-Profi. „Wir möchten den Delegierten Philipp Lahm vorschlagen, weil er als Fußballer und als Mensch zu den ganz Großen gehört, der immer eine klare Meinung gehabt und diese auch vertreten hat“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Die Wahl des zweifachen Familienvaters – die kleine Lenia kam erst im August dieses Jahres zur Welt – gilt als sicher. Zudem soll Lahm ab sofort als Botschafter für die vom deutschen Verband angestrebte Ausrichtung der EM 2024 werben.

Nachdem der sofortige Wechsel vom Spieler in eine sportliche Führungsposition beim FC Bayern auf Initiative Lahms im Kampf gegen manifestierte Gegebenheiten nicht zustande kam (wieder ein echter Lahm!) genießt er ein Leben abseits des Fußballs. „Ich habe jetzt einen viel abwechslungsreicheren Alltag als früher, kann mir meine Tage selber einteilen und auch einmal Zeit mit meiner Familie genießen“, sagte Lahm jüngst dem „Münchner Merkur“.

Er kümmert sich intensiv um seine Stiftung und seine Holding, die seine Unternehmensbeteiligungen bündelt: an Sixtus, Schneekoppe, DieBrückenköpfe, da:nova, Fanmiles und an DeutscheSportlotterie. Alles geplant. Am Ende ist Lahm noch lange nicht.

 

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