Rückblick
Jürgen Klinsmann verbindet mit Leipzig ganz persönliche Erfahrungen.

Jürgen Klinsmann verbindet mit Leipzig ganz persönliche Erfahrungen.

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Jürgen Klinsmann verbindet mit Leipzig ganz persönliche Erfahrungen.

Leipzig (dpa) - Auch Jürgen Klinsmann ist beim 20. Jubiläum der deutschen Fußball-Einheit dabei, wenn sich die Weltmeister von 1990 und die letzten DDR-Nationalspieler gegenüberstehen. Der Ex-Bundestrainer verbindet mit Leipzig auch eine ganz persönliche Erfahrung.

20 Jahre Fußball-Einheit, Mauerfall: Welche Erinnerung sind bei Ihnen noch präsent?

Klinsmann: «Da waren die emotionalen Momente rund um unser letztes Qualifikationsspiel für die WM in Italien. Da liefen die Bilder vom Mauerfall im Fernsehen rauf und runter. Wir kamen vom Training zurück und waren wie versteinert: Keiner hat gewusst, was jetzt los ist. Und in Köln gegen Wales hätten wir dann fast das 2:1 noch aus der Hand gegeben, da wären wir gar nicht bei der WM gewesen.»

Haben Sie und die späteren Weltmeister von 1990 schon zu der Zeit gespürt, wie groß die Veränderungen nicht nur im Fußball werden?

Klinsmann: «Das glaube ich nicht, auch wenn es in Deutschland nur ein Thema gab - die Wiedervereinigung. Aber wir waren fokussiert auf die WM. Viele Spieler spielten im Ausland, ich bei Inter Mailand. Da habe ich nur über die Medien mitbekommen, was in Deutschland passiert. Einige Kollegen waren da direkter dran.»

Leipzig war später für Sie als Bundestrainer auch ein entscheidender Punkt.

Klinsmann: «Ja, wir hatten dort 2005 die wunderschöne Erfahrung des Confed-Cups. Wir haben damals in Leipzig nochmals den gesamten Verlauf der friedlichen Revolution erklärt bekommen, das war wie eine Geschichtslektion. Und die Mannschaft hat gerade bei diesem 4:3 im Spiel um Platz drei gegen Mexiko das gezeigt, was wir wollten. Das war eine richtiger Vorgeschmack auf die WM ein Jahr später. Die Leute haben gespürt, dass sie mit Mut und Risikobereitschaft agiert. Auch die Leute in Leipzig sind bei der friedlichen Revolution ein Risiko eingegangen. Keiner wusste, was passiert danach.»

Wie oft haben Sie es nach 2006 schon bereut, dass sie nicht weitergemacht haben als Bundestrainer und die Entwicklung der Nationalmannschaft weiter bestimmen konnten?

Klinsmann: «Ich habe es nie bereut. Das war eine Entscheidung in diesem Moment nach der WM. Ich wusste, dass es mit dem selben Stab weitergeht und Jogi Löw übernimmt. Diese Kontinuität war wichtiger als mein Weitermachen.»

Hat Sie Jogi Löw mit dem neuen Jugendstil bei der WM in diesem Jahr in Südafrika auch noch überraschen können?

Klinsmann: «Überraschen nicht, wir glauben an die gleiche Art von Fußball. Aber wie er das umgesetzt hat: Super. Ich war einfach auch erfreut, wie diese junge Mannschaft die Fußball-Welt begeistert hat.»

Sie selbst haben mit Ihrer Firma jetzt ein Engagement beim FC Toronto. Aber wann sehen wir Sie als Trainer oder Teammanager wieder?

Klinsmann: «Ich weiß es nicht. Das ist völlig offen. In Toronto haben wir ein faszinierendes Projekt, wie wir es ähnlich auch schon in den USA hatten. Wir arbeiten dort bis zum Frühjahr an einem neuen Stab, an neuen Strukturen.»

Auch viele ehemalige erfolgreiche Ostclubs brauchten sicher solche Hilfe. Wäre das nicht mal ein Projekt für Sie und Ihre Firma SoccerSolutions?

Klinsmann: «Wir sind auf den amerikanischen Markt ausgerichtet. Jetzt freue ich mich darauf, dass ich in Leipzig meine Mitspieler, die Trainer und Betreuer von damals wiedersehe und wir diese historischen Tage gemeinsam mit unseren Freunden feiern können.»

Interview: Jens Mende, dpa

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