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Teammanager Oliver Bierhoff macht sich Gedanken über die Nationalmannschaft.

Teammanager Oliver Bierhoff macht sich Gedanken über die Nationalmannschaft.

dpa

Teammanager Oliver Bierhoff macht sich Gedanken über die Nationalmannschaft.

München (dpa) - Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff warnt zu Jahresbeginn davor, die Qualifikation für die Fußball-EM 2012 als Selbstläufer zu betrachten.

Außerdem betont der 42-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, dass von Länderspielen nicht nur der DFB, sondern auch die Bundesligavereine «profitieren».

Was sind die sportlichen Ziele für 2011, zumal die DFB-Auswahl als klarer Tabellenführer das EM-Ticket schon fast in der Tasche hat?

Bierhoff: «Die Gefahr ist, nun zu denken, dass wir nur noch das EM-Ticket abholen müssen. Wir dürfen unsere komfortable Ausgangsposition nicht leichtfertig verschenken. Als Mannschaft wollen wir weiter positiv auftreten. Wir planen auch wieder einen Tag der offenen Tür rund um die Nationalmannschaft. Und wir wollen noch mehr Spieler Richtung EM auf den Positionen einbauen, auf denen wir Alternativen benötigen können, auf den Außenpositionen zum Beispiel.»

Für Sie beginnt das Unternehmen EM 2012 schon in Kürze mit der Quartiersuche. Wohin tendieren Sie, Polen oder Ukraine?

Bierhoff: «Wir werden uns im ersten Halbjahr 2011 damit befassen. Polen ist favorisiert. Die Infrastruktur ist dort weitaus besser, aber wir werden uns natürlich auch in der Ukraine umschauen.»

Bis zur EM 2012 sind mehr Testspiele gegen große Nationen wie Italien, Brasilien, Holland oder Frankreich geplant bzw. schon fest vereinbart worden. Steckt dahinter, dass die junge Mannschaft mehr hochwertige Gegner braucht, um den letzten Schritt zum Titelgewinn machen zu können?

Bierhoff: «Es gibt mehrere Gründe. Wir haben durch die großen Qualifikationsgruppen für EM- und WM-Turniere viele Spiele, die nicht diese Attraktivität haben. Wir möchten daher in den wenigen Testspielen eine hohe Motivation für die Spieler und einen echten Gradmesser haben. Brasilien oder Italien garantieren zudem volle Stadien, hohe Einnahmen sowie zufriedene Fans, Sponsoren und TV-Sender.»

17 Länderspiele 2010 - das war den Vereinen zu viel. Wie löst man die Interessenkonflikte zwischen Verband und Bundesligavereinen?

Bierhoff: «Im letzten Jahr kam diese Zahl durch das erfolgreiche Abschneiden bei der WM zustande. 2011 werden es 13 Länderspiele sein. Sicherlich sind auch die Clubs zufriedener, wenn wir häufiger gegen die sogenannten großen Nationen spielen. Die Nationalmannschaft ist für die Entwicklung der Spieler und damit auch für die Vereine enorm wichtig. Wenn ein Marcel Schmelzer oder Lewis Holtby wie zuletzt gegen Schweden ihr erstes Länderspiel bestreiten, schafft das eine Motivation, die auch den Vereinen zugutekommt.»

Ist der internationale Rahmenterminkalender das Hauptproblem?

Bierhoff: «Der ist randvoll mit Meisterschaftsspielen, Pokalspielen, europäischen Club-Wettbewerben, Länderspielen. Was lässt man weg? Keine leichte Entscheidung. Von Länderspielen profitieren DFB und Vereine.»

Inwiefern?

Bierhoff: «Wir profitieren davon, dass ein Thomas Müller oder Holger Badstuber bei Bayern München ausgebildet und eingebaut wurden. Die Bayern wiederum haben davon profitiert, dass wir Bastian Schweinsteiger auch in schwierigen Phasen die Treue gehalten haben. Ein Sami Khedira oder Mesut Özil haben ihren Clubs mit ihrem Wechsel zu Real Madrid hohe Ablösesummen eingebracht, weil sie bei der WM gut gespielt haben. Der DFB ist zudem ein gemeinnütziger Verband. Mit jedem Heimspiel erzielt er Einnahmen von fünf bis sechs Millionen Euro. Dieses Geld geht an die Basis.»

Die WM hat Özil und Khedira zu Real Madrid katapultiert. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben sich gegen das Ausland und weiter für Bayern München entschieden. Wohin geht der Trend?

Bierhoff: «Es ist schön, dass Stellenwert und Attraktivität der Bundesliga zunehmen. Deswegen ist es gut, wenn unsere Top-Spieler in der Bundesliga spielen. Es gibt aus meiner Sicht fünf, sechs Vereine in Europa, die eine Auszeichnung für einen Spieler sind: Real Madrid, Barcelona, Manchester United, Arsenal, Inter und AC Mailand, vielleicht noch Juventus Turin - wobei der italienische Fußball krankt. Ein Wechsel dorthin bringt die Spieler weiter. Vor acht Jahren wären noch Spieler nach Rom, Valencia oder Middlesbrough gewechselt, aber für solche Clubs muss jetzt keiner mehr die Bundesliga verlassen.»

Joachim Löw hat oft betont, dass die Champions League ganz wichtig sei für die Entwicklung von Spielern. Wie bedeutsam wäre es, wenn die Bundesliga diese Saison Italien den vierten Startplatz abjagen könnte?

Bierhoff: «Das wäre enorm wichtig, auch für die Nationalmannschaft. In der Champions League können die Spieler internationale Erfahrung auf höchstem Niveau sammeln. Es wäre auch deswegen gut, weil dann womöglich noch mehr ausländische Stars nach Deutschland kommen.»

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