Es ist kein Einzelfall: Das Testspiel zwischen dem SV Wehen und Borussia Mönchengladbach im türkischen Trainingslager soll verschoben worden sein.

Symbolbild. Foto: Angelika Warmuth
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dpa

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Belek/Side (dpa/kup). Mutmaßliche Wettbetrüger beschäftigen erneut den deutschen Fußball – und wieder ist die türkische Riviera der Schauplatz, wo derzeit zahlreiche deutsche Fußball-Vereine ihr Wintertrainingslager abhalten.

Vier Jahre nach einem verschobenen Testspiel von Werder Bremen gegen AZ Alkmaar in Belek, als ein eigentlich gesperrter Schiedsrichter das Testspiel manipuliert hatte, ist nun die Freundschaftspartie zwischen dem Fußball-Drittligisten SV Wehen Wiesbaden und der Reserve von Borussia Mönchengladbach (3:1) aus der Regionalliga ins Visier der Ermittler geraten. Im Vorfeld des Spiels, das am Samstag in Side über die Bühne ging, wurden in Asien hohe Geldbeträge auf eine bestimmte Anzahl von Toren in diesem Testkick gewettet.

Der türkische Schiedsrichter Ali Can Soudal hatte zwei äußerst strittige Elfmeter für Wehen gepfiffen. Zumindest einen dieser Strafstöße hätte man niemals geben dürfen, sagte Wehens Trainer Sven Demandt, der im vergangenen Jahr noch die Gladbacher Reserve gecoacht hatte. „Alle haben sich angeguckt und gefragt: Was ist denn jetzt?“, schilderte der Ex-Profi. Die Zuschauer sollen mehrere Schiedsrichter-Entscheidungen mit Kopfschütteln quittiert haben. Von „Slapstick-Elfmetern“ sprach Gladbachs Nachwuchstrainer Arie van Lent zu einem Zeitpunkt, als noch nichts von einem Manipulationsvorwurf bekannt war. Mit der Wettmafia habe man die Elfmeter zunächst nicht in Verbindung gebracht, weil die Qualität vieler türkischer Referees nicht so hoch wie in Deutschland sei, sagte Demandt.

Erkan Ak, mit seiner Reiseagentur „Bluebird“ Mitorganisator des Wehener Trainingslagers und Geschäftspartner von Ex-Fußballprofi Dieter Burdenski, der den Fußball nach Belek brachte, sprach von einem „Schockmoment“, den die Manipulationsvorwürfe bei ihm ausgelöst hätten. Der Geschäftsmann widersprach aber Meldungen, wonach „Bluebird“ den Referee organisiert habe. Darum habe sich eine andere Reiseagentur gekümmert. Auf den zahlreichen Rasenplätzen der Luxushotels werden derzeit jeden Tag etliche Tests ausgetragen, die meisten abseits der großen Öffentlichkeit. Wer nach Belek kommt, kann bei Veranstaltern ganze Pakete bestellen – mitsamt der Abwicklung von Testspielen. Wenn Reiseveranstalter die Schiedsrichter buchen, weckt das angesichts eines gigantischen Sportwettmarktes tatsächlich reichlich wenig Vertrauen.

Beim Deutschen Fußball Bund wartete man am Montag auf den Bericht der Sportradar AG, einem Schweizer Unternehmen, das im Auftrag des DFB und der Deutschen Fußball Liga auch Spiele mit deutschen Vereinen überwacht. Sportradar hatte Vereine und Verband auf Auffälligkeiten am Wettmarkt aufmerksam gemacht, unterliegt aber darüber hinaus einer Verschwiegenheitsklausel – und darf der Öffentlichkeit keine weiteren Details bekannt geben. 

 

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