Ein Justizmitarbeiter wacht im Landgericht Bochum vor Prozessbeginn an einer geöffneten Tür.
Ein Justizmitarbeiter wacht im Landgericht Bochum vor Prozessbeginn an einer geöffneten Tür.

Ein Justizmitarbeiter wacht im Landgericht Bochum vor Prozessbeginn an einer geöffneten Tür.

dpa

Ein Justizmitarbeiter wacht im Landgericht Bochum vor Prozessbeginn an einer geöffneten Tür.

Bochum (dpa) - Erst gab es ein 1500-Euro-Versprechen, dann massive Drohungen: Die Fußball-Wettmafia hat anscheinend mit allen Mitteln versucht, auch A-Jugendspieler zu bestechen.

«Ich hatte einen Köttel in der Hose», sagte ein ehemaliger Aktiver von Arminia Bielefeld im Zeugenstand des Bochumer Landgerichts. Der heute 18 Jahre alte Abwehrspieler will gehört haben, wie der in Bochum angeklagte mutmaßliche Wettbetrüger Stevan R. am Telefon drohte, Freiburger Jugendspieler «einen Kopf kürzer» zu machen. «Die haben nicht funktioniert», soll R. damals gesagt haben.

Nach eigenen Angaben hat sich der 18-Jährige Ende 2009 bereiterklärt, Spiele von Arminia Bielefeld zu verschieben. Der erste Auftrag: Die U-19-Partie gegen den VfL Bochum vom 31. Oktober 2009 sollte mit zwei Toren Unterschied verloren werden. Der Plan ging auf. Bochum gewann mit 4:0, der Abwehrspieler bekam 200 Euro. Außerdem habe es eine SMS vom Angeklagten Stevan R. gegeben. Der Inhalt: «Alles gut gelaufen.»

Vor der Partie gegen Schalke 04 am 8. November 2009 seien ihm dann sogar 1500 Euro geboten worden - genau wie drei weiteren Mitspielern von Bielefeld. Auch dieses Spiel sollte mit zwei Toren Differenz verloren werden, doch Bielefeld gewann. Endstand: 2:1 für die Arminia.

Später sei auch noch über weitere Manipulationen gesprochen worden. «Dabei wurde das Spiel gegen den 1. FC Köln ins Auge gefasst», sagte der Zeuge. Dazu sei es wegen der Ermittlungen jedoch nicht mehr gekommen. Er selbst will allerdings nie absichtlich schlecht gespielt haben: «Ich hätte nie aktiv ins Spielgeschehen eingegriffen.»

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat gegen den Abwehrspieler später eine 14-monatige Sperre verhängt, die im Februar ausläuft. Die Fußball-Karriere ist aber wohl trotzdem vorbei. «Ich habe davon geträumt, es bis in die 2. Liga zu schaffen», sagte der 18-Jährige. «Jetzt werde ich wohl nur noch mit Kollegen in der A-Kreisliga kicken.»

Richter Carsten Schwadrat reagierte mit absolutem Unverständnis auf die Bereitschaft des jungen Abwehrspielers, sich bei der ersten Anfrage eines Kollegen sofort von der Wettmafia einspannen zu lassen. «Ich habe ja nur helfen wollen», entgegnete der U-19-Spieler. Sein Freund habe 3500 Euro Wettschulden gehabt. Außerdem habe ihn Stevan R. richtig heiß gemacht. «Er hat mir gesagt: Bemühe dich, in die Regionalliga zu kommen, da gibt es richtig Asche, 20 000 Euro.» Stevan R. kommentierte die Aussagen des Zeugen nicht, hat aber bereits seine aktive Beteiligung an Manipulationen gestanden.

Zwei weitere frühere U-19-Fußballer von Bielefeld sowie der ehemalige Kapitän des Regionalligisten SC Verl machten keine Zeugenaussage, weil sie ebenfalls beschuldigt werden. Auch zwei andere Zeugen machten von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Unterdessen hat die Bochumer Staatsanwaltschaft jetzt auch Anklage gegen Ante Sapina erhoben. Dem wohl bekanntesten Wettbetrüger Deutschlands wird die Verschiebung von über 40 Fußballspielen vorgeworfen. Neben Sapina sollen auch weitere Drahtzieher auf der Anklagebank des Landgerichts Platz nehmen. Sapina war wegen seiner Verstrickung in den Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer bereits 2005 zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Im aktuellen Wettskandal-Prozess hatte er Anfang Januar als Zeuge ausgesagt. Ein Termin für seinen eigenen Prozess gibt es noch nicht.

Vor dem Landgericht Bochum müssen sich seit Anfang Oktober vier mutmaßliche Wettbetrüger verantworten, die in die Manipulation von über 30 Fußballspielen verstrickt sein sollen. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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