Dortmunds Trainer will seine Philosophie fortsetzen: Mit jungen Spielern zum größtmöglichen Erfolg.

Borussia Dortmund - Trainingslager
Verhalten angriffslustig: Jürgen Klopp

Verhalten angriffslustig: Jürgen Klopp

Guido Kirchner Firo

Verhalten angriffslustig: Jürgen Klopp

La Manga. Rang drei nach der Bundesliga-Hinrunde – das stellt beim Meister Borussia Dortmund niemanden mehr wirklich zufrieden. Im Interview im spanischen Trainingslager gelobt Trainer Jürgen Klopp für die Rückrunde Besserung, wähnt den FC Bayern aber auf Titelkurs.

Herr Klopp, zwölf Punkte hinter dem FC Bayern – was muss besser werden?

Jürgen Klopp: Eigentlich war die Leistung der Mannschaft in der Vorrunde gut, aber es sind nur 30 Punkte dabei herausgesprungen. Es hätten mehr sein müssen. Das liegt daran, dass wir im Spiel gegen den Ball nicht mehr so konzentriert waren. Die besten Beispiele waren die in der Champions League. Da war das überragend.

Warum hat das Team in seiner Domäne nachgelassen?

Klopp: Ich finde das nachvollziehbar, dass uns das mal so passiert. Meine Spieler sind auch nur Menschen.

Sie haben angekündigt, in der zweiten Saisonhälfte angreifen zu wollen. Müssen die Bayern sich fürchten?

Klopp: Nein. Wir glauben nicht, gegen die Bayern mal eben zwölf Punkte aufholen zu können. Das ist Quatsch. Wir wollen anders angreifen, in jedem Spiel, an jedem Wochenende und in jedem Wettbewerb. Im Achtelfinale der Champions League gegen Donezk bestehen und gegen die Bayern im Pokal weiter kommen. Das ist kein Zuckerschlecken, aber möglich.

Demnach ist den Bayern der Titel nicht mehr zu nehmen?

Klopp: Natürlich nicht. Den Bayern ist die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Sie können sie nur selber hergeben. Ich befürchte, das werden sie nicht tun. Damit müssen wir uns nicht beschäftigen. In den direkten Treffen haben wir das Ziel, ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Gibt es ein konkretes Ziel?

Klopp: Platz zwei wäre super, Platz drei mehr als in Ordnung. Danach geht es in Bereiche, in denen wir uns nicht mehr so richtig wohl fühlen.

„Wenn einer dieser Kerle verlängert, ist das für mich wie ein zweiter Geburtstag“

In welchem Maß hat der Erfolg der Borussia die Personalpolitik der Bayern beeinflusst?

Klopp: Die Vorrunde hat gezeigt, dass wir – mehr noch als Matthias Sammer – dafür gesorgt haben, dass die Münchner komplett unter Strom stehen.

Wird das den BVB verleiten, auf eine ähnliche Personalpolitik umzuschwenken – mehr auf reife Stars als auf Talente zu setzen?

Klopp: Irgendwo habe ich gelesen, dass wir einen 40-Millionen-Konter planen. Das werden wir nicht tun. Keine Frage, wir müssen uns weiterentwickeln – aber nicht wie der FC Bayern. Wir wollen ein noch unangenehmerer Konkurrent werden. Sportlich haben wir das hingekriegt, finanziell ist dieser Verein auf einem ganz tollen Weg. Aber wir werden das nicht gefährden, weil der Trainer fantastische Transfers fordert.

Würde es Sie nicht reizen, ähnlich wie Kollege Heynckes bei Transfers mehr aus dem Vollen schöpfen zu können?

Klopp: Natürlich hätte ich gern Falcao, aber der ist nicht zu bezahlen. Wir sind ständig dabei, unseren Kader zu perfektionieren. Aber an der generellen Herangehensweise wird sich bei uns über Jahre hinaus nichts ändern. Weil es für uns sinnvoller und freudvoller ist zu beobachten, wie 19-Jährige Double-Sieger werden. Das kommt nicht so häufig vor.

Immerhin ist es gelungen, die Verträge mit zwei Leistungsträgern zu verlängern. Wie wichtig sind Sven Bender und Neven Subotic für den BVB?

Klopp: Überragend wichtig. Ich freue mich total, dass wir so attraktiv sind, dass sich solche Jungs die Zukunft hier vorstellen können. Spieler wie Götze, Reus, Hummels, Blaszczykowski, Gündogan, Subotic und Bender sind für die ganze Welt interessant, entscheiden sich dennoch bewusst für uns. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei den Summen. Jedes Mal, wenn einer dieser Kerle bei uns verlängert, ist das für mich wie ein zweiter Geburtstag.

Sehen Sie keine Gefahr, dass nach jahrelanger Zusammenarbeit der Zauber verloren geht?

Klopp: Wenn man über den Tellerrand schaut, sieht man, dass große europäische Teams – das wir noch nicht sind – in ihrer Zusammensetzung häufig stabil bleiben.

Befürchten Sie, dass Robert Lewandowski den Verein im Sommer verlässt?

Klopp: Das kann ich nicht einschätzen. Robert ist ein fantastischer Spieler. Wer großartige Spieler zur Verfügung hat, muss damit leben, dass auch andere Angebote unterbreiten.

Muss der BVB in diesem Fall alle Reserven ausschöpfen?

Klopp: Wir würden auch nicht mit Erdnüssen auf Robert werfen, sondern ihn anständig bezahlen. Aber in diesem Fall geht es auch darum, wo ein Spieler leben, was er gesehen haben möchte. Das muss man respektieren. Manchmal trennt man sich.

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