Der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund ist bisher die Entdeckung der Saison. Nun könnte er auch die deutsche U21-Nationalmannschaft zur EM führen. In der Qualifikation geht es am Freitag in Essen gegen Finnland.

Pressekonferenz Borussia Dortmund
Julian Weigl besitzt mit schnörkelloser Technik in nahezu jeder Situation einen Plan zur Spieleröffnung. Er wird deswegen schon mit Franz Beckenbauer verglichen.

Julian Weigl besitzt mit schnörkelloser Technik in nahezu jeder Situation einen Plan zur Spieleröffnung. Er wird deswegen schon mit Franz Beckenbauer verglichen.

Maja Hitij

Julian Weigl besitzt mit schnörkelloser Technik in nahezu jeder Situation einen Plan zur Spieleröffnung. Er wird deswegen schon mit Franz Beckenbauer verglichen.

Düsseldorf. Durch ein 3:0 gegen Aserbaidschan war der deutschen Fußball-U21-Nationalmannschaft im Glutofen von Baku vor rund einem Monat ein erfolgreicher Auftakt in die Qualifikation für die Europameisterschaft 2017 gelungen. In den nächsten fünf Tagen möchte das Team von Trainer Horst Hrubesch seinen Weg zur Endrunde nach Polen mit zwei weiteren Siegen zementieren.

Am Freitag (09.10.) ab 18 Uhr  trifft die deutsche U21 zunächst in Essen auf Finnland, bevor am nächsten Dienstag (13.10.) ab 18.30 Uhr in Torshavn die junge Auswahl der Färöer wartet. Komplettiert wird die deutsche Gruppe mit dem Nachwuchs aus Russland und Österreich.

"Das sind teilweise hochkarätige Gegner und alles anspruchsvolle Aufgaben. Auch auf dem Papier vermeintlich leichtere Kontrahenten wie Aserbaidschan und die Färöer müssen wir ernsthaft bespielen. Aber Horst Hrubesch bereitet uns unter anderem mit Videoanalysen sehr gut darauf vor", sagte Julian Weigl im Gespräch mit der WZ.

Der 20-Jährige dürfte dabei in den Überlegungen von Horst Hrubesch eine große Rolle spielen. Im September noch war Weigl sowohl beim 2:1-Testspielsieg gegen Dänemark in Lübeck als auch in Aserbaidschan lediglich zu Teilzeit-Einsätzen gekommen, an der Essener Hafenstraße aber wird er nun wohl erstmals von Beginn an auflaufen. Denn Weigl ist schlichtweg die große Entdeckung der bisherigen Bundesliga-Saison. Der defensive Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund wurde im Sommer eigentlich nur geholt, um den Kader in der Breite zu verstärken. Doch mit einer für sein Alter erstaunlich großen Abgeklärtheit, viel Übersicht und exakten Pässen ist er aus der Start-Elf von BVB-Trainer Thomas Tuchel nicht mehr wegzudenken. "Julian begeistert mich mit seinen Fähigkeiten. Deswegen lasse ich ihn einfach so oft spielen", sagte Tuchel.

Weigl hat alle bisherigen 15 Dortmunder Pflichtspiele bestritten, neun davon sogar über die volle Distanz. Er hat eine feste Größe wie Sven Bender ebenso auf die Ersatzbank verwiesen wie den für satte elf Millionen Euro Ablöse von Bayer Leverkusen geholten Gonzalo Castro. "Es freut mich, dass ich beim BVB so viel Einsatzzeit bekomme. Dass dies so schnell passieren würde, habe ich nicht erwartet. Ich wollte eigentlich ja zunächst nur lernen und Dinge aufsaugen, aber im Moment läuft es wie im Traum", sagte Weigl und ergänzte mit Blick auf die U21-Länderspiele: "Klar, dass ich mich besonders auf das Spiel in Essen freue. Der "Ruhrpott" ist ja nun mein Zuhause."

Pep Guardiola: "Ich kannte ihn nicht."

Wie sein Vorbild Sven Bender kam Weigl vom TSV 1860 München nach Dortmund. Dass der gebürtige Bad Aiblinger von den "Löwen" für nur 2,5 Millionen Euro losgeeist werden konnte, mag angesichts der momentan recht dilettantischen Vereinsführung auf Giesings Höhen noch wenig überraschen. Dass er jedoch dem großen Stadt-Nachbarn verborgen blieb, ist schon eher verwunderlich. "Ich kannte ihn nicht", sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola, der stattdessen für 8,5 Millionen Euro Joshua Kimmich von RB Leipzig an die Säbener Straße zitierte.

In der deutschen U21 könnten Kimmich und Weigl nun das neue Traum-Paar auf der "Doppel-Sechs" werden. Hier Kimmich, der mit viel Laufarbeit sowie körperlich robust den Gegner und dessen Räume bearbeitet - dort Weigl, der mit schnörkelloser Technik in nahezu jeder Situation einen Plan zur Spieleröffnung besitzt und deswegen sogar schon mit Franz Beckenbauer verglichen wird. Gut erzogen weist Weigl jedoch darauf hin, dass mit dem Wolfsburger Maximilian Arnold und Leon Goretzka von Schalke 04 auch noch andere Kandidaten für die Schaltzentrale zur Verfügung stehen. "Horst Hrubesch stellt mich nicht auf, nur weil über mich derzeit so viel geschrieben wird. Wir haben auf der "Sechs" viele hochbegabte Jungs. Es gilt hier einfach, die beste Abstimmung zu finden." Beim BVB jedenfalls funktioniert sie mit Julian Weigl.

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