Der ehemalige Fußball-Trainer Holger Stanislawski leitet einen Supermarkt. Selbst an der Fleischtheke ist er engagiert.

Ist von der Trainerbank auf den Posten des Supermarkt-Filialleiters gewechselt: Holger Stanislawski vereint Wissen aus dem Fußballgeschehen mit den aktuellen Job-Anforderungen.
Ist von der Trainerbank auf den Posten des Supermarkt-Filialleiters gewechselt: Holger Stanislawski vereint Wissen aus dem Fußballgeschehen mit den aktuellen Job-Anforderungen.

Ist von der Trainerbank auf den Posten des Supermarkt-Filialleiters gewechselt: Holger Stanislawski vereint Wissen aus dem Fußballgeschehen mit den aktuellen Job-Anforderungen.

11 Freunde/Benne Ochs

Ist von der Trainerbank auf den Posten des Supermarkt-Filialleiters gewechselt: Holger Stanislawski vereint Wissen aus dem Fußballgeschehen mit den aktuellen Job-Anforderungen.

Hamburg. Selbst hier kann man sich sofort vorstellen, bei ihm in der Kabine zu sitzen und nervös mit den Stollen auf dem Boden herumzuklackern. Weil man endlich raus und den Gegner vom Platz fegen will, wenn Holger Stanislawski gesprochen hat. Dabei ist von einem Fußballplatz im Besprechungsraum seines Supermarkts weit und breit nichts zu sehen.

Aber Stanislawski ist eben Enthusiast, ob es um Fußball geht oder um Hühnereier. Neulich etwa ist er zu dem Hühnerhof gefahren, der seinen Supermarkt mit Eiern beliefert. Nun erzählt er begeistert, wie großartig es für ihn war, dass auf einer riesigen Freifläche plötzlich viertausend Hühner auf ihn zukamen und an seinen Schuhen pickten.

Nein, dieser Mann macht nichts nur irgendwie. Oder wie er selber sagt: „Wofür ich mich auch entscheide, ob hier für den Laden, als Trainer oder im Management eines Klubs zu arbeiten, dafür brenne ich lichterloh.“ Derzeit lodert Stani in seinem Supermarkt.

Supermarkt nicht vergleichbar mit einer Lotto-Toto-Annahmestelle

Wer sich beim Stichwort Supermarkt allerdings kichernd fragen sollte, ob Supermärkte für Leute aus dem Fußball inzwischen das sind, was früher mal Lotto-Toto-Annahmestellen waren, darf kurz die Luft anhalten. „Das ist kein Bauchladen“, sagt Stanislawski. Um es vorsichtig zu formulieren, denn sein Supermarkt hat eine Fläche von 6200 Quadratmetern, dazu kommen noch 1000 Quadratmeter Lager.

100 Angestellte hat der Laden, die sich um 25 000 Kunden in der Woche kümmern. Der Laden macht mit 27,5 Millionen Euro im Jahr ungefähr so viel Umsatz wie ein größerer Zweitligist. „Ich bin ja immer etwas schräg und interessiert an vielen Dingen“, sagt Stanislawski. Wobei er diesem Interesse nicht allein nachgeht.

Enthusiastisch eignet sich Stanislawski täglich Neues an

Dabei ist neben dem ehemaligen HSV-Profi Alexander Laas noch ein Freund, der über Jahrzehnte Erfahrung im Geschäft verfügt und die ganze Sache eingefädelt hat. Außerdem gehört REWE weiterhin ein Fünftel des Marktes in Winterhude. Stanislawski ist kein stiller, sondern ein sehr umtriebiger Teilhaber und permanent vor Ort. „Ich eigne mir täglich neue Dinge an und bekomme immer mehr Fachwissen.“ Schließlich soll nicht nur der Status quo verwaltet werden, sondern der Markt im alten Straßenbahndepot von 1927 noch einmal komplett umgebaut werden. „Wir wollen ein Stück weit mit dem Gebäude spielen.“

Angesichts von so viel Enthusiasmus könnte man fast denken, dass es sich beim Holger Stanislawski des Spätsommers 2014 bereits um einen ehemaligen Trainer handelt. Doch das wäre ein Irrtum, denn nach seiner Vorstellung greift sowieso eins ins andere. Was er als Trainer gelernt hat, kann er im Supermarkt gebrauchen. „Ich habe auch hier ein Team aus Mitarbeitern und eine Spielfläche, auf der ich mich bewege. Braucht man vier Innenverteidiger? Und wie viele Leute braucht man an der Käsetheke? Das liegt gar nicht so weit auseinander.“

Zudem begreift er das Erlernte als Managerschulung. Der Supermarkt ist also Fortbildungsmaßnahme und macht ihn unabhängiger. Nicht nur finanziell, sondern weil er was zu tun hat und er ein Angebot als Trainer nicht nur annehmen muss, um vom Sofa runterzukommen.

Wobei: „Nach 20 Jahren durchgängig im Profifußball hatte ich im letzten Jahr keine Probleme, mich selbst zu beschäftigen.“ Auch mit Fußball. Stanislawski ist zu einigen Spielen der Champions League gereist, oder hat Sami Hyypiä in Leverkusen und seinem alten Freund Marc Fascher bei Rot-Weiss Essen über die Schulter geschaut.

Nachgedacht über die Trainerarbeit hat er auch, wie ein Spontanvortrag über die Kohlehydratspeicher von Ersatzspielern belegt. Angebote gab es seit seinem Rücktritt beim 1. FC Köln vergangenes Jahr etliche, etwa vor dieser Saison vom 1. FC Nürnberg. „Ein interessanter, toller Klub, von der Tradition herausragend.“ Stanislawski hätte jedoch seine Co-Trainer nicht mitbringen können, also sagte er ab.

Es muss halt alles passen, so unabhängig ist er nun schon. „Natürlich gibt es Clubs, die mich wahnsinnig interessieren und für die ich hier mein aktives Engagement ruhen lassen würde.“ Aber das muss keine Eile haben, die Freuden der Fleischtheke sind noch längst nicht erschöpft.

 

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