UEFA-Generalsekretär
Gianni Infantino ist Absender eines Schreibens an den ukrainischen Verband FFU.

Gianni Infantino ist Absender eines Schreibens an den ukrainischen Verband FFU.

dpa

Gianni Infantino ist Absender eines Schreibens an den ukrainischen Verband FFU.

Kiew (dpa) - Paukenschlag rund 17 Monate vor Eröffnung der EURO 2012: Dem Mit-Veranstalter Ukraine droht wegen eines Streits mit dem Weltfußballverband FIFA der Entzug der Europameisterschaft.

Hintergrund ist der Vorwurf, dass sich die Regierung in Kiew im Gegensatz zu den FIFA-Regeln in Belange des ukrainischen Fußballverbands FFU einmische. Eine mögliche Einflussnahme von Außen wies der ukrainische Verband zurück. «Wir als FFU wollen als Institution unabhängig arbeiten», sagte FFU-Sprecher Sergej Wassiljew der Nachrichtenagentur dpa in Kiew.

Falls der FFU eine geplante Umbildung seiner Führungsriege nicht bis zum 4. Februar 2011 stoppe, will die FIFA die Ukraine von ihren Wettbewerben ausschließen. Dies wäre wiederum für den Europäischen Fußballverband UEFA ein Grund zum Entzug der EM. Dies schrieb UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino in einem Brief an den ukrainischen Verband FFU, der in Kiew veröffentlicht wurde. Mehrere Funktionäre, die angeblich Staatspräsident Viktor Janukowitsch nahestehen, wollen Verbandschef Grigori Surkis absetzen.

«Die Suspendierung der FFU durch die FIFA würde die Austragung der Europameisterschaft in der Ukraine praktisch unmöglich machen», schrieb Infantino in dem Brief, den der FFU auf seiner Internetseite veröffentlichte. FFU-Sprecher Wassiljew sagte hingegen, er gehe davon aus, dass Surkis seine bis Ende 2012 laufende Amtszeit wie vorgesehen erfülle. Die Ukraine hatte gemeinsam mit Co-Ausrichter Polen den Zuschlag für die EM erhalten.

Neuer Ärger droht der Ukraine auch bei Bauprojekten zum Turnier: Medien in Kiew berichten, dass der Neubau des Stadions in der Hauptstadt der früheren Sowjetrepublik fast doppelt so teuer wird wie veranschlagt. Statt rund 330 Millionen Euro soll das Projekt fast 600 Millionen Euro kosten. Als ein Grund dafür gilt die Zulassung eines dritten Generalunternehmers, der im Sommer 2010 ohne öffentliche Ausschreibung mit ins Boot geholt wurde. An der Firma sollen ranghohe Funktionäre aus dem Umfeld der ukrainischen Regierung beteiligt sein.

Die FFU bangt zudem um den ukrainischen EURO-Chefplaner Boris Kolesnikow. Der Vize-Regierungschef wurde am 24. Januar mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus in Kiew gebracht. Nach einer Bypass-Operation muss sich Kolesnikow mindestens zwei Wochen schonen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer