Micah Richards (r) steht stellvertretend für die Zukunft von Manchester City. Foto: Marc Müller
Micah Richards (r) steht stellvertretend für die Zukunft von Manchester City. Foto: Marc Müller

Micah Richards (r) steht stellvertretend für die Zukunft von Manchester City. Foto: Marc Müller

dpa

Micah Richards (r) steht stellvertretend für die Zukunft von Manchester City. Foto: Marc Müller

London (dpa) - Der Tabellenführer der englischen Premier League plant mit dem ersten Titelgewinn seit 1968 den großen Wurf. Doch nicht nur sportlich, sondern auch bei der Infrastruktur soll mit dem Jugendzentrum «Etihad Campus» bei Manchester City eine neue Ära beginnen.

Die Altlasten der Vergangenheit sind im Osten Manchesters allgegenwärtig. Noch prägen brachliegende Industriebauten und kontaminiertes Gelände das Bild rund um das Etihad Stadium von Manchester City. Hoffnungsträger aus dem eigenen Clubnachwuchs wie der 23 Jahre alte Abwehrspieler Micah Richards posieren dennoch gern zu PR-Zwecken vor der Großbaustelle.

Denn in den kommenden vier Jahren soll dort das hochmoderne Trainings- und Leistungszentrum «Etihad Campus» entstehen. Ende Dezember 2011 gab der Stadtrat von Manchester Grünes Licht für den Bau. Der «Etihad Campus» wird 17 Fußballfelder für Kinder und Jugendliche, ein 7000 Zuschauer fassendes Stadion, Trainingsmöglichkeiten für 400 Nachwuchsspieler und Wohnungen für 32 Fußballprofis umfassen.

Kurios: Der Name des Hauptsponsors «Etihad», einer Fluggesellschaft, die sich 2011 auch die Namensrechte für das City of Manchester Stadium sicherte, heißt auf englisch «United». Citys großer und lange übermächtiger Stadtrivale Manchester United dürfte manch neidischen Blick auf das neue Areal werfen. Rund 150 Millionen Euro wird sich das in Abu Dhabi ansässige Unternehmen das ambitionierte Projekt kosten lassen.

«Wir freuen uns, dass damit nicht nur eine weitere, hochmoderne Sportstätte in Manchester entstehen wird, sondern dass auch viele Arbeitsplätze geschaffen werden», erklärte Stadtrat Sir Richard Leese nach der Entscheidung. Neben Citys Fußball-Geschäftsführer Brian Marwood zeichnet ein Welt- und Europameister verantwortlich für Manchesters neuen Talentschuppen: Patrick Vieira. Der Franzose, unter anderem einst aktiv beim FC Arsenal, Inter Mailand und Manchester City, sieht den FC Barcelona und dessen Club-Akademie La Masia als großes Vorbild.

«Barca spielte im letztjährigen Champions-League-Finale mit acht Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs», erklärt Vieira, «das ist eine fantastische Inspiration für uns.» Eine solche Quote kann der Spitzenreiter der englischen Fußball-Eliteliga nicht vorweisen. Mit Micah Richards und Nedum Onuoha stehen lediglich zwei Talente aus den eigenen Reihen im Kader von Trainer Roberto Mancini.

Mit dem «Etihad Campus» soll dieser Trend umgekehrt werden. Dabei hat Manchester City auch neuen Regeln des «Financial Fair Play» der UEFA auf der Rechnung. Der englische Fußball-Pokalsieger verbuchte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Rekordverlust von 228 Millionen Euro.

Die neue UEFA-Regelung soll unbegrenzte Investitionen in Spieler und einen exorbitanten Anstieg der Gehälter verhindern. «Es wird dann nicht leicht sein, Jugendspieler für viel Geld zu kaufen», sagt Patrick Vieira, «die Akademie ist somit unsere Chance, diese Spieler selbst zu entwickeln und Tür an Tür mit den Profis agieren zu lassen.» Kritiker sehen den «Etihad Campus» jedoch als neues Symbol zwischen Arm und Reich im wirtschaftlich gebeutelten Osten der Stadt.

«Die Ruinen von Manchesters Industrie treffen hier auf das übersprudelnde Geld aus Abu Dhabi», schreibt die Zeitung «The Guardian» mit Blick auf die triste Industriebrache mit 19 stillgelegten Bergwerksschächten, «die Clubverantwortlichen von City sehen den Fußball immer noch als Geschäftsmodell und sind für diese Gegend kaum der erwartete Wohltäter.»

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