Madrid (dpa) - Der indische Multimillionär Ahsan Ali Syed will den spanischen Fußball-Erstligisten Racing Santander kaufen. Der Deal soll in den kommenden Tagen perfekt gemacht werden.

Die Regierung der nordspanischen Region Kantabrien, die dem Club ein millionenschweres Darlehen gewährt hatte, gab bereits ihr Einverständnis. «Ohne die Geldspritze des Inders sähe die Zukunft des Vereins ziemlich finster aus», betonte Ministerpräsident Miguel Angel Revilla. «Mister Ali», wie der Geschäftsmann in Spanien genannt wird, will 50 Millionen Euro in die Verstärkung des Teams stecken.

Racing Santander würde damit zum zweiten Verein in der Primera División, der in den Besitz eines ausländischen Investors geriete. Im Juni 2010 hatte der Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar den FC Málaga gekauft. Damit scheint auch in Spanien ein Trend Fuß zu fassen, der sich in England schon vor Jahren ausgebreitet hatte. In der Premier League befinden sich führende Clubs wie Manchester United, der FC Chelsea oder Manchester City im Besitz ausländischer Milliardäre.

Auch der Inder Ali Syed, der in Bahrain über ein Imperium von 133 Firmen und Beteiligungen gebietet, hatte sein Auge zunächst auf den englischen Fußball geworfen. Sein Vorhaben, den Erstligisten Blackburn Rovers zu kaufen, gab der 36-Jährige jedoch aufgrund der hohen Schulden des Vereins auf. Seine Entscheidung für Santander begründete er so: «Spanien ist das Land des Weltmeisters, und Racing hat ein enormes Wachstumspotenzial.»

Anders als in England werden die fußballbegeisterten Milliardäre und Ölscheichs sich in Spanien jedoch mit kleineren Clubs begnügen müssen. An die ganz großen Fische kommen sie nicht heran. Die spanischen Traditionsclubs wie Real Madrid, FC Barcelona oder Athletic Bilbao sind keine Aktiengesellschaften, sondern auch heute noch Sportvereine, die allein den Mitgliedern gehören und nicht verkauft werden können.

Racing Santander hat mit Geldgebern aus dem Ausland allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. 2003 war der US-Unternehmer Dmitri Piterman mit einem Aktienpaket bei dem Club eingestiegen. Mit seinen eigenwilligen Methoden - er wollte unbedingt auf der Trainerbank sitzen - überwarf sich der aus der Ukraine stammende Geschäftsmann jedoch mit den anderen Aktionären und schied im Krach.

Der Deal mit Ali Syed sei nicht vergleichbar mit dem Engagement Pitermans, versichert die Vereinsführung. Die Fans schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis. Einerseits fürchten sie, dass Racing seine Identität verlieren könnte, anderseits hoffen sie, dass mit den Millionen des Inders bessere Zeiten bei den Grün-Weißen anbrechen. Der 98 Jahre alte Club aus der nordspanischen Hafenstadt ist eine graue Maus im spanischen Fußball. Er gehörte 1928 zu den Gründungsmitgliedern der Liga, stieg im Laufe seiner Geschichte aber immer wieder mal in die Zweit- oder Drittklassigkeit ab.

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