Vor Gericht
Anwalt Reinhard Peters (l) steht im Oktober mit dem Angeklagten Tuna A. im Bochumer Gerichtssaal.

Anwalt Reinhard Peters (l) steht im Oktober mit dem Angeklagten Tuna A. im Bochumer Gerichtssaal.

dpa

Anwalt Reinhard Peters (l) steht im Oktober mit dem Angeklagten Tuna A. im Bochumer Gerichtssaal.

Bochum (dpa) - Im Wettskandal-Prozess am Bochumer Landgericht wird am 10. Dezember ein weiteres Geständnis erwartet. Der 55-jährige Tuna A. will sich umfassend zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern, bestätigte Verteidiger Reinhard Peters der Nachrichtenagentur dpa.

Tuna A. gilt im Prozess um manipulierte Fußballspiele als eine der Schlüsselfiguren. Er soll unter anderem enge Kontakt zu Ante S. unterhalten haben, der schon in den Wettskandal um den ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt gewesen ist. Die Anklage gegen Ante S. soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft möglicherweise noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2011 erhoben werden.

Tuna A. gehörte laut Staatsanwaltschaft zur «Führungsebene» der mutmaßlichen Wettbetrüger. Er soll unter anderem Sportler in der Türkei und in Deutschland bezahlt haben. Außerdem gehen die Ermittler davon aus, dass er mit einem Vertrag von Januar 2009 die Schulden des belgischen Zweitligisten Union Royal Namur in Höhe von rund 700 000 Euro mit übernommen hat. Laut Anklage wollte er sich dadurch Einfluss auf die Profis des Vereins sichern, um anschließend Spielausgänge zu manipulieren. Tuna A. war im November 2009 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Ende November hatte bereits der Mitangeklagte Nürettin G. ein Geständnis abgelegt. Der 35-jährige Wettbüro-Betreiber hatte vor der 13. Strafkammer des Bochumer Landgerichts zugegeben, Wetten auf manipulierte Spiele gesetzt und selbst Spieler bezahlt zu haben. Dabei wurden mit Thomas Cichon, Marcel Schuon und Bilal A. vor allem drei ehemalige Spieler des Zweitligisten VfL Osnabrück belastet. Als Bestechungsgeld sollen bis zu 25 000 Euro vereinbart worden sein. Die ebenfalls angeklagten Kristian S. und Stevan R. haben sich noch nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert.

Eine Entscheidung über die von der Verteidigung erneut gestellten Befangenheitsanträge soll noch bekanntgegeben werden. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, über 30 Fußballspiele manipuliert zu haben. Betroffen sind Partien von der Europa-League bis zur A-Jugend. Die Wettgewinne sollen sich auf rund 1,6 Millionen Euro summieren.

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