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Kevin Prince Boateng hat durch sein konsequentes Auftreten die Politik auf den Plan gebracht. Foto: Matteo Bazzi

Kevin Prince Boateng hat durch sein konsequentes Auftreten die Politik auf den Plan gebracht. Foto: Matteo Bazzi

dpa

Kevin Prince Boateng hat durch sein konsequentes Auftreten die Politik auf den Plan gebracht. Foto: Matteo Bazzi

Turin (dpa) - Im Pokal-Viertelfinale gegen Juventus Turin ist Kevin-Prince Boateng mit dem AC Mailand gescheitert, sein Kampf gegen Rassismus aber zeigt erste konkrete Erfolge.

Ab sofort sollen Fußballspiele in Italien wegen rassistischer Fan-Sprechchöre sofort gestoppt und notfalls auf Anordnung des Polizeichefs im Stadion abgebrochen werden. Nicht der Schiedsrichter, sondern ein Beamter entscheidet, bekräftigte die staatliche Kommission für Sportveranstaltungen nach ihrer Sitzung mit dem italienischen Fußballverband (FIGC) am Mittwochabend.

Damit reagierte die italienische Politik auf den Rassismus-Eklat beim Testspiel des AC Mailand beim Viertligisten Pro Patria vergangene Woche. In Busto Arsizio hatte Boateng nach 26 Minuten den Platz verlassen, weil gegnerische Fans ihn und die übrigen dunkelhäutigen Milan-Spieler fortwährend verhöhnten. Milans Mannschaft weigerte sich weiterzuspielen, der Schiedsrichter brach daraufhin erstmals in Italien ein Fußballspiel wegen Rassismus ab.

Nun hat die Politik die Kompetenzen und den Ablauf für ähnliche Vorfälle in den Stadien präzisiert. Außerdem wurden regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen und Übungen für die Ordner in den Stadien beschlossen. Gegen bereits bekannte Störenfriede sollen unmittelbar nach Zwischenfällen Stadionverbote ausgesprochen werden. Das Amt für öffentliche Sicherheit wird die Clubs nochmals über die Null-Toleranz-Politik gegen Rassismus informieren. Als vierter Punkt wurde eine Werbekampagne gegen Rassismus in den Stadien beschlossen.

Nur eine Woche nach Boatengs konsequenter Aktion gegen Rassismus in Busto Arsizio hat Italien damit die Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit im Fußball verschärft. Wie diese in der Praxis umsetzbar sind, bleibt aber fraglich. Kritiker fürchten, dass wenige Fans durch rassistische Sprechchöre nun Spiele gezielt zum Abbruch bringen können.

Beim sportlich brisanten Pokal-Duell zwischen Rekordmeister Juve und Milan blieb es am Mittwochabend in Turin friedlich. Der gebürtige Berliner Boateng unterlag mit den Mailändern 1:2 (1:1, 1:1) nach Verlängerung. Stephan El Shaarawy hatte die Gäste in der sechsten Minute in Führung gebracht, Sebastian Giovinco glich jedoch kurz darauf (12.) für Juve aus. Den Siegtreffer für Turin erzielte Mirko Vucinic in der 95. Minute.

«Das war die richtige Reaktion auf unser schwaches Spiel gegen Sampdoria», sagte Juve-Coach Antonio Conte. Am Wochenende hatte der Tabellenführer der Serie A gegen Genua trotz fast einstündiger Überzahl 1:2 verloren. Auch Milans Coach Massimiliano Allegri lobte sein Team für ein «gutes Spiel»: «Natürlich bin ich enttäuscht, aber wir haben bis zuletzt gekämpft und mit einer Mannschaft mitgehalten, die in der Liga dominiert.» Im Halbfinale trifft Juve nun auf Lazio Rom. Die Hauptstädter hatten am Dienstag ohne den geschonten Miroslav Klose ihr Viertelfinale gegen Catania Calcio mit 3:0 gewonnen.

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