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Istanbuls Chef-Coach Bernd Schuster (r) mit einem seiner Assistenz-Trainer.

Istanbuls Chef-Coach Bernd Schuster (r) mit einem seiner Assistenz-Trainer.

dpa

Istanbuls Chef-Coach Bernd Schuster (r) mit einem seiner Assistenz-Trainer.

Belek (dpa) - Am Tor zum Trainingsplatz von Besiktas Istanbul steht ein Wachposten. Fans lässt er erst kurz vor Schluss hinein, Reporter nur in eigens für sie abgesperrte Zonen.

Während Vereinen wie Schalke 04 oder Werder Bremen jeder im Trainingslager in Belek bei der Arbeit zusehen kann, schirmt sich Besiktas mit dem deutschen Trainer Bernd Schuster und seinen ehemaligen Bundesliga-Stars Hugo Almeida oder Fabian Ernst so gut es geht ab. Schuster baut in der Türkei gerade für viel Geld eine Weltelf mit starker deutscher Prägung auf. Dabei soll niemand stören.

«Es gab drei Gründe, warum ich hierher gegangen bin. Der wichtigste ist, dass Besiktas unbedingt die Europa League gewinnen will», sagt Almeida. Der Stürmer war erst im Dezember von Bremen nach Istanbul gewechselt, wo er in dreieinhalb Jahren rund neun Millionen Euro verdienen soll. Das dürfte der zweite Grund gewesen sein.

Im Wesentlichen hat Besiktas zuletzt zwei Gruppen von Spielern verpflichtet. Eine besteht aus ehemaligen Bundesliga-Profis wie Almeida, Fabian Ernst (Schalke 04), Roberto Hilbert (VfB Stuttgart) und Michael Fink (Eintracht Frankfurt). Die andere stammt aus der Feinkostabteilung des Transfermarkts und bevorzugt aus Portugal: Simao kam von Atletico Madrid, Manuel Fernandes aus Valencia, Guti von Real Madrid, Ricardo Quaresma von Inter Mailand.

«Zuletzt hatte Besiktas Spieler aus aller Herren Länder. Das gefiel mir nicht. «Daher befürworte ich eine Konzentration auf wenige Nationen», sagte Schuster dem «Kicker». Seine Mannschaft wohnt in Belek im noblen Hotel «Gloria». Dieser Name soll Programm werden. «Alle anderen türkischen Clubs sind international ausgeschieden, nur Besiktas ist weiter. Das macht uns stolz», meinte der Trainer.

Durch ihre spektakulären Einkäufe sind die «Schwarzen Adler» zum spannendsten Projekt des türkischen Fußballs geworden. Die Sportzeitungen des Landes berichten ohnehin jeden Tag auf mehreren Seiten über die Istanbuler Großclubs. Seit Almeida oder Simao da sind, schalten die TV-Kanäle in ihren Nachrichtensendungen aber immer erst nach Belek, bevor es zu Fenerbahce oder Galatasaray geht. Dabei steht Besiktas eigentlich eher im Schatten der beiden großen Rivalen.

Abgesehen vom aussortierten und bei Hannover 96 gehandelten Fink geht es den ehemaligen Bundesliga-Spielern in ihrer neuen Heimat gut. Ernst hat seinen Vertrag gerade vorzeitig bis 2014 verlängert. «Ich habe bei Besiktas alles, was ich brauche. Ich bin glücklich», sagte er der «Sportbild». Und Almeida erklärte: «10 Tore wären gut, 15 sehr gut. Ich glaube, dass ich mit diesem Wechsel die richtige Entscheidung getroffen habe. Mit Simao, Fernandes und Quaresma habe ich ja schon in der Nationalmannschaft zusammengespielt.»

Noch jubelt alles in der Türkei über das neue Millionenteam, ab Mittwoch steht Schusters Projekt allerdings auf dem Prüfstand. Dann geht es im Pokal zum Zweitligisten Manisaspor, danach müssen in der Meisterschaft 14 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Trabzonspor aufgeholt werden. «Wenn wir am Mittwoch verlieren, wird es für uns ungemütlich», sagte der zum rechten Verteidiger umgeschulte Hilbert. Denn mit den neuen Stars ist bei Besiktas auch der Druck gestiegen.

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