„Bafana Bafana“ enttäuscht zum Auftakt des Afrika-Cups

Johannesburg (dpa) - Wo man auch hinhörte, ob beim Zeitungsmann an der Straßenecke, an der Tankstelle oder am Flughafenschalter: In Südafrika herrschte nach der gefühlten Niederlage gegen den Turnier-Novizen Kapverden tiefe Ratlosigkeit.

Das 0:0 der „Bafana Bafana“ zum Auftakt des Afrika-Cups weckt schlimme Erinnerungen an das schmerzhafte Vorrunden-Aus bei der Heim-WM vor gut zwei Jahren. „Bafana feuert ins Leere“, titelte die „Sunday Times“.

Nach einer Reihe von trost- und torlosen Testspielen hatte Trainer Gordon Igesund der Nation versprochen, dass seine „Jungs“ („Bafana Bafana“) gegen die Kapverden so richtig aufdrehen würden. Doch wenn dies das „wahre Gesicht der Mannschaft“ war, wie Igesund in Aussicht stellte, dann wird Südafrika das gleiche Schicksal ereilen wie 2010. Denn mit Angola und Marokko, die sich ebenfalls torlos trennen, warten deutlich größere Kaliber auf die Gastgeber der Afrika-Meisterschaft 2013.

Beim Bemühen, die Blamage zu erklären, wirkte Igesund genauso ratlos wie die 80 000 Zuschauer im Johannesburger Nationalstadion. „Die Jungs waren ziemlich nervös“, sagte er. Auch die ungewöhnliche kühle Brise von nur 16 Grad Celsius nach einem Regenguss wurde als Erklärung bemüht.

Südafrika wurde jedenfalls regelrecht eiskalt erwischt. Immerhin korrigierte Igesund seine umstrittene Entscheidung, auf den zuletzt formschwachen Siphiwe Tshabalala statt auf Thulani Serero zu setzen. Noch während des Spiels vollzog er den Wechsel - ohne Erfolg. Die Kapverden konnten bei ihrer Turnier-Premiere den nächsten Coup landen und bewiesen mit guter Taktik und Moral, warum sie in der Qualifikation das große Kamerun geschlagen haben. Auf den Inseln im Atlantik wurde das Remis kräftig gefeiert.

Und Südafrika? Muss wieder einmal die Scherben zusammenfegen. Tshabalala, der 2010 durch sein fulminantes Tor gegen Mexiko zu Berühmtheit gekommen war, steht sinnbildlich für die Krise. Wie viele seiner Kollegen schaffte er es nach der WM nicht, sich bei einem europäischen Club aufzudrängen. Die heimische Liga PSL zahlt dank millionenschwerer Fernsehverträge inzwischen üppige Profigehälter - da fehlt bei vielen der Ehrgeiz, sich in Europa auf sportlich höherem Niveau durchsetzen zu müssen.

Auch in Sachen Nachwuchsförderung tut sich am Kap zu wenig, bemängeln Kritiker. Shaun Bartlett, einer der Afrika-Cup-Gewinner von 1996, bedauerte nach dem Unentschieden gegen die Kapverden: „Seit unserem Erfolg hat sich in Sachen Spielerausbildung nicht viel getan.“

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