Horst Eckel, der Benjamin der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954, wird am 8. Februar 85 Jahre alt.

Uraufführung des Musicals "Das Wunder von Bern"
Horst Eckel war bei der Fußball-WM von 1954 auf dem Rasen dabei. Foto: Markus Scholz

Horst Eckel war bei der Fußball-WM von 1954 auf dem Rasen dabei. Foto: Markus Scholz

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Horst Eckel war bei der Fußball-WM von 1954 auf dem Rasen dabei. Foto: Markus Scholz

Osnabrück. Er ist seit vielen Jahren der einzige, der noch vom Wunder von Bern erzählt. An diesem Mittwoch wird Horst Eckel 85 Jahre alt. Seine Lebensaufgabe: Das Vermächtnis der Helden von Bern zu erhalten.

Als beim Sportpresseball im vergangenen Jahr Joachim Löw in den Stand einer „Legende des Sports“ erhoben wurde, gab es viel Applaus für den Bundestrainer und Laudator Miroslav Klose. Doch für Horst Eckel, der den Preis mit Klose überreichte, standen die Menschen in der Alten Oper Frankfurt auf und wollten nicht aufhören zu klatschen.

Die meisten der begeisterten Gäste dieser Gala haben Horst Eckel nie spielen sehen. Und auch das Finale um die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern haben sie nicht unmittelbar erlebt. Doch es geht ihnen wie Millionen anderer in diesem Land: Sie wissen genau, was damals geschah, und – mehr noch – sie fühlen so wie damals, als ob sie dabei gewesen wären.

Wenn sie das Siegtor von Helmut Rahn sehen, bekommen sie Gänsehaut, und wenn sie Rundfunkreporter Herbert Zimmermann rufen hören „Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“, glänzt ihnen das Wasser in den Augen.

Horst Eckel geht es genauso. Wenn er erzählt vom Finale gegen die Ungarn, vom Trainer Sepp Herberger und von seinem Freund und Vorbild Fritz Walter, dann bekommt seine Stimme einen andächtigen Klang. Er hat noch jede Ankedote auf Lager und kennt alle Einzelheiten, nie wird er müde, davon zu erzählen.

Weltmeister! Es war ein sportliches Wunder, das im Sommer 1954, gerade mal neun Jahre nach dem Ende des Krieges, wahr wurde für die Mannschaft von Sepp Herberger. Horst Eckel war mit 22 der jüngste im Team. „In der Ecke, da steht Eckel – unser Benjamin“, rief Reporter Zimmermann.

Drei zu zwei – der Sieg der deutschen Feierabendfußballer gegen die Profis aus Ungarn war der Triumph eines willensstarken Teams, das von zwei kongenialen Männern geführt wurde: Trainer Sepp Herberger und Spielmacher Fritz Walter. Beiden war Eckel treu ergeben, der eine ist für ihn bis heute „der Chef; was er gesagt hat, haben wir gemacht.“ Der andere war sein Idol, zu dem er zeitlebens aufschaute: „Ich bin stolz darauf, dass ich sein Freund sein durfte.“ Fritz Walter starb im Juni 2002; wenn Eckel darüber spricht, treten ihm die Tränen in die Augen. Der Ruhm wurde für viele der Helden von Bern zur Last.

Verteidiger Werner Kohlmeyer verfiel dem Alkohol, verlor Job, Frau und Halt; er starb 1974 als erster aus der Mannschaft, verarmt, einsam und verbittert. So böse stürzte sonst keiner ab, aber sie hatten ihre Probleme. Auch Horst Eckel. Früher hatte er in einer Nähmaschinenfabrik gearbeitet, in den sechziger Jahren verdiente er sich das Geld für sein Sportlehrer-Studium, indem noch mit 35 in der Regionalliga für den SV Röchling-Völklingen rackerte und nebenbei zwei Amateurvereine trainierte. Das Projekt, ein Sporthotel aufzubauen, war gerade gescheitert.

Das war in einer Zeit, als die Berner Elf bei weitem nicht so populär und gegenwärtig waren wie heute. Erst das Filmprojekt des Regisseurs Sönke Wortmann trug schon in der Anlaufphase ab 2001 dazu bei, dass das „Wunder von Bern“ eine Renaissance feierte, die bis heute anhält. Horst Eckel unterstützte den Regisseur als Berater, seitdem ist er Herold des Wunders von Bern.

Viele seiner Kameraden, wie Eckel die Mitspieler ganz bewusst nennt, wollten irgendwann nicht mehr. Das gilt auch für den neben Eckel letzten noch lebenden Berner Helden. Der Kölner Hans Schäfer, der am 19. Oktober 1927 seinen 90. Geburtstag feiert, verweigert sich nahezu allen Interviewanfragen.

Auch dem Schützen des Tores aller Tore wurde es zuviel. Helmut Rahn, der an tausend Theken des Ruhrgebiet der Aufforderung „Boss, erzähl´ mich datt Tor“ nachgekommen war, wollte nichts mehr davon hören. Und wenn ihn doch mal ein Anrufer an der Strippe hatte,der wissen wollte, mit welchem Fuß er denn dieses berühmte dritte Tor geschossen habe, dann antwortete er trotzig: „Ich hab´s geköppt.“ Und knallte den Hörer auf.

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