Vor wenigen Wochen noch versuchte Altkanzler Gerd Schröder persönlich, das Ansehen und die Verdienste von Franz Beckenbauer rund um die WM 2006 zu retten. Franz habe Großes geleistet und dafür gebühre ihm Dank, sagte Schröder, ehe sich die beiden Gazprom-Mitarbeiter herzlich drückten. Bei dieser Feierstunde in der Allianz-Arena klatschten sie alle: Reinhard Rauball und Reinhard Grindel, Otto Schily und Münchens OB Dieter Reiter, Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge.

Inzwischen wissen sie, dass der Franz sich seinen Einsatz ganz nett hat honorieren lassen. Und nicht als oberster Ehrenamtler unterwegs war. Und keiner der Lichtgestalt-Jünger aus Politik, Fußball, Wirtschaft und Medien soll jetzt kommen und sagen, der Franz hätte es verdient gehabt, es habe sich doch gelohnt und außerdem hätten wir das Sommermärchen doch alle so sehr gewollt…

Nein! Hier ist eine Millionen-Zahlung an einen Mann, der sich für seinen ehrenamtlichen Einsatz feiern ließ, erfolgt und verborgen worden – vor den DFB-Mitgliedern, der Öffentlichkeit und den Steuerbehörden.

Diese Enthüllung rückt auch die neue Führung des DFB ins Zwielicht, denn wer die Ära des Neuanfangs so großflächig mit „Transparenz“ etikettiert, hatte die moralische Pflicht, über den Geldfluss an Beckenbauer zu informieren. Doch auch der neue DFB zieht sich lieber auf juristische Positionen zurück.

Egal, an welcher Ecke die staatlichen Ermittler und die journalistischen Enthüller den WM 2006-Teppich anhoben und in den Dreck pusteten – immer gab es Spuren zu Beckenbauer und seinem Strippenzieher Fedor Radmann.

„Gute Freunde kann niemand trennen“, trällerte der junge Beckenbauer, als er seinen ersten Ruhm mit einer Schallplatte versilberte. Mal sehen, welcher seiner Freunde ihm als erstes sekundiert im neuen Skandal. Übung darin haben sie ja.

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