Friedhelm Funkel
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dpa

Bochum. Er ist der Rekordhalter. Bald sind es 1100 Spiele, die Friedhelm Funkel im deutschen Profi-Fußball auf dem Rasen als Spieler und an der Seitenlinie als Trainer dabei war. Unsere Zeitung sprach mit Funkel über seinen Klub, den VfL Bochum, die Chance auf die Rückkehr in die Bundesliga und das Comeback von Michael Ballack.

Herr Funkel, Bochum wirkt wie ein einzige Baustelle, auf der A 40 wird gebuddelt, das Stadion wird renoviert, der Klub befindet sich im Umbau. Ist das der Ort, an dem sich der Trainer mit dem Arbeiter-Image zu Hause fühlt?

Funkel: Wenn man meinen Werdegang verfolgt, ist das die vierte Station, an der viel Neues entsteht. Die erste Stadion war Rostock mit dem Umbau des Stadions, da haben wir uns im Container umgezogen. 2003 in Köln und dann auch in Frankfurt wurden jeweils die Stadien WM-tauglich gemacht. Ich fühle mich auf solchen Baustellen richtig zu Hause. Selbst wenn man auf moderne Dinge ein wenig warten muss.

Wie leitet man als Trainer den Umbruch nach einem Abstieg ein? Ist es zwingend, sich dabei immer auch von verdienten Spielern zu trennen.

Funkel: Als erstes muss man wissen, was in der Vergangenheit gewesen ist. Wenn man absteigt, ist ja in der Regel vieles falsch gelaufen. Das haben wir aufgearbeitet in Gesprächen mit dem damaligen Aufsichtsratchef Werner Altegoer und Sportdirektor Thomas Ernst. Dann muss man sich anschauen, wie die Vertragssituation bei einzeln Spielern ausschaut und vor allem, was der Nachwuchs im Klub für Optionen bietet. Ich habe zu meiner Überraschung festgestellt, dass der Frust und die Enttäuschung über den Abstieg in dieser Mannschaft tiefer verwurzelt war, als ich das bisher kannte aus Köln oder Frankfurt. Im Laufe der Hinrunde habe ich dann bei einigen Spielern gespürt, dass sie die 2. Liga nicht so annehmen, wie du es als Trainer und Verein brauchst, wenn du wieder zurück willst in die Bundesliga.

10. Dezember 1953

Bayer Uerdingen (1974-80, 1983-90), 1. FC Kaiserslautern (1980-83)

320 Bundesligaspiele, Pokalsieger 1985

Uerdingen (1990 - Mai 1996), MSV Duisburg (Mai 1996 - März 2000), Hansa Rostock (Sept. 2000 - Dez. 2001), 1. FC Köln (Febr. 2002 - Okt. 2003), Eintracht Frankfurt (2004-09), Hertha BSC (Okt. 2009 - 2010), VfL Bochum (seit 2010)

Sie haben den Umbruch dann mitten in der Saison eingeleitet.

Funkel: Ja, das 1:4 zu Hause gegen Ingolstadt war der Anlass. Da war ich zu 100 Prozent überzeugt, jetzt handeln zu müssen. Ich habe dann vier Spieler suspendiert (Mergim Mavraj, Marc Pfertzel Milos Maric, Dennis Grote, Anmerk. d. Red.). Die jungen Spieler habe ihre Sache danach gut gemacht. Als Trainer bist du dann n auch davon abhängig. Wir haben jetzt eine andere Hierarchie im Team. Darum geht es im Kern, wenn man eine Mannschaft umbaut. Und wir haben jetzt drei bis fünf junge Spieler, die in der ersten Mannschaft einen Platz haben.

Der Erfolg scheint Ihnen recht zu geben. Sechs Siege in Folge, drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz – in Frankfurt ist Ihnen das Kunststück schon einmal gelungen. Klappt das mit Bochum auch?

Funkel: Möglich ist das. Aber nicht so wie in Frankfurt. Da hatten wir in der Rückrunde 36 Punkte geholt, zwölf Spiele gewonnen und alle zu Null. Um aufzusteigen müssen wir eine unglaublich konstante Saison spielen. Und mehr als die 28 Punkte aus der ersten Serie holen. Davon bin auch auch überzeugt. Ob es dann reicht, muss man sehen.

Wer sind denn Ihre Aufstiegsfavoriten?

Funkel: Ich halte Hertha und Augsburg für die beiden besten Mannschaften. Beide werden sehr konstant durch die Rückrunde gehen. Im Kampf um Platz drei ist alles offen. Allen Mannschaften, die um diesen Platz kämpfen, ob Aue, Cottbus, Duisburg, Greuther-Fürth, allen fehlt die absolute Konstanz. Uns ja auch, weil wir zu viele Punkte zu Saisonbeginn weggegeben haben.

Sie sind fünf Mal mit vier verschiedenen Vereinen in die Bundesliga aufgestiegen. Auch darum hat Sie Bochum verpflichtet. Bleibt denn Bochum für sie eine Perspektive, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappen sollte.

Funkel: Bochum ist auch dann eine Perspektive, weil wir mit vielen jungen Leuten arbeiten, die am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Mit dem Negativfall beschäftige ich mich jetzt aber überhaupt nicht.

Bochum pflegte einst das Image der Unabsteigbaren. Bis der Trainer Funkel mit Uerdingen 1995 Bochum zum ersten Mal in die 2. Liga schickte.

Funkel: 2:1 haben wir gewonnen mit einem Tor von Rainer Krieg. Aber Bochum ist auch nach dem fünften Abstieg immer wieder direkt zurückgekommen. Ich bin ja auch fünf Mal aufgestiegen. Das sechste Mal versuchen wir es nun zusammen umzusetzen. Das ist unser Wunsch, unser ehrgeiziges Ziel.

Sie sind jetzt 38 Jahre im Profifußball. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Funkel: Wie heute. Es war im März oder April 1973 als ich bei Bayer Uerdingen im Probetraining unter Trainer Klaus Quinkert war. Ich hatte davon, geträumt in der Regionalliga West zu spielen. Damals war das die 2. Liga. Danach ging alles ganz schnell und reibungslos. Der Fußball hat wie ein Traum für mich begonnen. Und er ist es immer noch.

Auch in der Rolle des Trainers?

Funkel: Ja, absolut. In Krefeld konnte ich mich in den ersten Jahren entwickeln, auch Duisburg war toll. Heute bin ich sehr neidisch auf das neue Stadion. Wir haben damals noch in einer zügigen Freiluftarena gespielt, der Aufstieg mit Köln war ungeheuer emotional, Frankfurt war die schönste Zeit, Berlin war die beste Mannschaft, die ich je trainieren durfte. Wir hätten nie absteigen dürfen. Wenn Gekas so getroffen hätte wie jetzt in Frankfurt, hätte das auch geklappt.

Mit Hertha haben sie in der vergangenen Saison kein Heimspiel gewonnen. Aktuell scheint Borussia Mönchengladbach das nachzuahmen.

Funkel: Ich gönne Gladbach unglaublich den Klassenerhalt, nicht nur weil ich ein gutes Verhältnis zum Kollegen Michael Frontzeck habe. Ich finde es richtig klasse, wie die an ihrem Konzept festhalten. Das ist toll. Was letztes Jahr gut war, kann ja dieses Jahr nicht schlecht sein. So hinter dem Trainer zu stehen, das ist super. Eine solche Geduld und Beharrlichkeit muss belohnt werden.

Gladbach spielt am Sonntag gegen Leverkusen. Sie haben gerade unter der Woche einen Test gegen Bayer mit Michael Ballack gespielt. Ist er fit für ein Comeback?

Funkel: Er war sehr präsent, hat Regie geführt, ein Tor gemacht. Gesund ist er, aber ob er körperlich so weit ist für 90 Minuten Bundesliga, muss Trainer Jupp Heynckes entscheiden. Nach einem halben Jahr verletzungsbedingter Pause ist das schwierig zu beurteilen. Es ist ein Risiko. Ob er sich das jetzt schon antut oder noch wartet. Ich bin gespannt, wie der Jupp das entscheidet.

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