DFB-Frauen
Dzsenifer Marozsan führt Deutschland als Spielführerin zur EM. Foto: Thomas Eisenhuth

Dzsenifer Marozsan führt Deutschland als Spielführerin zur EM. Foto: Thomas Eisenhuth

dpa

Dzsenifer Marozsan führt Deutschland als Spielführerin zur EM. Foto: Thomas Eisenhuth

Frankfurt/Main (dpa) - Mit 17 Olympiasiegerinnen und gleich fünf Torhüterinnen startet die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf die EM-Titelverteidigung.

Insgesamt 29 Spielerinnen berief Bundestrainerin Steffi Jones in ihren vorläufigen XXL-Kader für die Fußball-Europameisterschaft vom 16. Juli bis zum 6. August in den Niederlanden. Ein Sextett aus dieser Gruppe soll am 5. Juli nach insgesamt drei DFB-Lehrgängen noch gestrichen werden. Ihren EM-Auftakt bestreitet die deutsche Mannschaft am 17. Juli (20.45 Uhr) gegen Schweden in Breda.

Schon jetzt gibt es Härtefälle. So fielen in Weltmeisterin Simone Laudehr, Europameisterin Melanie Leupolz und auch Verena Faißt drei bewährte Kräfte beim EM-Casting vorzeitig durch das Raster. Das Trio verfügt nach längeren Verletzungen noch nicht wieder über die notwendige Fitness oder Spielpraxis für die Titelkämpfe mit erstmals 16 Teams. «Wir brauchen absolut fitte Spielerinnen», erläuterte Jones, die in dieser Hinsicht nur eine kleine Ausnahme machte.

So darf Lena Goeßling vom Double-Sieger VfL Wolfsburg die drei EM-Lehrgänge in Marienfeld, Kamen-Kaiserau und Heidelberg mitmachen, um sich ans Team heranzukämpfen. «Lena ist schon länger wieder im Training und flexibel auf mehreren Positionen einsetzbar. Aber sie weiß, dass sie sich zunächst unterordnen muss und keine Stammplatzgarantie hat.» Dennoch sei Goeßling allein aufgrund ihrer «Erfahrung und Variabilität eine wichtige Spielerin», urteilte Jones.

Angeführt wird das Aufgebot des achtmaligen Europameisters, der den Titel zuletzt sechsmal in Serie holte, von Spielführerin Dzsenifer Marozsán. Die Edeltechnikerin gewann mit Olympique Lyon ebenso wie Josephine Henning und Pauline Bremer am Donnerstagabend die Champions League. Damit krönte die 25-jährige Marozsán ihre erste Saison in Frankreich nach dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal gleich mit dem Triple. Im Finale von Cardiff siegte Lyon gegen Paris Saint-Germain nach 120 torlosen Minuten im Elfmeterschießen. Für Jones ist Marozsán auf der «Sechs» das Herz der verjüngten DFB-Elf. «Dzseni ist eine geniale Spielerin und in Frankreich auch menschlich gereift.»

Erstmals im DFB-Kader steht die 19 Jahre alte Essenerin Lea Schüller. Obendrein ungewöhnlich: Neben Almuth Schult, Laura Benkarth und Lisa Weiß sind in Lisa Schmitz (Potsdam) und Carina Schlüter (Sand) zwei weitere EM-Anwärterinnen als Torhüterinnen dabei. Beide hätten sich die Nominierung nach einer guten Saison verdient, sagte Jones.

Nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Rio hatte Jones den Job als Cheftrainerin von Silvia Neid übernommen. Nun steht die 44 Jahre alte Ex-Nationalspielerin bei der EM vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. In Saskia Bartusiak, Annike Krahn und Melanie Behringer beendeten drei Leistungsträgerinnen ihre DFB-Karrieren nach Olympia. Sorge, diese Ausfälle bei der EM nicht kompensieren zu können, hat Jones nach eigenem Bekunden aber nicht. «Ich bin Perfektionistin. Wir sind Titelverteidiger. Natürlich ist es unser Ziel, Europameister zu werden», machte sie klar.

Den Feinschliff bis zu den EM-Gruppenspielen gegen Schweden sowie Italien (21. Juli) und Russland (25. Juli) holt sich das DFB-Team in drei Lehrgängen in Marienfeld, Kamen-Kaiserau und Heidelberg. Dreimal testen die Frauen in dieser Zeitraum gegen «Jungs», wie es Jones formuliert - also gegen männliche Junioren-Teams.

Am 5. Juli, einen Tag nach dem letzten Vorbereitungsspiel gegen Brasilien (4. Juli, 17.45 Uhr) in Sandhausen, will die Bundestrainerin ihren endgültigen 23er-Kader bekanntgeben. Die Abreise ins deutsche EM-Quartier in Sint-Michielsgestel folgt am 12. Juli vom Treffpunkt Düsseldorf aus mit dem Mannschaftsbus.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer