DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sieht Bundestrainerin Silvia Neid «sicher auf ihrem Posten».
DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sieht Bundestrainerin Silvia Neid «sicher auf ihrem Posten».

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sieht Bundestrainerin Silvia Neid «sicher auf ihrem Posten».

dpa

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sieht Bundestrainerin Silvia Neid «sicher auf ihrem Posten».

Frankfurt/Main (dpa) - Der DFB stärkt Silvia Neid den Rücken, Club-Vertreter halten erste Rücktrittsgedanken für übereilt - und auch die Spielerinnen hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit.

Nachdem die Bundestrainerin mit ihrem überraschenden Sinneswandel die Schuldfrage für das WM-Desaster der deutschen Fußball angeheizt hat, wird sie von einer Welle der Unterstützung getragen. «Wir lassen uns nicht verrückt machen. Ich sehe die Silvia sicher auf ihrem Posten», betonte Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bunds, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Von einem Rückzug würde er «ihr dringend abraten», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der ARD. «Das ist meine Trainerin, ich werde sie nicht ganz so einfach gehen lassen, wenn sie auf einen solchen Gedanken kommen sollte.»

Man werde Neid Zeit für eine Analyse der Viertelfinal-Pleite geben, versprach er. «Was richtig und falsch war, kann nur sie selbst bewerten, weil sie die Spielerinnen durch die tägliche Arbeit am besten kennt», sagte der DFB-Präsident dem Internetportal «Sport1» und rechnet nicht mit einem Rücktritt der Bundestrainerin: «Meine Prognose ist: Wir bereiten uns danach auf das nächste größere Turnier, die EM, vor. Mit Silvia Neid als Bundestrainerin.»

Zuvor hatte diese nach zunehmender öffentlicher Kritik an der taktischen Ausrichtung des Teams und ihrem Führungsstil erstmals leichte Amtsmüdigkeit erkennen lassen. «Ich brauche jetzt erst mal Abstand», sagte die 47-Jährige der «Bild»-Zeitung. «Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren?»

Die zukünftige DFB-Direktorin Steffi Jones kündigte eine gemeinsame Aufarbeitung des Heimturniers für die Zeit nach der WM an. «Ich möchte mich an den Diskussionen um einen möglichen Rücktritt nicht beteiligen. Ich wünsche mir, dass sie bleibt», sagte die Präsidentin des WM-Organisationskomitees.

Auch Linda Bresonik sieht «keinen Grund» für einen Abgang ihrer Trainerin. «Dass sie sich jetzt so äußert, hat mich total überrascht. Ich könnte nicht verstehen, wenn sie zurücktreten würde», sagte die 27 Jahre alte Defensivallrounderin. Neid alleine die Schuld zu geben, «wäre fatal und vereinfacht. Wir haben alle Fehler gemacht.» Ebenso verwundert über Neids Äußerungen war Inka Grings. «'Silv' hat so viel geleistet und große Erfolge gefeiert», sagte die Stürmerin.

Trotz ihrer Zweifel und der öffentlichen Debatte werde Neid das WM-Halbfinale zwischen Schweden und Japan am Mittwoch in Frankfurt besuchen, kündigte Niersbach an. Es sei nach so einem Ausscheiden ein «ganz normaler Vorgang», dass Kritik aufkomme. «Silvia ist Welttrainerin des Jahres, das wird doch nicht durch ein Tor, das zu einer Niederlage führte, ausradiert», betonte der Generalsekretär. Er geht davon aus, dass Neid die deutsche Auswahl am 17. September in der EM-Qualifikation gegen die Schweiz betreuen wird.

Die Vorwürfe, die sogar aus dem internen DFB-Lager kamen, sowie die verpassten Olympia-Qualifikation für London 2012 haben Neid offenbar nachdenklich werden lassen. «Mir war klar, dass jetzt eine Schuldige gesucht wird - und dass es in erster Linie immer die Trainerin ist», bekannte Neid, die erst kurz vor der WM ihren Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis 2016 verlängert hatte.

Dass Neid nun über einen Rücktritt nachdenkt, halten Experten wie Siegfried Dietrich allerdings für übertrieben. «Das ist aus meiner Sicht eine völlig übereilte Reaktion auf die momentane Kritik, mit der man auch nach Niederlagen realistisch umgehen muss», sagte der Manager des Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Die derzeitigen Vorwürfe empfindet Neids Ex-Teamkollegin Martina Voss-Tecklenburg als «überzogen und wenig differenziert».

Wie die Trainerin des USV Jena wertete auch Neid den großen Erwartungsdruck erneut als entscheidenden Faktor für das sensationelle Scheitern. «Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss - dann verliert man seine Leichtigkeit», klagte sie.

Man müsse die Verantwortung von Neid «klar hinterfragen», mahnte Potsdams Trainer Bernd Schröder allerdings und forderte die Bundestrainerin zum Eingeständnis eigener Fehler auf. Neid erklärte, sie wisse nicht, ob sie solche gemacht habe und wolle «alles in Ruhe analysieren». Sollte diese Bestandsaufnahme selbstkritisch ausfallen, «hat sie auch eine echte Chance und auch mein Vertrauen, dass sie weitermacht als Trainerin - aber nur in Zusammenarbeit mit den Clubtrainern», meinte Schröder im ZDF-Morgenmagazin.

Auch Dietrich wünscht sich einen verstärkten Dialog zwischen Vereinen und Bundestrainerin. «Ich würde mich freuen, wenn sie in Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit mit der Frauenfußball- Bundesliga anstrebt und wir uns gemeinsam auf eine positive Zukunft fokussieren», sagte der Frankfurter.

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