Dauerkämpfer
Unermüdlich setzt sich Torschütze Lars Stindl (l) für 96 ein, nicht nur Konstantin Rausch dankt es ihm. Foto: Marie Held

Unermüdlich setzt sich Torschütze Lars Stindl (l) für 96 ein, nicht nur Konstantin Rausch dankt es ihm. Foto: Marie Held

dpa

Unermüdlich setzt sich Torschütze Lars Stindl (l) für 96 ein, nicht nur Konstantin Rausch dankt es ihm. Foto: Marie Held

Kopenhagen (dpa) - Spielqualität und Charakterstärke - Lars Stindl verkörpert zwei der besonderen Fähigkeiten von Hannover 96 wie kaum ein anderer. Sein wunderschönes und technisch anspruchsvolles Siegtor zum 2:1 (0:0) beim FC Kopenhagen stieß die Tür zur Gruppenphase in der Europa League weit auf.

Es beendete zudem Stindls persönliche Durststrecke von 17 Pflichtspielen ohne Treffer und versetzte die fußballbegeisterte Stadt vor dem Bundesliga-Duell mit Schalke 04 in Hochstimmung.

«Von so etwas habe ich immer geträumt. Wenn einem das in so einem Spiel gelingt, ist das besonders schön», kommentierte Stindl sein Traumtor. Nach einem Lupfer über Ragnar Sigurdsson hämmerte er den Ball aus knapp 20 Metern direkt ins Tor. Es war eine Art Erlösung für den unermüdlichen Ball-Eroberer und -Verteiler im 96-Mittelfeld, der in elf Bundesliga-Spielen erfolglos geblieben war. «Kompliment an Trainer und die Mannschaft. Sie haben mich immer unterstützt», sagte Stindl.

Trainer Mirko Slomka gab das Lob prompt zurück. «Stindl hatte viel Pech, es musste deshalb ein besonderes Tor sein. Es ist der Lohn für harte Arbeit. Er ist für die Mannschaft unersetzlich», lobte der Coach den ehemaligen Karlsruher. Dieser hatte zuletzt in der 1. DFB-Pokalrunde am 31. Juli getroffen.

Stindl und seine Kollegen bewiesen beim dänischen Meister Moral und internationale Klasse. In vier furiosen Minuten verwandelten Jan Schlaudraff (71. Minute) und Stindl (74.) das 0:1 durch Dame N'Doye (67.) in einen von rund 10 000 mitgereisten Fans stürmisch gefeierten Sieg.

«Der Erfolg kommt zur rechten Zeit. Er stärkt das Selbstvertrauen noch mehr. Gegen starke Gegner zeigt unsere Mannschaft immer ihre Qualitäten», sagte Clubchef Martin Kind mit Blick auf das brisante Schalke-Match. Nach Werder Bremen, Borussia Dortmund und Bayern München will 96 im Duell der beiden deutschen Europa-League- Teilnehmer den vierten Hochkaräter im eigenen Stadion besiegen. «Wir haben gezeigt, dass wir zulegen können. Da muss man keine Angst haben. Schalke hat auch gespielt, die Voraussetzungen sind gleich», sagte Slomka, früherer Coach des Revierclubs.

«Es geht Schlag auf Schlag, das haben wir uns gewünscht», erklärte Torwart Ron-Robert Zieler. Auch Christian Pander, der nach einem Schlag aufs Knie zur Halbzeit raus musste, will gegen seinen Ex-Verein unbedingt dabei sein. «Es ist nicht so schlimm», sagte der 96-Profi, der in Kopenhagen nicht die starke Form der Vorwochen erreichte.

Pander stieg als einer der Ersten in den Mannschaftsbus, der in den Katakomben des Stadions «Parken» wartete. 20 Minuten lang wurde das 96-Team von den euphorisierten Anhängern auf den Rängen wie nach einer Theater-Aufführung immer wieder auf den Rasen gerufen. «Es war mir ein Bedürfnis, noch mal rauszugehen und mich zu bedanken», sagte Slomka. «Hannover war wohl halb leer», wunderte sich Torschütze Schlaudraff über die Reiselust an einem Wochentag.

«Das sind die Fans, die wir lieben. Sie genießen den Sieg», sagte Kind. Von den unverbesserlichen Pyro-Fanatikern, die mehrfach Bengalos zündeten, wollte sich der Clubchef den Abend nicht vermiesen lassen. «Überflüssig wie ein Kropf», klagte er. Die Rechnung wird ihm die UEFA noch früh genug präsentieren. Als Wiederholungstäter kann der Verein voraussichtlich eine Strafe von rund 20 000 Euro einplanen.

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