1992
Die Dänen um Brian Laudrup, Kim Christofte und Peter Schmeichel (l-r) wurden 1992 überraschend Europameister. Foto: Bernd Weissbrod

Die Dänen um Brian Laudrup, Kim Christofte und Peter Schmeichel (l-r) wurden 1992 überraschend Europameister. Foto: Bernd Weissbrod

dpa

Die Dänen um Brian Laudrup, Kim Christofte und Peter Schmeichel (l-r) wurden 1992 überraschend Europameister. Foto: Bernd Weissbrod

Göteborg (dpa) - Sofort nach dem Titelgewinn ist die Rede vom Märchen über das hässliche Entlein. Denn die wundersame Geschichte der Fußballer Dänemarks bei der EM 1992 klingt ähnlich verblüffend wie die Erzählung des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen.

Das hässliche Entlein verwandelt sich in einen wunderschönen Schwan, das nordeuropäische Nationalteam avanciert vom Urlauber zum Europameister. Eigentlich gar nicht für das Turnier in Schweden qualifiziert, stellen die Dänen die Fußball-Welt auf den Kopf. Und besiegen im Finale Weltmeister Deutschland um Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler und Karl-Heinz Riedle.

«Wir haben viel Bier getrunken und gelacht, wir haben Minigolf gespielt und sind zu McDonalds essen gegangen», benennt damals der Dortmunder Flemming Povlsen das Erfolgsrezept. Die französische Zeitung «L'Equipe» schreibt von der «Überraschung des Jahrhunderts».

Der Reihe nach. Im Sommer vor 24 Jahren will Nationaltrainer Richard Möller-Nielsen eigentlich eine neue Küche einbauen, als die Dänen doch noch zur EM reisen. Denn Jugoslawien wird ausgeschlossen. «Niemand konnte sich über diese Situation richtig freuen», erzählt Torhüter Peter Schmeichel dem «Kicker». «Wir waren jetzt zwar bei der EM dabei, aber in Jugoslawien herrschte Bürgerkrieg.»

Improvisation statt durchkalkulierte Organisation lautet die Devise. In kurzer Zeit macht sich das Team bereit. Einige Legionäre sind im Urlaub, andere tingeln mit ihren Clubs über die Dörfer. «Am nächsten Tag befanden wir uns schon im Trainingslager. Wir hatten aber nur die Hälfte unseres Teams zur Verfügung, weil die dänische Liga noch lief», erinnert sich Schmeichel. «Das letzte Ligaspiel war an einem Sonntag und bereits am folgenden Donnerstag begann für uns die EM.»

Los geht es für sie mit einem 0:0 gegen England, das Kräfte frei setzt. Es folgt ein 0:1 gegen Gastgeber Schweden, nach zwei Spielen haben die Dänen noch kein Tor geschossen. Der Außenseiter zieht dennoch mit einem 2:1 gegen die favorisierten Franzosen ins Halbfinale ein. Mit Leidenschaft setzen die Nordeuropäer im Achter-Feld spielerische Akzente.

Das Halbfinale wird zur Sensation: 7:6 nach Elfmeterschießen gegen Titelverteidiger Niederlande. Erstmals erreichen die Rot-Weißen das Endspiel - und fordern den Weltmeister von 1990 heraus. «Unglaublich, wie die Dänen gerannt sind», urteilt Guido Buchwald nach der Vorschlussrunde und warnt, den Gegner nicht zu unterschätzen.

Das Finale von Göteborg am 26. Juni 1992 endet für die Auswahl von Bundestrainer Berti Vogts mit einer der deprimierendsten Niederlagen in der deutschen Fußball-Historie. Erst drischt John Jensen den Ball in die Maschen, dann bezwingt Kim Vilfort Torhüter Bodo Illgner. 2:0 für Dänemark, ein Land im Ausnahmezustand. «Wir haben Geschichte geschrieben. Mit nur acht Tagen Vorbereitung sind wir Europameister geworden», erklärt Mittelfeld-Regisseur Brian Laudrup vom FC Bayern.

Dem Mythos, dass Dänemark zum Fast-Food-Europameister wird, widerspricht Schmeichel jedoch. «Wir waren genau einmal Fast Food essen», sagt er beim Jubiläum 20102 «11Freunde». «Es war eine Überraschung des Trainers für die Mannschaft, mit der niemand gerechnet hatte.»

Es bleibt der bislang einzige Titel des kleinen Landes. 1994 dürfen Dänemarks Nationalspieler während der WM tatsächlich in den Urlaub reisen - ebenso wie während der bevorstehenden EM in Frankreich.

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