Lust und Leid des Flash-Interviewers Boris Büchler im Zweiten Deutschen Fernsehen.

Danzig. Um sich die Frage zu überlegen, hat er zehn Sekunden – denn eher weiß er oft nicht, welcher Spieler ihm gegenübersteht. Das Interview dauert selten mehr als 60 Sekunden, und die ganze Fußball-Nation schaut zu.

Denn Boris Büchlers Job beginnt, wenn das Spiel zu Ende ist. Und zwar sofort. Field-Reporter nennen manche diesen Job, Flash-Interviewer andere. Blitz-Interviewer trifft es besser.

Auch, weil sie manchmal die veröffentlichte Kritik trifft wie ein Blitz. Neulich hatte Büchler den Niederländer Rafael van der Vaart vor dem Mikro und setzte an, als er über den Kopfhörer die Info bekam: Stopp, wir gehen erst woanders hin.

Büchler: „Ich versuche, meinen Stil beizubehalten“

Um den geschlagenen van der Vaart bei Laune zu halten, machte Büchler Small-Talk, im sicheren Gefühl, nicht auf dem Sender zu sein. War er aber, und prompt gab es hämische Kommentare.

„Muss man mit leben, kann ich auch“, sagt der 42-Jährige, der jeden Kritiker ernst nimmt, aber längst nicht jede Zuschauerkritik liest. „Ich versuche, meinen Stil beizubehalten und gut vorbereitet zu sein.“

Zuletzt sah er Mats Hummels mit dem Handy in der Hand zum Interview kommen und formulierte die Eingangsfrage um: „Hallo, Herr Hummels – hat Ihr Trainer Jürgen Klopp gerade eine SMS geschickt?“ Hatte er tatsächlich, der Einstieg gelang, das Interview wurde gut.

Büchler sagt, dass das an den Spielern liegt; reifer seien sie, pfiffiger und selbstbewusster. Aus Spielerkreisen hört man, dass sie Büchler wegen seines Fachwissens und seiner fairen Art schätzen, er führe auch nach Niederlagen niemanden vor.

Als Mann für die Flash-Interviews kennen ihn viele Fernsehzuschauer, doch viel aufwändiger ist das, was Büchler hinter der Kamera produziert – acht bis zehn Stunden Arbeit investiert er in Hintergrundbeiträge, bis das Werk perfekt ist. Dauer eines Films: Vier Minuten und 30 Sekunden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer