Was für ein Jubiläumsspiel: Xabi Alonso erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg über Frankreich. Foto: Kerim Okten
Was für ein Jubiläumsspiel: Xabi Alonso erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg über Frankreich. Foto: Kerim Okten

Was für ein Jubiläumsspiel: Xabi Alonso erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg über Frankreich. Foto: Kerim Okten

dpa

Was für ein Jubiläumsspiel: Xabi Alonso erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg über Frankreich. Foto: Kerim Okten

Donezk (dpa) - Was für ein grandioses Jubiläum! Für Spaniens Xabi Alonso war es eine fantastische Fiesta in der lauen Sommernacht von Donezk: das 100. Länderspiel, beide Tore erzielt, souverän das Halbfinale erreicht - und als Schmankerl der erste Kopfballtreffer seit über einem halben Jahrzehnt.

«Einfach toll», sagte der eher stille Mittelfeldspieler überwältigt nach dem 2:0 (1:0) über Angstgegner Frankreich im Viertelfinale der Fußball-EM.

Der 30 Jahre alte Baske vom Meister Real Madrid stach aus der insgesamt dominierenden «selección» heraus. Ob als Ballverteiler, Rhythmusregulierer oder Löcherstopfer - bei seinem Hundertsten lief es für ihn einfach optimal. Das größte Kompliment gab es vom Chef. «Xabi ist ein kompletter Sechser», lobte Vicente del Bosque den eleganten, kampfstarken Strategen mit der bestechenden Übersicht. «Er weiß immer genau, wo er hinspielen muss, hat einen großen Teamgeist und auch offensive Qualitäten, wie die zwei Tore unterstreichen.» Obwohl der Trainer des Titelverteidigers generell keinen einzelnen Spieler hervorheben möchte, machte er in diesem Fall eine Ausnahme.

Mit einem wuchtigen, tückischen Aufsetzer «nach einem perfekten Ball von Jordi Alba» brachte Xabi Alonso sein Team früh in Führung (19. Minute) und warf damit das Konzept der Franzosen über den Haufen, wie deren Trainer Laurent Blanc einräumte. Bei seinem platziert und unhaltbar geschossenen Strafstoß (90.+1) zum 2:0 demonstrierte der Elfmeter-Spezialist einmal mehr seine Kaltschnäuzigkeit vom Punkt aus.

Beim legendären Champions-League-Finale 2005 gegen den AC Mailand hatte er mit einem Elfer den 3:3-Ausgleich erzielt, nachdem sein FC Liverpool zur Pause noch scheinbar aussichtslos 0:3 in Rückstand geraten war. Die Briten holten den Pott in der Verlängerung.

Mit Xabi Alonsos Torjäger-Qualitäten ist es so eine Sache. Im Schnitt trifft er alle zehn Spiele einmal. Und an seinen letzten Kopfballtreffer konnte er sich überhaupt nicht mehr erinnern. «Sie müssten das in Wikipedia selbst nachschauen», riet er den Medienvertretern. «In Liverpool auch nicht... Ich glaube, es war noch bei Real Sociedad.» Umso mehr freue er sich, «dass es geklappt hat».

Tatsächlich liegt Xabi Alonsos letztes Kopfballtor «erst» sechs Jahre zurück: Am 14. Juni 2006 hatte er bei der WM in Deutschland beim 4:0-Sieg Spaniens gegen die Ukraine getroffen. Aber in dieser Nacht spielte diese Wissenslücke wahrlich keine Rolle.

Vielmehr präsentierte sich der Parade-Profi wie zuvor 90 Minuten lang auf dem Platz auch bei der Pressekonferenz mustergültig. Problemlos wechselte er vom Englischen ins Spanische. Sein gutes Englisch eignete sich Xabi Alonso in seinen fünf Jahren beim FC Liverpool an. Der Premier-League-Club hatte für das Talent 2004 rund 16 Millionen Euro an Real Sociedad San Sebastián bezahlt. Real Madrid war er fünf Jahre später fast das Doppelte wert.

Für die Nationalmannschaft ist Xabi Alonso eigentlich unbezahlbar. Obwohl er längst nicht an die spielerische Klasse der genialen Ballzauberer Xavi oder Andrés Iniesta heranreicht, kommt ihm im Zentrum als zuverlässiger Facharbeiter eine ebenso bedeutende Schlüsselrolle zu. Nicht umsonst zählt der ruhige Routinier zu den Führungspersönlichkeiten beim Europa- und Weltmeister. Del Bosque setzt beim historischen Projekt Titel-Triple voll auf den Schweiger von Tolosa.

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