Iker Casillas (l) und Sergio Ramos warten auf die Portugiesen. Foto: Srdjan Suki
Iker Casillas (l) und Sergio Ramos warten auf die Portugiesen. Foto: Srdjan Suki

Iker Casillas (l) und Sergio Ramos warten auf die Portugiesen. Foto: Srdjan Suki

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Iker Casillas (l) und Sergio Ramos warten auf die Portugiesen. Foto: Srdjan Suki

Donezk (dpa) - Cristiano Ronaldo kann ruhig kommen. Nachdem Spanien seinen Angstgegner Frankreich erstmals bei einem großen Turnier besiegt hat, fiebert der Europameister nun dem Halbfinale gegen die Portugiesen mit ihrem Super-Star «CR7» entgegen.

«Cristiano ist mit Messi der beste Spieler der Welt. Wir versuchen alles, um sein Team zu schlagen», kündigte Keeper und Kapitän Iker Casillas nach dem befreienden 2:0 (1:0) gegen die hoch gehandelte «Équipe Tricolore» an. «Wir sind klarer und verdienter Sieger.» Jubilar Xabi Alonso, in seinem 100. Länderspiel mit beiden Toren der herausragende Spieler, konstatierte uneitel: «Die Mannschaft war phänomenal.»

Spanien wirkte indes auch im Viertelfinale von Donezk längst nicht mehr so berauschend und spielerisch beschwingt wie bei seinen beiden Titel-Triumphen 2008 (EM) und 2010 (WM). Aber auch mit ihrem fast schon sachlichen, äußerst effektiven und abgeklärten Stil ist die «selección» auf einem guten Weg zum Hattrick. «Die Deutschen und die Spanier haben bislang demonstriert, dass sie die Favoriten sind», konstatierte Frankreichs Trainer Laurent Blanc nach dem frühen Scheitern des Geheimfavoriten.

Sein Kollege Vicente del Bosque verzichtete in der Donbass-Arena wie schon beim 1:1-Auftakt gegen Italien auf einen klassischen Mittelstürmer. Mit Cesc Fàbregas als «falschem Neuner» stärkte er das weltbeste Mittelfeld zusätzlich und engte damit die eh schon geringen Entfaltungsmöglichkeiten des Kontrahenten noch weiter ein. Der Trainerfuchs freute sich über seinen Coup mit einem schelmischem Grinsen: «Mit Cesc haben wir noch mehr Dominanz gewonnen. Frankreich hatte kaum klare Torchancen.»

Als Knipser sprang dieses Mal ausgerechnet Xabi Alonso ein. Der neue Hunderter krönte sein Jubiläum mit einem kraftvollen Kopfball-Aufsetzer (19. Minute) und einem souverän verwandelten Strafstoß (90.+1). «Ich freue mich sehr, dass ich zwei Tore gemacht habe und wir im Halbfinale stehen», sagte der stets bescheiden auftretende Mittelfeldstratege vom Meister Real Madrid. «Xabi ist ein kompletter Sechser», lobte del Bosque den Basken.

Spaniens Coach sieht sich trotz anhaltender Kritik wegen seiner ständigen Rochaden im Sturmzentrum zurecht bestätigt. «Natürlich gibt es keine absolute Wahrheit. Wir waren uns da nicht so sicher», räumte er offenmütig ein. Die Schlüsselspieler stützen indes voll den Kurs ihres Trainers. «Wir werden unter keinen Umständen unsere Philosophie verändern», versicherte der geniale Regisseur Xavi. Xabi Alonso analysierte nüchtern: «Wir haben die Partie von Anfang bis Ende kontrolliert, auch wenn wir nur wenig Torchancen kreiert haben.»

Jetzt kommt es zum emotionsgeladenen, prestigeträchtigen iberischen Nachbarschaftsduell. Während alle Welt das Semifinale erneut in Donezk nun zum Thriller zwischen dem Titelverteidiger und Mega-Star Cristiano Ronaldo hochjazzt, beurteilten die Spanier das gelassener. «Wir spielen gegen ganz Portugal, nicht nur gegen Cristiano», relativierte Mittelfeldmann Sergio Busquets. «Er ist natürlich der beste Spieler der Mannschaft, aber wir müssen uns auf alle einstellen.» Xabi Alonso, bei Real Teamkollege des Portugiesen, sagte: «Auf uns wird da keine Überraschung zukommen. Cris spielt schon das ganze Jahr auf extrem hohem Niveau.»

Del Bosque beschäftigte eher die wesentlich kürzere Regenerationsphase seiner Schützlinge. «Wir waren am Schluss müde. Und unserer Rivale hat 48 Stunden mehr Ruhe. Das ist ein kleines Handicap», wies er darauf hin, dass Portugal sich zwei Tage länger auf das Semifinale vorbereiten kann. Die Spanier bekamen deshalb nach der Rückkehr im Morgengrauen im polnischen EM-Quartier Gniewino den ganzen Sonntag frei.

Die demoralisierten Franzosen hatten ganz andere Sorgen. Mit einer heftigen Schimpftirade gegen einen Journalisten lieferte Mittelfeldmann Samir Nasri der Grande Nation den nächsten Skandal. Auch die mutlose Leistung war enttäuschend. «Es ist traurig», meinte Bayern-Star Franck Ribéry, der nach der vierten verpassten Titelchance dieser Saison enttäuscht vom Platz schlich. «Wir sind immerhin ins Viertelfinale gekommen, das ist Frankreich seit sechs Jahren nicht mehr gelungen.»

Obwohl er mit dem Einzug in die K.o.-Runde das Verbandsziel erfüllt hatte, ließ Trainer Laurent Blanc seine Zukunft zunächst offen. «Es wird Aufs und Abs und Enttäuschungen geben, aber wir gucken uns das in Ruhe an und nehmen uns Zeit dafür», sagte der Coach, dessen Vertrag nach der EM ausläuft.

Weniger entspannt zeigte sich der völlig frustrierte Nasri. Zunächst schlug der 24-Jährige einem Journalisten vor, einen Disput draußen zu regeln und verlor dann vollends die Kontrolle. «F... dich selber in den A..., geh deine Mutter f...», fluchte er und beschimpfte den Reporter als «Hurensohn». Nur zwei Jahre nach der WM-Schmach von Südafrika mit der Rebellion gegen den damaligen Coach Raymond Domenech muss Frankreich nun das nächste Chaos bewältigen.

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