Beim Training haben Cristiano Ronaldo und Nani richtig Spaß. Foto: Mario Cruz
Beim Training haben Cristiano Ronaldo und Nani richtig Spaß. Foto: Mario Cruz

Beim Training haben Cristiano Ronaldo und Nani richtig Spaß. Foto: Mario Cruz

dpa

Beim Training haben Cristiano Ronaldo und Nani richtig Spaß. Foto: Mario Cruz

Opalenica (dpa) - Cristiano Ronaldo hielt sich mit provokanten Äußerungen zurück. Vor dem Wiedersehen mit seinen spanischen Kollegen von Real Madrid wollte Portugals Superstar das ohnehin hochbrisante Duell der Nachbarländer im EM-Halbfinale nicht noch zusätzlich anheizen.

Das hatte schon Ricardo Costa getan. Der portugiesische Verteidiger freute sich über den Titelverteidiger und Weltmeister als Gegner in der Vorschlussrunde. «Die sind im Angriff ungefährlicher als Frankreich, die können wir leichter ausschalten», tönte der Profi des FC Valencia.

Der Anfang der verbalen Kraftmeierei ist gemacht. Das portugiesische Sportblatt «Record» schrieb auf Seite eins: «Portugal hat keine Angst vor den Spaniern». Dass es bei diesem «doppelten Bruderduell» nicht unbedingt freundschaftlich-familiär zugehen wird, ließ auch Spaniens Mittelfeld-Antreiber Sergio Busquets durchblicken: «Wenn unsere Madrider gegen Ronaldo hart einsteigen müssen, dann werden die Portugiesen das auch tun», warnte er. Die portugiesische Sport-Zeitung «O Jogo» druckte die Worte prompt an prominenter Stelle ab.

Am Tejo-Fluss sind die meisten Menschen allgemein nicht gut auf die Spanier zu sprechen. Die David-Goliath-Rivalität ist groß. Die vorwiegend zurückhaltenden Portugiesen empfinden die feierlustigen Nachbarn seit jeher als «vorlaut» und «überheblich». Dass in den vergangenen Jahren zudem immer mehr spanische Firmen in Portugal eine beherrschende Rolle eingenommen haben, wird als «Kolonialisierung» wahrgenommen. «Bei der EM will ich am liebsten Spanien schlagen», sagte vor ein paar Tagen denn auch der konservative Politiker Manuel Monteiro.

Gegen Spanien könnte die große Stunde des Ex-Bremers Hugo Almeida schlagen. Im Halbfinale muss Trainer Paulo Bento nämlich auf Stamm-Mittelstürmer Helder Postiga verzichten. Der 29-jährige Saragossa-Profi hatte sich im Viertelfinale gegen Tschechien (1:0) eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel zugezogen und wird bis zum Mittwoch definitiv nicht fit. Almeida soll deshalb erstmals im Turnier von Anfang an auflaufen. «Ich bin bereit, will spielen und Portugal helfen», hatte der Besiktas-Profi nach dem 50-Minuten-Einsatz gegen Tschechien gesagt.

Bei den Portugiesen, die nach miserablen Testspielleistungen, der 0:1-Auftaktniederlage gegen Deutschland und auch nach dem 3:2-Sieg gegen Dänemark daheim scharf kritisiert wurden, steigt der Optimismus inzwischen beinahe ins Unermessliche. Nach dem dritten Platz bei der WM 1966 und Platz zwei bei der EM 2004 im eigenen Land soll endlich der erste große internationale Titel her. «José Mourinho hat mir gesagt, dass wir Europameister werden können», erklärte Portugals eisenharter Abwehrchef Pepé, wie Ronaldo bei Real Madrid angestellt, dem TV-Sender RTP.

Die Tatsache, dass Spanien von 34 Duellen 16 gewann und Portugal nur sechs, dient als zusätzliche Motivation. «Wenn jemand gezeigt hat, dass Spanien nicht unschlagbar ist, dann Portugal», schrieb die Zeitung «Público» in Anspielung auf den 4:0-Testspiel-Triumph im November 2010. Selbst ein Streit zwischen Quaresma und Miguel Lopes im Samstag-Training konnte die Stimmung im Quartier im polnischen Opalenica nicht trüben. «Das ist doch normal unter Männern», meinte Costa und fügte an: «Wir träumen alle. Wenn wir 100 Prozent Leistung bringen, können wir den Titel holen».

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer