Philipp Lahm gilt als verlängerter Arm des Bundestrainers. Und das nicht nur auf dem Spielfeld.

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Für die Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer ist es wichtig, dass der Kapitän zu diesem ein gutes Verhältnis hat.

Für die Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer ist es wichtig, dass der Kapitän zu diesem ein gutes Verhältnis hat.

Philipp Lahm spielt im DFB-Team mit der Rückennummer 16. Foto: Oliver Hurst/GES/DFB

dpa, Bild 1 von 3

Für die Kommunikation zwischen Mannschaft und Trainer ist es wichtig, dass der Kapitän zu diesem ein gutes Verhältnis hat.

Tourrettes/Düsseldorf. Der Kapitän spricht gern von Verantwortung. „Wir sind uns unserer Geschichte bewusst“, sagt Philipp Lahm, als er am letzten Tag des Trainingslagers in Tourrettes auf das bevorstehende Testspiel in Leipzig gegen Israel (20.30 Uhr/ARD) und den geplanten Besuch der Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Gedenkstätte Auschwitz angesprochen wird.

„Jetzt ist es mir ernster als mit meinen beiden ersten Berufswünschen.“

Philipp Lahm auf die Frage eines Schülerreporters: Als Kind wollten Sie Bäcker und Bänker werden. Wie ernst ist es Ihnen jetzt mit dem Berufsziel Europameister?

Lahm legt Wert darauf, bei diesem Besuch „als Kapitän“ dabei zu sein. „Wir tragen Verantwortung, nicht nur auf dem Spielfeld. Der Besuch in Auschwitz ist ein wichtiges Zeichen“, sagt Lahm. Es klingt weder pathetisch noch irgendwie unpassend. Es klingt, als würde der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht nur Verantwortung spüren. Er ist auch bereit, sie jederzeit zu tragen.

Auch beim Unternehmen Titelgewinn bei der Euro 2012 in Polen und der Ukraine. Philipp Lahm ist ein Vorzeigeprofi. „Wir haben viel Qualität in der Mannschaft, aber im Leistungssport gibt es keine Garantien für Titel. Wir können weder ans Finale, noch ans Halb- oder Viertelfinale denken, wir müssen erst einmal an Portugal denken. Natürlich wäre ein Sieg ein optimaler Start in das Turnier“, sagt Lahm.

Wie das mit enttäuschten Hoffnungen ist, weiß er sehr genau. Die Niederlage im Finale der Champions League mit dem FC Bayern gegen den FC Chelsea ist noch nicht lange vorbei, die Erinnerung noch frisch, auch wenn Lahm einer ist, der in die Zukunft schaut. „Wir wollen erfolgreich spielen, wir haben große Ziele“, sagt er.

Der Bundestrainer hat zuletzt energisch darauf hingewiesen, dass nicht das Finale in Kiew das Thema ist, sondern die schwierige Vorrunde. „Meine Spieler sollen sich auf Portugal konzentrieren und auf nichts anderes“, fordert Joachim Löw. Bei Philipp Lahm ist die Botschaft angekommen.

Philipp Lahm prophezeit: „Wir werden hellwach sein“

Sie werden getragen von Stars wie Madonna, Brad Pitt oder Michael Jordan, und nun sollen sie auch der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Geschlossenheit und Vertrauen vermitteln. Im Trainingsquartier in Tourettes erhielten alle Spieler Shamballa-Armbänder. Überreicht von Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff. „Shamballa“ ist tibetanisch und heißt „Licht der Liebe“. Das Armbändchen ist schwarz, trägt die Initialen der Spieler und die drei Sterne der Mannschaft. „Das soll unsere Gemeinschaft stärken“, sagt Bierhoff, der eine gewisse Schwäche für symbolische Aktionen besitzt. Hergestellt wurden die Armbänder übrigens von einem Juwelier. Ob Bierhoff Werbeträger von Wempe ist, blieb offen. cfi

Vor dem Eröffnungsspiel zwischen Polen und Griechenland am 8. Juni ist eine zwölfminütige Show geplant, die Tradition und Moderne aus den beiden ersten Gastgeberländern in Osteuropa zeigen wird. Auch die Musik des polnischen Komponisten Frédéric Chopin wird nicht fehlen. Der ungarische Pianist Ádám György, der einst sogar der Nationalmannschaft angehörte, wird im Warschauer Nationalstadion eine Chopin-Etüde spielen.

Chelsea-Star Frank Lampard zog sich im Trainingslager der englischen Nationalmannschaft eine Oberschenkelverletzung zu. Eine genaue Diagnose wird am Donnerstag erwartet.

Bastian Schweinsteiger ist immer noch nicht fit. Aber Lahm sieht selbst im schlimmsten Fall keine Katastrophe. „Natürlich ist die Lage ernst, aber ich gehe weiter davon aus, dass Bastian rechtzeitig fit wird für Portugal. Und wenn nicht, gehe ich davon aus, dass wir in der Nationalmannschaft auch in der Breite eine ausreichende Qualität haben.“ Manager Oliver Bierhoff sagt: „Wenn überhaupt keine Hoffnung bestanden hätte, wäre Bastian Schweinsteiger vom Trainerteam nicht nominiert worden.“

Sich selbst sieht Lahm in der komfortablen Situation, sowohl auf der rechten als auch auf der linken Abwehrseite „auf Top-Niveau“ spielen zu können: „Damit gehe ich ganz locker um.“ Auch da ist sich Lahm seiner Vorbildfunktion bewusst. „Wir werden hellwach sein, weil die, die schon 2010 dabei waren, heute noch mehr Erfahrung haben als in Südafrika.“ Und natürlich „noch mehr Verantwortung tragen können“.

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