Joachim Löw hat schon 2008 umgestellt – damals sogar das ganze System. Seine Spieler vertrauen ihm blind.

Ein Souverän am Spielfeldrand: Joachim Löw hat bei der Euro bisher nichts falsch gemacht.
Ein Souverän am Spielfeldrand: Joachim Löw hat bei der Euro bisher nichts falsch gemacht.

Ein Souverän am Spielfeldrand: Joachim Löw hat bei der Euro bisher nichts falsch gemacht.

Schaut bei Ihrem Mann im Stadion nur gelegentlich vorbei, es gibt Wichtigeres im Leben einer Frau: Löws Gattin Daniela (links).

dpa, Bild 1 von 2

Ein Souverän am Spielfeldrand: Joachim Löw hat bei der Euro bisher nichts falsch gemacht.

Danzig. Mario Gomez? Auf die Bank. Clemens Fritz und Torsten Frings? Raus aus der ersten Elf. Stattdessen rotierte Joachim Löw die Nationalspieler Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger und Thomas Hitzlsperger in die Elf der Euro 2008.

Drei Wechsel, und auf einmal war das System sogar ein anderes: Statt 4-4-2 ließ Löw im Viertelfinale im System 4-2-3-1 spielen. Am 19. Juni 2008 besiegte das deutsche Team in Basel Portugal mit 3:2 – es blieb das beste Spiel jenes Turniers, das für die Deutschen als Final-Verlierer gegen Spanien zu Ende ging. Löw hatte sein System gefunden.

Was der Bundestrainer auch anpackt, es wird zu Gold

Und als er Mesut Özil am 12. August 2009 mit dem Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan als zentralen Offensiv-Regisseur entdeckte, war die Grundlage für die aktuelle spielstarke Elf gelegt.

Löws Wechsel vor dem Spiel gegen Griechenland sind also viel weniger historisch, als es uns vielerorts weisgemacht wird. Und trotzdem: Ähnlich, wie damals in Basel, kann Löw scheinbar machen, was er will. Es wird zu Gold.

Alle Torschützen der Vorrunde – Mario Gomez (3), Lukas Podolski und Lars Bender, dazu noch Thomas Müller – schickte der Bundestrainer vor dem Viertelfinale gegen Griechenland vom Rasen. In dem Wissen, ein überschaubares Risiko einzugehen.

Das Wort von der „Qualität im Kader“ ist keine Worthülse

Weil seine Worte von der „enormen Qualität in diesem Kader“ keine Worthülsen sind: Miroslav Klose galt vielen schon vor dem Turnier als geeigneter Stürmer in Löws Spielsystem, André Schürrle war seit Monaten nahe an das Niveau von Lukas Podolski gerückt. Und Marco Reus war der überragende Spieler dieser Bundesliga-Runde.

Der Plan ist aufgegangen, das Team nicht nur ein Hort der Harmonie, sondern auch eine Mannschaft, in der der Konkurrenzkampf auf die Spitze getrieben ist. Lukas Podolski geht kämpferisch davon aus, „im Halbfinale wieder im Team zu stehen“, Bastian Schweinsteiger verkündet, verstehen zu können, wenn sich der Bundestrainer auch auf seiner Position einen Wechsel vorstellen kann.

„Ich will unberechenbar sein“, sagte Löw nach dem Spiel der Griechen zu seinen Umstellungen, tatsächlich ist kaum ein Trainer unberechenbarer als Löw. „Wir vertrauen ihm fast blind“, sagt Sami Khedira über Löw, Philipp Lahm betont die „menschliche Basis“ für Gespräche.

Der Bundestrainer nimmt seine Spieler mit. Und darf so nach Gusto verändern. Wie schon einst 2008 in Basel.

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