Heiko Herrlich
Der Fall von Leverkusens Trainer Heiko Herrlich sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Peter Steffen

Der Fall von Leverkusens Trainer Heiko Herrlich sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Peter Steffen

dpa

Der Fall von Leverkusens Trainer Heiko Herrlich sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Peter Steffen

Mönchengladbach (dpa) - Der Fall von Heiko Herrlich bleibt nicht ohne Folgen.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes gab am Tag nach dem 1:0-Pokalerfolg von Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach bekannt, dass der Trainer nach seinem unnötigen Sturz im leichten Gerangel mit Gladbachs Spieler Denis Zakaria um eine schriftliche Stellungnahme gebeten ist.

Herrlich hatte sich nach einem kurzen Schubser recht theatralisch fallen lassen und kurze Zeit später seinen Fehler direkt eingeräumt. «Mit meinen 46 Jahren hätte ich es schaffen müssen, stehen zu bleiben. Das ist im Affekt passiert und war Blödsinn. Ich wollte keineswegs eine Rote Karte fordern», sagte der Trainer von Bayer Leverkusen nach seiner Showeinlage. Der DFB teilte mit, es bestehe der Verdacht, dass sich Herrlich unsportlich verhalten habe.

Der Club bestätigte, dass der Chefcoach zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde und dem auch nachkommen werde. Weiter könne man sich erst äußern, wenn der DFB sein weiteres Vorgehen bekanntgebe, sagte ein Vereinssprecher. Herrlich selbst hatte sein Fehlverhalten gleich eingesehen. «Ich bin direkt aufgestanden und habe mich entschuldigt», sagte der Bayer-Coach unmittelbar nach der Partie. Auch Zakaria wollte die Szene nicht überbewerten. «Das war ein bisschen Emotion und ein bisschen Komödie. So ist halt Fußball», meinte der Schweizer.

Auch Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nahm seinen Trainer in Schutz: «Das war eher zum Schmunzeln, als dass man Heiko böse sein kann», sagte Völler «Sport1». Die Aktion nannte Völler «ein Tick übertrieben, klar. Aber Heiko hat keinem geschadet außer sich selbst. Damit sollte man es auch gut sein lassen.»

Verglichen mit der Kopfnuss-Affäre von Norbert Meier vor zwölf Jahren war die unnötige Aktion des Leverkusener Trainers eher harmlos. Meier ließ sich 2005 nach einem Kopfstoß gegen den damaligen Kölner Profi Albert Streit fallen und wurde danach für drei Monate gesperrt. Sein Vertrag als Trainer des MSV Duisburg wurde aufgelöst. Manuel Gräfe, der kurioserweise auch im Falle Meier Schiedsrichter des Spiels MSV Duisburg gegen den 1. FC Köln war, ahndete die Szene in der 75. Minute vor der Trainerbank nicht. DFB-Richter Hans E. Lorenz sagte der Tageszeitung «Die Welt»: «Bei Meier gab es einen direkten Kontakt mit dem Gegner, er hat eine Täuschung zum Nachteil des gegnerischen Spielers versucht. Herrlich aber hat niemandem geschadet.»

Im Nachgang der spannenden und sehr intensiv geführten Pokalpartie war eine andere Szene aus der ersten Halbzeit wesentlich umstrittener. Leverkusens Kai Havertz hätte für seinen zweiten Schlag im Luftduell mit Matthias Ginter eine Gelb-Rote Karte sehen müssen und wurde zur Pause auch vorsichtshalber ausgewechselt. Gladbachs Trainer Dieter Hecking sprach von einer klaren Fehlentscheidung des Schiedsrichters.«Da gibt es keine zwei Meinungen. Ich weiß nicht, ob wir mit 11 gegen 10 gewonnen hätten», meinte Gladbachs Trainer.

Für den glücklichen Sieg der Gäste waren zwei Spieler verantwortlich. Der starke Torhüter Bernd Leno, der seinem Team gegen stark aufspielende Gladbacher mit etlichen Paraden die Null rettete, und Torschütze Leon Bailey. Der überragende Bayer-Stürmer nutzte einen Fehler des jungen Gladbachers Reece Oxford aus und erzielte bei einem Konter den Siegtreffer. In der Liga war der schnelle Außenspieler bereits an elf Treffern (sechs Tore, fünf Vorbereitungen) beteiligt. «Er ist ein super Typ und hat eine tolle Entwicklung genommen», sagte Leno.

Die Leverkusener, die in der Liga auf Rang vier stehen, konnten damit ihre Erfolgsserie auf 14 Spiele ohne Niederlage ausbauen und stehen nach einer starken Hinrunde wieder im Viertelfinale des DFB-Pokals. «Wir hatten ein gutes Gefühl mit dem Trainer und dass die Art und Weise, wie er in Regensburg Fußball spielen ließ, auch bei uns greift», sagte Sportchef Rudi Völler. «Das war der krönende Abschluss vor der Winterpause», sagte Stürmer Kevin Volland. Die unnötige Unruhe vor Weihnachten hätte sich Herrlich da ersparen können.

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