Jubeltraube
Der Duisburger Stefan Maierhofer (2. v. r) lässt sich nach seinem Treffer zum 1:0 von seinen Mitspielern feiern.

Der Duisburger Stefan Maierhofer (2. v. r) lässt sich nach seinem Treffer zum 1:0 von seinen Mitspielern feiern.

dpa

Der Duisburger Stefan Maierhofer (2. v. r) lässt sich nach seinem Treffer zum 1:0 von seinen Mitspielern feiern.

Duisburg (dpa) - Bierdusche für den Trainer, Humba für die Fans: Nach dem dramatischen Pokalsieg gegen Energie Cottbus und der ersten Finalteilnahme seit 1998 brachen in Duisburg alle Dämme.

MSV-Coach Milan Sasic bekam reichlich Gerstensaft über den Kopf geschüttet, die Spieler feierten vor ausverkauftem Haus in druckfrischen Pokal-Shirts mit ihren verzückten Anhängern, Torschütze Stefan Maierhofer stand nach dem 2:1 (1:0) völlig fertig auf dem Platz. «Ich bin im Arsch», bekannte der Österreicher mit aufgeplatzter Lippe. «Elfmeter, Rote Karte, Blut und Dreck - das war mal ein geiles Spiel.»

Es war eine magische Pokalnacht in der Wedau. 31 500 Fußball-Verrückte machten das Duell der Zweitligisten zu einem rauschenden Fest. Die «Zebra»-Fans erinnerten vor dem Anpfiff an die Finalteilnahmen 1966, 1975 und den glorreichen Einzug in das Endspiel vor 13 Jahren (1:2 gegen Bayern München). Während des Spiels erzeugten die Zuschauer eine Atmosphäre, wie sie in Duisburg nur selten zu erleben ist. Selbst die bittere Kälte hinderte Spieler und Fans nicht daran, den Finaleinzug noch lange nach Abpfiff textsicher zu besingen.

77 Minuten lang hatte Duisburg nach dem «Flipper-Tor» (Sasic) von Maierhofer (24. Minute) und dem Treffer von Srdjan Baljak (54.) wie der souveräne Sieger des DFB-Pokalhalbfinales ausgesehen - bis Nils Petersen per Elfmeter traf. Bruno Soares hatte den eingewechselten Jules Reimerink im Strafraum umgerissen und wurde durch den Pfiff und die folgende Rote Karte doppelt bestraft. «Diese Regel stellt ein zuvor klares Spiel auf den Kopf», ereiferte sich Sasic lautstark. Das DFB-Sportgericht sperrte den Brasilianer für ein Spiel - das Finale.

Zuvor völlig harmlose Lausitzer entdeckten plötzlich Leidenschaft und Offensivgeist. Der Pfosten, Olivier Veigneau und viel Glück verhinderten, dass Uwe Hünemeier oder Jiayi Shao den Ball ins Tor bekamen. «Ich habe den Ball vollumfänglich hinter der Linie gesehen. Aber der Schiedsrichter hat nicht gepfiffen, das zählt, da hilft kein Lamentieren», sagte Hünemeier nach seinem Kopfball in der 90. Minute.

Über Pech und Unvermögen wollte sich Cottbus-Coach Claus-Dieter Wollitz dann auch nicht beschweren. Viel mehr ärgerte er sich über einen verweigerten Strafstoßpfiff für Shao zu Beginn der Partie. «Wir hätten in der neunten Minute einen klaren Elfmeter bekommen müssen», polterte Wollitz. «Mir geht es dreckig, ich bin völlig leer. Wir liegen im Moment am Boden.»

Duisburg dagegen greift nach den Sternen. Auf sechs Millionen Euro brutto beziffert Geschäftsführer Roland Kentsch die Einnahmen inklusive Finale. Dazu winkt in der kommenden Saison die Teilnahme an der Europa League. «Jetzt freuen wir uns auf ein riesiges Spiel in Berlin. Aber die Rollenverteilung ist klar: Wir gehen als Underdog in das Finale», sagte Kentsch mit Blick auf den 21. Mai.

In Berlin soll dann auch wieder einer auf dem Platz stehen, der in Duisburg noch nicht mal im Stadion sein konnte. Der am Knie verletzte Mittelfeldmann Julian Koch musste den Sieg im Krankenhaus vor dem Fernseher verfolgen - und war auf Plakaten, Videowänden und in den Köpfen seiner Mitspieler doch allgegenwärtig. «Wir haben auch für Julian gespielt», sagte Maierhofer. Wie lange der 20-jährige Koch noch ausfällt, ist völlig offen. Auch am Tag nach dem Sieg gab es keine exakte Diagnose.

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