Die Bayern-Spieler bezwangen im Jahr 1974 Atlético Madrid im Finale. Mit dabei: Franz "Bulle" Roth. Vor dem Champions League-Halbfinale am Mittwoch ist er ein gefragter Interviewpartner.

1974
Die Bayern-Spieler bezwangen im Jahr 1974 Atlético Madrid im Finale. Torhüter Sepp Maier (2.v.l.) trägt den eroberten Fußball-Europapokal der Landesmeister, Georg Schwarzenbeck, der einen Freudensprung machende Franz Roth und Johnny Hansen (v.l.) laufen an seiner Seite. Foto: dpa

Die Bayern-Spieler bezwangen im Jahr 1974 Atlético Madrid im Finale. Torhüter Sepp Maier (2.v.l.) trägt den eroberten Fußball-Europapokal der Landesmeister, Georg Schwarzenbeck, der einen Freudensprung machende Franz Roth und Johnny Hansen (v.l.) laufen an seiner Seite. Foto: dpa

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Die Bayern-Spieler bezwangen im Jahr 1974 Atlético Madrid im Finale. Torhüter Sepp Maier (2.v.l.) trägt den eroberten Fußball-Europapokal der Landesmeister, Georg Schwarzenbeck, der einen Freudensprung machende Franz Roth und Johnny Hansen (v.l.) laufen an seiner Seite. Foto: dpa

Herr Roth, können Sie sich noch an einige spanische Flüche erinnern?

Franz Roth: Ach nein, aber ich weiß, worauf Sie anspielen: Als wir 1974 gegen Atlético Madrid im Landesmeister-Finale ganz spät ausgeglichen haben.

Durch den Treffer zum 1:1 in der Schlussminute von Georg „Katsche“ Schwarzenbeck. Hand aufs Herz, hatten Sie damals noch an den Ausgleich gedacht?

Roth: Nein, ich hatte nicht mehr daran geglaubt. Es war ja auch ein sehr zähes Spiel mit wenigen Torchancen auf beiden Seiten. Auch die Führung von Atlético fiel nach einem Freistoß.

Aber das Wiederholungsspiel war dafür eine klare Sache: Zwei Tage später gewann der FC Bayern mit 4:0 und damit erstmals den Europapokal der Landesmeister.

Geburtstag: 27. April 1946 in Memmingen

Sportliche Karriere: In seiner Jugend spielte Franz Roth für den TSV Bertoldshofen, anschließend zwei Jahre für die SpVgg Kaufbeuren. 1966 wechselte er zum FC Bayern München, wo er zwölf Jahre spielte und in 322 Bundesligaspielen 72 Tore erzielte. Anschließend spielte er noch bei Casino Salzburg, SV Sandhausen und dem TSV Mindelheim.

Erfolge: Weltpokalsieger, Europacup der Pokalsieger, 3 x Europapokal der Landesmeister, 4 x Deutscher Meister, 3 x Pokalsieger

Geschäftsmann: Heute betreibt Roth zwei Sportgeschäfte in Bad Wörishofen und Marktoberdorf, wo er auch lebt.

Roth: Ja, unser großes Plus war damals die Psyche. Die Spanier hatten nach dem ersten Spiel fast die komplette Umkleidekabine demoliert. Das sprach für uns.

Jetzt, 42 Jahre später, trifft der FC Bayern erstmals wieder in einem Europacup-Spiel auf Atlético Madrid. Wie sehen Sie die Chancen?

Roth: Es wird nicht einfach. Ich kenne Atlético kaum, aber schaue mir natürlich Tabellen und Statistiken an. Und die zeigen, dass Atlético eine unwahrscheinlich starke Defensive hat. Sie spielen in Spanien immer vorne mit und scheinen eine bestens organisierte Mannschaft zu sein. Wir haben dafür eine unwahrscheinlich starke Offensive. Es wird also die Tagesform entscheiden.

Werden Sie den FC Bayern nach Madrid begleiten?

Roth: Nein, auswärts bin ich nicht mehr dabei. Höchstens noch bei einem Finale. Aber die „gefährlichen“ Spiele schaue ich lieber zu Hause auf dem Sofa im Fernsehen an. Im Stadion fiebert man doch mehr mit.

Der Tag des Hinspiels ist auch noch ein ganz besonderer für Sie.

Roth: Ja, da feiere ich meinen 70. Geburtstag. Aber nur im ganz kleinen Familienkreis. Und weg von daheim.

Trotzdem werden Sie in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner sein.

Roth: Ich habe gerade einen Termin nach dem anderen. Sogar französische Zeitungen, etwa die L’Equipe, hat angerufen. Denen geht es um das Finale vor 40 Jahren, als wir AS St. Etienne im Finale besiegt hatten.

Woran Sie nicht ganz unbeteiligt waren.

Roth: Ja, ich habe das 1:0 geschossen, das am Ende gereicht hat.

Überhaupt waren Sie mit drei Toren in vier Endspielen recht treffsicher in den entscheidenden Partien. Der Ball von Ihrem goldenen Tor im Pokalsieger-Finale 1967 liegt jetzt in der FC-Bayern-Erlebniswelt.

Roth: Das war gar nicht so leicht, den damals zu kriegen. Denn den Ball bekam nach dem Spiel immer der Schiedsrichter. Ich bin dann mit Manager Robert Schwan und mit Tränen in den Augen nach dem Spiel zu Schiedsrichter Lo Bello in die Kabine gegangen und habe ihn gefragt, ob ich den Ball haben kann. Er hat sich erweichen lassen.

Die Zeiten lassen sich zwar schwer vergleichen, aber gibt es einen aktuellen Spieler, mit dem sich der „Bulle“ von einst vergleichen ließe?

Roth: Arturo Vidal vielleicht. Er ist physisch stark und gibt nie auf. Aber richtig vergleichen kann man die Zeiten nicht. Es wird immer nur einen Bullen, einen Franz oder einen Gerd geben.

Wenn Sie Ihre Karriere und Ihr Leben betrachten: Würden Sie mit der heutigen Spielergeneration tauschen wollen?

Roth: Nein, wir hatten eine tolle Zeit damals. Und eine sehr, sehr erfolgreiche Zeit. Es gibt nur wenige Mannschaften, die den Europacup drei Mal in Folge holen konnten. Heute schafft man es in der Champions League nicht einmal, den Titel zu verteidigen. Ich würde jedenfalls nichts anders machen.

Trotz aller Erfolge gab es auch einen schweren Verlust in Ihrem Leben.

Roth: Als meine Frau vor neun Jahren gestorben ist, war es schon sehr hart für mich. Ich habe mich anderthalb Jahre gar nicht mehr blicken lassen, wollte einfach meine Ruhe haben. Hier bin ich meiner Familie sehr dankbar, wie sie mich unterstützt hat. Heute habe ich das Glück, wieder eine Lebenspartnerin gefunden zu haben.

Und da wäre noch die Bayern-Familie. Sie gehen noch immer regelmäßig ins Stadion?

Roth: Ja, ich fahre oft in die Arena. Vergangene Woche im Pokalspiel gegen Bremen war meine Enkelin sogar eines der Einlaufkinder. Und die Einladung zur Meisterfeier habe ich auch schon bekommen. 

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