Ein 25-Jähriger aus Wuppertal könnte an dem Anschlag auf Mannschaftsbus des BVB beteiligt gewesen sein. Ermittler vermuten einen islamistischen Hintergrund.

Düsseldorf/Dortmund/Karlsruhe. Sehr schnell haben die Ermittler am Mittwoch eine heiße Spur zu den mutmaßlichen BVB-Attentätern präsentiert – und sie führt unter anderem nach Wuppertal. „Aufgrund der Tatmodalitäten ist von einem terroristischen Hintergrund des Anschlags auszugehen“, teilte Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft, am frühen Nachmittag in einer Pressekonferenz mit. Demnach wurden drei textgleiche Bekennerschreiben am Tatort gefunden, die auf ein islamistisches Motiv hindeuten. So werde etwa der Abzug von Tornados aus Syrien gefordert.

Die Schreiben wurden unmittelbar am Anschlagsort an der Wittbräucker Straße in Dortmund entdeckt, wo um 19.15 Uhr am Dienstagabend drei Sprengsätze detoniert waren. Sie waren hinter einer Hecke abgelegt worden. Laut Bundesanwaltschaft waren sie mit Metallstiften bestückt – einer bohrte sich in die Kopfstütze eines Sitzes des BVB-Mannschaftsbusses, der schwer beschädigt wurde. „Die Sprengsätze hatten eine Sprengwirkung von mehr als 100 Metern“, erklärte Köhler weiter. Zünder und Art des Sprengstoffes seien jetzt Gegenstand der Untersuchungen. Durch die Explosion war der Dortmunder Spieler Marc Bartra am Handgelenk schwer verletzt worden, auch ein Polizist kam zu Schaden.

Laut den Ermittlern rückten rasch zwei Verdächtige „aus dem islamistischen Spektrum“ in den Fokus. Es soll sich nach gleichlautenden Informationen mehrerer Medien um einen 25-jährigen Iraker aus Wuppertal sowie einen 28 Jahre alten Deutschen aus Fröndenberg im Kreis Unna handeln. Beiden wird eine Nähe zur Terrororganisation Islamischer Staat vorgeworfen.

Wuppertaler Verdächtiger war wohl schon zuvor im Visier

Nach Informationen unserer Zeitung war der Wuppertaler Verdächtige kein Unbekannter für die Sicherheitsbehörden: Man hatte ihn bereits zuvor im Visier. Details wurden zunächst aber nicht bekannt. Bei Durchsuchungen in Wuppertal – auch in der Wohnung des Mannes – fand man am Mittwoch keinen Sprengstoff. Im Einsatz war die Spurensicherung am Nachmittag etwa an der Gathe – an einer für Terrorfahnder keineswegs unbekannten Anschrift: Dort lebte Christian G., den Ermittler als „Kurier Bin Ladens“ bezeichneten und der wegen Beihilfe zum Anschlag auf eine Synagoge auf Djerba, bei dem 2002 auch 14 deutsche Urlauber starben, verurteilt wurde. Der nun Verdächtige wurde offenbar am Mittwoch noch in Dortmund vernommen. Die Bundesanwaltschaft wollte einen Haftbefehl prüfen.

Zwischenzeitlich war im Internet auf der Plattform „linksunten.indymedia.org“ auch ein angebliches Bekennerschreiben aus dem linksextremistischen Spektrum aufgetaucht. Die Moderatoren der Seite wehrten sich kurze Zeit später: Sie hätten dieses Schreiben sofort gelöscht, es sei aber bereits von extrem rechten Portalen weiterverbreitet worden. Es habe wohl zum Ziel gehabt, die Antifa in den Fokus zu rücken. Auch der Generalbundesanwalt äußerte „erhebliche Zweifel“ an der Echtheit der Bekennung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag als eine „widerwärtige Tat“. Sie wünschte in einem Telefonat mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem Trainerstab, der Mannschaft und den Fans alles Gute und sagte: „Unsere Gedanken sind heute bei den Spielern, die das Spiel nachholen werden, beim BVB, bei den Fans. Und wir hoffen, dass es ein friedliches und gutes Spiel werden kann.“ Sie lobte „die großartige Solidarität“ der Fans aus Deutschland, aber auch aus Monaco. Das sei ein klares Signal gegen jede Art von Gewalt.

BVB-Geschäftsführer Watzke: „Wir spielen für alle“

Watzke erklärte, er habe an die Mannschaft appelliert, „der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken“: „Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker.“ Der bei dem Anschlag an Hand und Arm schwer verletzte Dortmunder Abwehrspieler Marc Bartra war am Nachmittag auf dem Weg der Besserung. „Er hat die Operation gut überstanden“, sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball. Neben Bartra war ein Polizist verletzt worden: Er erlitt ein Knalltrauma sowie einen Schock.

Der Vorfall strahlte am Mittwoch bis nach München, wo für die Champions-League-Partie des FC Bayern gegen Real Madrid die Sicherheitsvorkehrungen stark erhöht, 450 statt der geplanten 370 Polizisten eingesetzt wurden. Auch in Dortmund wurden die Polizeikräfte für das nachgeholte Spiel verstärkt. Man werde „alles Menschenmögliche tun, damit es ein sicheres Spiel wird“, erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zuvor am Mittag. Er bat Fans, Rucksäcke zu Hause zu lassen und sich auf längere Einlasskontrollen einzustellen.

Mit Blick auf die Bundesliga-Partien am Wochenende sagte er: „wir müssen jede Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen neu überprüfen.“ Eine Absage von Spielen steht aber offensichtlich nicht im Raum. „Wir werden uns in NRW dem Hass und dem Terror nicht beugen“, erklärte Jäger. Deshalb wolle auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein Zeichen setzen und selbst zum Spiel der Dortmunder gegen Monaco im Stadion sein. (mit Material von dpa)

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer