Durchgeflutscht
Nach dem Patzer von Raphael Wolf lag Werder lange im Rückstand. Foto: Carmen Jaspersen

Nach dem Patzer von Raphael Wolf lag Werder lange im Rückstand. Foto: Carmen Jaspersen

dpa

Nach dem Patzer von Raphael Wolf lag Werder lange im Rückstand. Foto: Carmen Jaspersen

Gelsenkirchen (dpa) - Zumindest Raphael Wolf nahm seinen groben Patzer mit Humor. «Der Schuss war unhaltbar. Das war doch kein Torwartfehler», scherzte der Torhüter von Werder Bremen über seinen Schnitzer beim 0:1, als er einen 18-Meter-Schuss von Max Meyer hatte durchflutschen lassen.

Weil er danach noch einige gute Paraden zeigte und Teamkollege Sebastian Prödl mit dem Last-Minute-Ausgleich zum 1:1 (0:0)-Endstand beim FC Schalke 04 noch einen Punkt rettete, nahm Wolf seinen Fauxpas nicht so tragisch: «Es war ein blödes Tor, natürlich war das mein Fehler. Zum Glück konnte ich meiner Mannschaft nochmal helfen. Das war das mindeste nach diesem Scheißtor.»

Nach fünf Siegen hintereinander konnte das beste Rückrunden-Team mit dem Unentschieden auf Schalke gut leben. «Jeder weiß, wie schwer es hier ist, wenn man in Rückstand gerät. Wir sind mit dem Punkt sehr glücklich», befand Werder-Trainer Viktor Skripnik. Die Gefühlslage bei seinem Kollegen Roberto Di Matteo war eine ganz andere: «Wenn man so spät noch den Ausgleich kriegt, ist das sehr ärgerlich. Niemand hätte etwas sagen können, wenn es beim 1:0 geblieben wäre.»

Für die Königsblauen fühlte sich das 1:1 wie eine Niederlage an. Erst in der 85. Minute eingewechselt, stieg der lange verletzte Prödl bei seinem Comeback nach einem Freistoß von Zlatko Junuzovic in der zweiten Minute der Nachspielzeit hoch und nickte den Ball vor dem zu spät herauskommenden Schalker Keeper Timon Wellenreuther ins Netz.

Im dritten Spiel hintereinander sah das 19 Jahre alte Torwarttalent in ähnlichen Situationen bei hohen Bällen unglücklich aus. Beim 0:1 in Frankfurt durch Lucas Piazons Kopfball eine Woche zuvor durften mildernde Umstände gelten, weil die Flanke zuvor abgefälscht und schwer zu berechnen war. Gegen Real Madrid am Mittwoch zögerte Wellenreuther beim Herauslaufen und war so gegen Cristiano Ronaldo machtlos. Am Samstag kam ihm im eigenen Fünf-Meter-Raum Prödl zuvor.

Trotz des unnötigen Punktverlustes gibt es beim Tabellen-Vierten aus dem Revier keine Torhüterdiskussion: Erstens macht Regionalliga-Torwart Wellenreuter seine Sache ansonsten gut, genießt wegen seiner Jugend noch eine Art «Welpenschutz», Fehler werden ihm verziehen. Zweitens gibt es nach den Verletzungen der Nummer eins, Ralf Fährmann, sowie dessen Vertreter Fabian Giefer in dem 35-jährigen Christian Wetklo nur eine Alternative. Und darüber hinaus wurde Wellenreuther bei allen drei Gegentoren von seiner Abwehr im Stich gelassen.

Tranquillo Barnetta und Roman Neustädter stellten sich vor den jungen Keeper, der wohl auch im Revierderby bei Borussia Dortmund kommenden Samstag zwischen den Pfosten stehen wird. «Wenn einer den Ball wegköpft, sagt kein Mensch etwas», meinte Barnetta, und Neustädter ergänzte: «Das 1:1 war schwer zu verteidigen, der Ball kommt direkt vor Timon runter.»

Auch Bremen hat vier Torleute im Kader, darunter in Michael Zetterer (19) und Ralf Husic (18) zwei unerfahrene Youngster. Die Alternative wäre der aus Wolfsburg ausgeliehene Belgier Koen Casteels, dessen Verpflichtung im Winter schon für Diskussionen gesorgt hatte. Doch am Sonntag schob Skripnik allen Spekulationen über einen Wechsel zwischen den Pfosten einen Riegel vor und stärkte Wolf den Rücken. «Er bleibt die Nummer eins bei uns, auch nächste Woche gegen Wolfsburg», sagte der Bremer Trainer beim TV-Sender Sport1: «Es ist ein bitterer Moment für ihn und uns gewesen, aber die Mannschaft steht vollkommen zu ihm. Fehler gehören eben im Fußball dazu. Und am Ende hat uns Raphael Wolf den Punkt gesichert.»

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