Gequält
Thomas Schaaf ist mit seiner Mannschaft völlig von der Rolle. Foto: Carmen Jaspersen

Thomas Schaaf ist mit seiner Mannschaft völlig von der Rolle. Foto: Carmen Jaspersen

dpa

Thomas Schaaf ist mit seiner Mannschaft völlig von der Rolle. Foto: Carmen Jaspersen

Bremen (dpa) - Werder Bremens verbliebene Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg ist die Schwäche der Konkurrenz. Nach dem siebten sieglosen Spiel in Serie in der Fußball-Bundesliga klammert sich der abgestürzte Ex-Meister an jeden Strohhalm.

«Zum Glück hat Augsburg nicht gewonnen», war der mit Abstand am meisten geäußerte Satz nach dem völlig unnötigen 0:2 (0:0) gegen den FC Schalke 04.

Mit 31 Pünktchen nach 28 Spieltagen stagniert der einstige Europapokal-Dauergast auf Tabellenplatz 14 - noch sieben Punkte vor dem FC Augsburg auf dem Relegationsplatz 16. Vor der Bremer Sieglos-Serie waren es noch zwölf Punkte Vorsprung auf Rang 16 gewesen. Längst geht es bei Werder in dieser Saison nur noch um den Klassenverbleib, wie Torhüter Sebastian Mielitz zugab. «Ganz klar in der ersten Liga», sagte Mielitz nach Werders Zukunft befragt.

Wie sehr die Nerven inzwischen blank zu liegen scheinen, wurde am Samstag in mehreren Situationen deutlich. Nicht nur die Spieler schielten bang auf Augsburg, das am Ende doch noch 2:4 in Dortmund verlor. Auch durch das Publikum ging bei jedem Zwischenstand auf der Anzeigentafel ein beunruhigtes Raunen. Durch Augsburgs Pleite blieb es beim Abstand auf die letzten Drei der Tabelle. «Die Situation hat sich nicht verändert», bemerkte Trainer Thomas Schaaf. «Sie hat sich aber auch nicht verbessert», fügte er gequält hinzu.

Dabei wäre das möglich gewesen. Werder spielte gegen schwache Schalker gut, aber vor dem Tor zu harmlos. Dann patzte Assani Lukimya. Wieder einmal. Wie schon beim 1:1 in der Vorwoche in Mainz schenkte der Innenverteidiger dem Gegner ein Tor. Diesmal sogar zweifach - vor den Treffern von Julian Draxler (51. Minute) und Ciprian Marica (68.). «Wir haben den Gegner ins Spiel gebracht, indem wir die Tore aufgelegt haben», schimpfte Schaaf.

Allzu sehr kritisieren wollten die Bremer den Unglücksraben aber nicht. «Gegenseitige Anschuldigungen wären eine absolute Katastrophe», befand etwa Sebastian Prödl. Aufbauen statt Draufhauen - Vor allem Trainer Schaaf bleibt angesichts des immensen Verletzungspechs ohnehin nichts anderes übrig. Gegen Schalke fehlten insgesamt zehn Profis. «Eine ganze Mannschaft», stöhnte Schaaf.

Am kommenden Wochenende im «extrem wichtigen Duell» (Kapitän Aaron Hunt) beim direkten Konkurrenten Düsseldorf dürfte Lukimya bei seinem Ex-Club notgedrungen wieder auflaufen. Nicht gerade ein Mutmacher für die Werder-Anhänger. Schon nach dem 0:1, spätestens aber nach dem 0:2 gegen den Champions-League-Kandidaten kippte die Stimmung.

Es wurde gepfiffen, der Unmut wuchs sekündlich. Gegen Lukimya, gegen den phlegmatisch spielenden Elijero Elia, aber auch gegen Schaaf gab es einzelne Protestrufe. Das Beunruhigende war, dass sich diese destruktive Stimmung aufs Feld übertrug. «Das Aufbäumen hat gefehlt», monierte Keeper Mielitz treffend. Selbst Schalke-Manager Horst Heldt erkannte: «Werder hat sich aufgegeben.»

Keine guten Voraussetzungen für das brisante Duell bei der Fortuna, die mit 29 Punkten nur zwei Zähler hinter Werder liegt. «Wir haben im Moment kein Selbstvertrauen», meinte Hunt und Mielitz setzte die besorgniserregende Analyse fort: «Leider stockt die Entwicklung von jedem Spieler. Da ist jetzt Selbstkritik gefragt.» Klingt nach jeder Menge Arbeit in dieser Woche.

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