Dicke Patzer
Schalkes Keeper Timon Wellenreuther patzte gleich zweimal. Foto: Ina Fassbender

Schalkes Keeper Timon Wellenreuther patzte gleich zweimal. Foto: Ina Fassbender

dpa

Schalkes Keeper Timon Wellenreuther patzte gleich zweimal. Foto: Ina Fassbender

Berlin (dpa) - Timon Wellenreuther verschwand sichtlich bedient in den Mannschaftsbus und wollte lieber gar nichts sagen. Stattdessen ergriff sein Trainer Roberto Di Matteo das Wort und leistete nach den folgenschweren Patzern seines jungen Torhüters Aufbauarbeit.

«Wir stehen als Mannschaft zusammen. Wir werden dem Jungen weiter Vertrauen geben», sagte der 44-Jährige. Vom Spielfeldrand hatte er zuvor mitansehen müssen, wie die eigentliche Nummer drei des FC Schalke 04 beim glücklichen 2:2 (1:1) bei Hertha BSC beide Gegentore verschuldete. Zum wiederholten Male fiel das 19 Jahre alte Talent als Unsicherheitsfaktor auf. Im Rennen um die Champions-League-Plätze erweisen sich Schalkes Torwart-Sorgen als ein Nachteil.

Einige werden wohl hoffen, dass Fährmann schon am nächsten Samstag bereit steht, wenn Bayer Leverkusen zum Verfolferduell nach Gelsenkirchen kommt. Auch weil dann in Nationalspieler Benedikt Höwedes ein wertvoller Abwehr-Akteur nach seiner fünften Gelben Karte fehlt. Im für die Schalker schlimmsten Fall könnten die Leverkusener am 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga auf sechs Punkte davonziehen. Manager Horst Heldt schloss ein Comeback von Fährmann nicht aus, es klappe vielleicht aber auch erst nach der Länderspielpause. Schalkes Nummer eins hatte zu Jahresbeginn eine Kreuzband-Verletzung erlitten.

Reicht es nicht, wird Di Matteo vermutlich wieder Wellenreuther den Vorzug vor dem 35-jährigen Christian Wetklo geben. Fabian Giefer fällt mit Adduktorenbeschwerden aus. Die Ausfälle kann Wellenreuther derzeit nicht kompensieren. Wegen seiner Jugend genießt er aber noch eine Art «Welpenschutz». Auch die Abwehr ist nicht ganz schuldlos an den Gegentoren.

Dem eigentlichen Regionalliga-Schlussmann mussten die zwei Führungstreffer der Berliner am Samstag wie ein Déjà-vu vorgekommen sein. Zweimal zog Valentin Stocker ab, zweimal ließ er den Ball abprallen. Einmal staubte Änis Ben-Hatira (21.) ab, einmal Genki Haraguchi (81.). «Das ist kein schöner Moment für einen jungen Spieler», meinte Heldt. Nachdem Joel Matips Kopfball-Treffer in der Schlussminute den Knappen einen Punkt gesichert hatte, verteidigten die Teamkollegen Wellenreuther. «Die Mannschaft macht ihm keinen Vorwurf. Er selbst ärgert sich sicherlich am meisten», sagte Höwedes.

Wellenreuther hat in seinen neun Pflichtspielen eine umfangreiche Pannen-Sammlung angehäuft. Gegen Werder kam er zu spät heraus, Sebastian Prödl köpfte zum 1:1 ein. Beim 0:1 in Frankfurt durch Lucas Piazons Kopfball machte er ebenfalls eine unglückliche Figur. Im Hinspiel gegen Real Madrid war der Keeper einen Tick zu weit vorm Tor und blieb machtlos gegen Cristiano Ronaldo. Marco Reus spitzelte ihm den Ball vom Fuß weg - das Revierduell war da bereits für Dortmund entschieden. «Wenn ein Torwart einen Fehler macht, ist es sofort ein Tor. Wir machen alle Fehler», beschwichtigte Di Matteo.

Nicht mit Patzern, sondern mit einer Wahnsinns-Woche beeindruckte ein anderer Schalker Youngster. Leroy Sané, Sohn des früheren Profis Souleyman Sané, ließ am Samstag die Hertha-Abwehr stehen und lupfte den Ball cool über Torwart Thomas Kraft zum zwischenzeitlichen 1:1 ein (40.). Sein feiner Treffer beim Champions-League-Debüt bei der 4:3-Gala in Madrid war gerade erst vier Tage her. Ausgiebig freuen konnte sich das Talent wie beim knappen Aus gegen Real wieder nicht. Es sei zu «schade», dass Schalke nur einen Punkt mitnehme.

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