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Otto Rehhagel will sich nicht zur Ruhe setzen. Foto: Sergej Doltschenkow

Otto Rehhagel will sich nicht zur Ruhe setzen. Foto: Sergej Doltschenkow

dpa

Otto Rehhagel will sich nicht zur Ruhe setzen. Foto: Sergej Doltschenkow

Berlin (dpa) - «Mit 50 bist Du als Fußball-Trainer reif für die Klapsmühle.» Als Otto Rehhagel einst einen seiner besten Sprüche zum Besten gegeben hat, ahnte er nicht, dass er mit 73 noch einmal auf einer Bundesliga-Bank Platz nehmen würde.

Mehr als elf Jahre nach seinem Abschied vom 1. FC Kaiserslautern kehrt der gebürtige Essener als Coach von Hertha BSC in den deutschen Fußball zurück. Bei den Berlinern stand er 1963 im allerersten Bundesligaspiel auf dem Platz, genau 1000 Partien später gibt er bei der Hertha sein Comeback.

Rehhagel gilt als demokratischer Diktator im Trainingsanzug, als altmodisch - doch spätestens nach seinem sensationellen EM-Triumph mit der griechischen Nationalmannschaft 2004 verstummte manch ein Spötter. An der Ägäis, die er 2010 nach den Enttäuschungen bei der EM 2008 und der WM 2010 verlassen hatte, wird «Rehhakles» bis heute vergöttert. Er war als erster Ausländer «Grieche des Jahres», Welt-Nationaltrainer sowie Ehrenbürger Athens.

Kritiker an Rehhagels extremer Defensivtaktik - den EM-Erfolg 2004 «ermauerten» die Griechen etwa mit einem als antiquiert gegoltenen Libero - wiegelte der Trainer-Altmeister mit dem Satz ab: «Modern spielt, wer gewinnt.» Mit seinem Spruch «Ich schätze es, wenn Fußballer verheiratet sind, denn die eigene Frau ist das beste Trainingslager» hatte er die Schmunzler auf seiner Seite.

Seine Karriere zeitigte erst mit Verspätung Erfolge. Als beinharter Abwehrspieler bestritt er 201 Bundesliga-Spiele (22 Tore) für Hertha und den 1. FC Kaiserslautern, Trophäen aber holte er erst als Coach: Mit Werder Bremen gewann der Erfinder der kontrollierten Offensive den Europacup der Pokalsieger (1992) sowie je zwei Meisterschaften (1988/1993) und Pokalsiege (1991/1994), mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger den Meistertitel 1998.

Der DFB-Pokalsieg 1980 mit Fortuna Düsseldorf als erster Trainer-Coup steht für ihn ebenso zu Buche wie die bis heute höchste Niederlage der Liga-Geschichte: 0:12 mit Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach (Saison 1977/78). Die Berliner Hertha wird Rehhagels neunter Verein als Trainer im deutschen Fußball sein.

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