Wachwechsel
Bayerns Nummer eins Thomas Kraft (l) und Ersatzkeeper Jörg Butt auf dem Weg ins Stadion.

Bayerns Nummer eins Thomas Kraft (l) und Ersatzkeeper Jörg Butt auf dem Weg ins Stadion.

dpa

Bayerns Nummer eins Thomas Kraft (l) und Ersatzkeeper Jörg Butt auf dem Weg ins Stadion.

Wolfsburg (dpa) - Thomas Kraft hält lieber Bälle statt große Reden. Etwas verlegen stand die neue Nummer eins des FC Bayern München in den Katakomben des Wolfsburger Stadions und nahm die Lobeshymnen nach einem beeindruckenden Bundesliga-Debüt entgegen.

«Tolle Paraden, na ja», wiegelte der 22-Jährige ab. «Natürlich freue ich mich über mein erstes Spiel in der Bundesliga, aber der Ärger über das 1:1 überwiegt», sagte der Torwart. Der bescheidene «Kraftprotz» bestand die von Trainer Louis van Gaal seit Tagen angekündigte und kontrovers diskutierte Feuertaufe mit Bravour.

«Er hat gut gespielt, aber die nächsten Partien sind viel wichtiger. Wir müssen nicht zu viel Aufmerksamkeit auf einen einzelnen Spieler lenken», urteilte van Gaal über die Premiere. Dass sie nicht glanzvoll endete, lag nicht an Kraft. Dem späten VfL- Ausgleich durch Sascha Riether (86.) ging ein Patzer von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger voraus, den der Newcomer nicht mehr ausbügeln konnte.

Zuvor hatte Kraft das Münchner Führungstor durch Thomas Müller (7.) mit einem weiten Abschlag eingeleitet. Zu Buche standen für den Schlussmann neben dem Scorer-Punkt 49 Ballkontakte, 28 Pässe und damit doppelt so viele wie bei seinem Wolfsburger Kollegen Diego Benaglio, zwei glänzende Rettungstaten gegen Diego und Mario Mandzukic sowie als Krönung ein abgewehrter Foulelfmeter von Grafite. Mit den Fingerspitzen lenkte Kraft den Ball an die Latte.

«Ein Elfmetertöter bin ich nicht. Voriges Jahr habe ich bei den Bayern-Amateuren aber schon einmal in Regensburg einen Elfmeter gehalten», verriet der Jung-Profi. Nach zwei Einsätzen in der Champions League spielte er so abgeklärt und souverän, als würde er schon zehn Jahre zwischen den Bayern-Pfosten stehen. «Die Anspannung ist bei mir gleich, ob 3. Liga oder Bundesliga. Da mache ich mir keinen Kopf», erläuterte Kraft.

«Super. Er hat den Elfer gehalten und Ruhe ausgestrahlt. Ich fand das stark, ich kann gut mit ihm», urteilte Kapitän Mark van Bommel über den Debütanten. Der Niederländer dachte aber auch an Routinier Jörg Butt, den Kraft durch die zukunftsweisende Entscheidung des Trainers vorerst auf die Bank verdrängt hat: «Für Jörg ist das keine leichte Situation.»

Torschütze Müller lobte van Gaal und Kraft. «Er spielt nicht umsonst in unserem Tor. Der Trainer hat sich seine Entscheidung gut überlegt», sagte der WM-Star. Gratulieren wollte Müller dem neuen Bayern-Torwart aber nicht: «Bei einem 1:1 gratuliert keiner einem.»

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