Uli Hoeneß
Uli Hoeneß ist auch der Aufsichtsrats-Chef des FC Bayern München. Foto: Michael Dalder

Uli Hoeneß ist auch der Aufsichtsrats-Chef des FC Bayern München. Foto: Michael Dalder

dpa

Uli Hoeneß ist auch der Aufsichtsrats-Chef des FC Bayern München. Foto: Michael Dalder

München (dpa) - Im spektakulären Steuerprozess um Uli Hoeneß hat der Münchner Unternehmensexperte Manuel René Theisen das abwartende Verhalten des Aufsichtsrats des FC Bayern scharf kritisiert.

«Da sitzen praktisch nur Sponsoren drin, die Verträge mit der Bayern AG haben. Die haben Angst um ihr Geld und dass die Fangemeinde sie boykottiert», sagte Theisen der Nachrichtenagentur dpa. «Keiner will Hoeneß zu früh fallen lassen. Das ist die blanke Angst.»

Theisen sieht bei der Bayern AG die Compliance-Vorgaben für saubere Unternehmensführung verletzt. «Ich würde Herrn Hoeneß raten, von sich aus bis zum Ende der Woche seinen Rücktritt nicht nur anzubieten, sondern durchzuführen», sagte der 61-Jährige. «Alles andere ist nur noch peinlich. Er düpiert ansonsten alle Aufsichtsratsmitglieder, die ja auch alle seine Vertragspartner sind.»

In dem Gremium des Rekordmeisters sitzen neben dem Vorsitzenden Hoeneß auch die Konzernchefs von Audi, Adidas, Telekom und VW. Das Münchner Landgericht geht in dem Prozess von einer Steuerschuld in Höhe von 27,2 Millionen Euro aus. Hoeneß droht eine Haftstrafe.

Durch Hoeneß' Steuerbetrug ist nach Einschätzung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bereits ein erheblicher Schaden für die im Bayern-Aufsichtsrat vertretenen Firmen entstanden. «Der Schaden für die beteiligten Unternehmen beziehungsweise deren Vertreter im Aufsichtsgremium dürfte als sehr hoch einzuschätzen sein», sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer «Handelsblatt Online». Es sei «sicherlich nicht von Vorteil, ständig mit der Straftat von Herrn Hoeneß auf Seite eins und zur besten Sendezeit erwähnt zu werden», sagte Bauer weiter.

Zudem dürften es die Konzerne in Zukunft schwer haben, gegenüber Mitarbeitern, die Verfehlungen begangen haben, Konsequenzen zu ziehen «wenn man gegenüber einem, wenn auch geständigen, Steuerstraftäter keine Konsequenzen verlangt».

Die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank steht indes fest zu ihrer Sponsoring-Partnerschaft mit dem FC Bayern. Er gehe «keine Nanosekunde davon aus», dass sich das Verhältnis zu dem Verein wegen der «Causa Hoeneß» verändern werde, sagte Hypovereinsbank-Chef Theodor Weimer. Die Bank profitiere von der Partnerschaft, und man sei stolz darauf, mit dem besten Bundesligaverein zusammenzuarbeiten.

Für zwei Drittel der Deutschen steht hingegen fest: Hoeneß sollte seinen sofortigen Rücktritt als Präsident des FC Bayern einreichen. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Demnach sind nur 22 Prozent der Befragten der Ansicht, Hoeneß solle weiter im Amt bleiben, 65 Prozent sprechen sich für den Rückzug aus. Im Bundesland Bayern sind dies mit 56 Prozent immerhin noch mehr als die Hälfte.

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