Tatendurstig
Uli Hoeneß denkt noch lange nicht ans aufhören. Er ist der «Mr. FC Bayern». Foto: Frank Leonhardt

Uli Hoeneß denkt noch lange nicht ans aufhören. Er ist der «Mr. FC Bayern». Foto: Frank Leonhardt

dpa

Uli Hoeneß denkt noch lange nicht ans aufhören. Er ist der «Mr. FC Bayern». Foto: Frank Leonhardt

München (dpa) - Uli Hoeneß wird ein «Sechzger» - aber nur beim Alter. Der größte Manager des deutschen Fußballs denkt am runden Geburtstag nicht an den Ruhestand, sondern steckt weiter voller Tatendrang. Das schönste Geschenk zum 60. wäre der Champions-League-Sieg im eigenen Stadion.

Auch aus dem tausende Kilometer entfernten Emirat Katar werden bei Uli Hoeneß am Donnerstag zahlreiche Anrufe und Glückwünsche eingehen. Früher musste der bedeutendste Vertreter des FC Bayern neben Lichtgestalt Franz Beckenbauer seine Geburtstage regelmäßig fern der Heimat im Kreise der Münchner Fußball-Profis in Trainingslagern in Spanien, Dubai oder sonstwo auf der Welt feiern. Als Präsident kann er seinen Sechzigsten daheim am Tegernsee genießen - im Kreise der Familie und mit rund 100 Freunden und Weggefährten.

Sein langjähriger Kumpel Jupp Heynckes wird fehlen. Aber der Bayern-Trainer wird aus Doha anrufen, «das ist doch ganz klar». Und auch die Mannschaft wird gratulieren und sich «auch ein Geschenk überlegen», wie Kapitän Philipp Lahm berichtete. Hoeneß selbst würde sich vom Team am liebsten den Champions-League-Sieg am 19. Mai im eigenen Stadion wünschen, «ein Traum» wäre das für ihn. «Wir hätten sicherlich auch nichts dagegen», antwortete Lahm.

Gerade für die Spieler war Hoeneß als Manager immer da - und ist es auch als Präsident noch. «Er ist absolut bei der Mannschaft dabei. Er weiß, was los ist, ist fast immer dabei. Er ist sehr nah dran», erklärte Lahm. Und auch mit 60 Jahren wird der Emotionsbolzen Hoeneß hin und wieder als Wutbürger mit hochrotem Kopf in den Katakomben der Stadien auftauchen und poltern - vor allem, wenn es nicht so läuft wie im Moment.

Was wäre der FC Bayern ohne Uli H.? Bestimmt nicht das, was er heute ist: Die Nummer 1 in Deutschland und ein Top-Club in Europa. «Uli Hoeneß ist die Marke und der Manager schlechthin. Ich glaube, so eine Managerleistung wird es im Fußball nicht wieder geben», sagte am Mittwoch in Doha voller Hochachtung Christian Nerlinger, der beim FC Bayern als Sportdirektor die schwere Nachfolge von Hoeneß im sportlichen Bereich angetreten hat. Hoeneß habe den Verein Ende der 70er Jahre «mit Schulden übernommen», betonte Nerlinger: «Heute setzt der FC Bayern 350 Millionen Euro um und ist eine Weltmarke.»

Mit 19 war Hoeneß Bayern-Profi, mit 20 Europameister, mit 22 Weltmeister und mit 27 Sportinvalide - und wurde 1979 Manager. Titel und wirtschaftliche Traumbilanzen waren unter der Regie des «barocken Kraftprotzes» (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) garantiert.

42 Jahre im Dienst des FC Bayern - Hoeneß bezeichnet das Verhältnis zwischen ihm und seinem Verein als «Symbiose». Im reifen Funktionärsalter blickt er stolz auf das Erreichte zurück. «Der FC Bayern ist ein gesellschaftliches Ereignis», schwärmt der Präsident, der sich selbst gesellschaftlich oft zu Wort meldet. Sei es mit Kritik an Spekulanten oder mit Lob für Kanzlerin Angela Merkel.

Auf sein Lebenswerk kann er mit 60 stolz und glücklich blicken. «Wenn ich das so sehe, sind viele Dinge verwirklicht worden, wie ich mir einen Fußballverein vorstelle», betonte der «Mr. FC Bayern».

Auf dem Weg des Rekordmeisters zum Branchenführer in Deutschland und zu einem der reichsten Clubs Europas waren neben Arbeitseifer auch harte Bandagen gefragt. «Als ich so ein junger Manager war, hab' ich schon meine Ellbogen ausgefahren. Ich musste ja den Verein mit Zähnen und Klauen verteidigen. Auf dem Weg nach oben gab es auch Späne», räumte Hoeneß ein. Aber, so betonte er, «unmenschlich» sei er dabei nie vorgegangen, auch wenn er wie kaum ein Anderer auch polarisiert.

Mit dem früheren Bremer Manager Willi Lemke streitet er bis heute. Auch bei Trainer Christoph Daum verspürt Hoeneß keine Lust auf ein größeres Gespräch. Die «Affäre Daum» war die einzige Sache, die dem mehrmaligen Manager des Jahres vor über zehn Jahren zeitweise über den Kopf wuchs. «Ich bin damals zwei Tage weggeflogen, und als ich in Marbella war, um das Trainingslager auszusuchen, habe ich plötzlich gemerkt, hoppla, die Sache ist total aus dem Ruder gelaufen. Als ich dann versucht habe, das Rad anzuhalten, ging es nicht mehr», erinnerte sich Hoeneß. Glücklicherweise für den Bayern-Manager, ließ Daum die für ihn verheerende Haarprobe vornehmen.

Hoeneß hatte als Mensch großes Glück, als er einen Flugzeugabsturz überlegte. Beruflich hat(te) er auch mit seiner Wurstfabrik Erfolg. Neue Ziele als Fußball-Funktionär verfolgt er dagegen nicht mehr, eine Verbandszukunft bei DFB, UEFA, FIFA oder DFL schließt er aus.

An Ruhestand aber denkt Hoeneß auch nicht. «Ich will versuchen, ein sehr aktiver Sechziger zu sein, besser gesagt, ein aktiver Sechzigjähriger zu sein.» Zum Leidwesen seiner Ehefrau, die sich die Nach-Manager-Zeit «ein bisschen anders vorgestellt» habe.

Die Feierlichkeiten zum 60. werden länger anhalten. Am 13. Januar veranstaltet der FC Bayern ein großes Fest mit mehr als 500 geladenen Gästen für den «Manager», «Macher» und «Menschen» Hoeneß. «Uli ist eine Art Feierbiest», bemerkte Karl-Heinz Rummenigge vieldeutig. Hoeneß sei «eine außergewöhnliche Figur beim FC Bayern, der den Club hochemotional sieht und geführt hat», würdigte der Vorstandschef den langjährigen Weggefährten. Kurzum: Der FC Bayern ist Uli Hoeneß!

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