Bernd Wahler will Präsident beim VfB Stuttgart werden. Foto: Daniel Maurer
Bernd Wahler will Präsident beim VfB Stuttgart werden. Foto: Daniel Maurer

Bernd Wahler will Präsident beim VfB Stuttgart werden. Foto: Daniel Maurer

dpa

Bernd Wahler will Präsident beim VfB Stuttgart werden. Foto: Daniel Maurer

Stuttgart (dpa) - Die schwäbischen Fußballfans müssen auf den möglichen neuen Präsidenten des VfB Stuttgart noch etwas warten. Am Samstag, wenn der Traditionsclub im Rahmen der Saison-Vorbereitung das Stadtderby bei den Kickers austrägt, wird Bernd Wahler bei der Hochzeit seiner Tochter sein.

Kommende Woche muss der Topmanager noch einmal bei seinem derzeitigen Arbeitgeber Adidas in Herzogenaurach anpacken. Erst danach will der 55-Jährige bei Mitgliedern und Anhängern mit dem Wahlkampf beginnen.

Eines ist aber schon bei seinem ersten Auftritt vor der Presse deutlich geworden: Nach dem schwer umgänglichen Ex-Präsidenten Gerd Mäuser versucht es der VfB nun mit dem Gegenmodell. «Ich bin ein absoluter Teamplayer», sagte Wahler zweieinhalb Wochen vor der Hauptversammlung am 22. Juli. Dort soll der vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Schwabe zum neuen Vereinschef gewählt werden. Mit Blick auf die heftigen Querelen beim VfB in den letzten Monaten betonte Wahler: «Hier muss wieder Ruhe einkehren.»

In Jeans und weißem Hemd ohne Krawatte hinterließ er einen lockeren Eindruck. Zugleich machte er klar, wohin er den letztjährigen Bundesliga-Zwölften führen will. «Wir wollen aus dem Mittelfeld raus. Mit einer defensiven Einstellung kann man höchstens Unentschieden spielen, nicht gewinnen», sagte der Vize-Präsident Innovation von Adidas und sprach von «Angriffslust in jedem Bereich». Der Club gehöre in die «internationalen Ränge».

Der Pokalfinalist und Europa-League-Teilnehmer werde in der Ferne besser gesehen als im direkten Umfeld. «Der VfB ist immer noch eine Topmarke», behauptete der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsene Wahler. Diese Marke müsse man nun weiterentwickeln. Dass man deutscher Jugendrekordmeister sei, sei zum Beispiel «so ein Punkt».

Ein detailliertes Programm für die Zukunft wollte oder konnte er noch nicht vorweisen. Doch nach dem Rücktritt von Mäuser und Aufsichtsratschef Dieter Hundt will Wahler gemeinsam mit Hundts Nachfolger Joachim Schmidt vor allem die einzelnen Interessengruppen des Vereins wieder zusammenführen und auch das teils überkritische Publikum umwerben. Wahler sei eine «sehr integrative Persönlichkeit», erklärte Schmidt, der durch seine bisherigen Tätigkeiten zudem ein «Fußball-Fachmann» sei. Nun gehe es auch darum, den VfB wieder mit Strahlkraft zu versehen. «Wir wollen eine Aufbruchstimmung erzeugen.»

In der Woche vor der Hauptversammlung wird Wahler deshalb auch auf die Fan-Gruppierungen beim VfB zugehen, um nach den Irritationen unter Mäuser sowie dem langjährigen, aber ungeliebten Patriarch Dieter Hundt für sich zu werben und eine neue Einigkeit herzustellen. «Zuhören» sei nun besonders wichtig, meinten Wahler und Schmidt.

Zudem will Schmidt strukturelle Veränderungen im Verein nicht ausschließen. Das betrifft neben einer eventuellen Ausgliederung der Profi-Abteilung auch einen neuen Wahlmodus. Gemäß den Statuten ist Wahler vom Aufsichtsrat als einziger Kandidat benannt. Doch es gibt Gruppierungen im Verein, die diese Art der Wahl als undemokratisch bewerten. Dennoch müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn der «Glücksfall» Wahler nicht gewählt werde, glaubt Schmidt.

Sein Kandidat hat sich übrigens nicht für den Job beworben. Er sei gefragt worden, ob er das machen wolle, sagte Wahler. Es wäre für ihn ein Traum, wenn er mit 55 Jahren «ein Comeback» feiern würde, nachdem er als C- und B-Jugendlicher selbst für seinen Herzensclub gespielt habe. «Dann würde sich der Kreis schließen», meinte Wahler.

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