Deprimierend
Stuttgarts Trainer Huub Stevens verfolgt das 0:0 seines Teams gegen Paderborn. Foto: Daniel Naupold

Stuttgarts Trainer Huub Stevens verfolgt das 0:0 seines Teams gegen Paderborn. Foto: Daniel Naupold

dpa

Stuttgarts Trainer Huub Stevens verfolgt das 0:0 seines Teams gegen Paderborn. Foto: Daniel Naupold

Stuttgart (dpa) - Nach dem kläglichen Hinrunden-Schlussakt des VfB Stuttgart sprach Huub Stevens Klartext und schloss auch eine härtere Gangart nicht aus. Die Schwaben fielen beim deprimierenden 0:0 gegen Aufsteiger SC Paderborn im Mentalitätstest durch und erzürnten dadurch ihren Trainer.

«Das kannst du nicht akzeptieren, das werde ich nicht akzeptieren», schimpfte Stevens und warf seiner trägen und konzeptlosen Mannschaft mangelnde Aggressivität vor. Im Kampf gegen den Bundesliga-Abstieg wird der Disziplinliebhaber unter Umständen auch härter durchgreifen. «Vielleicht wird das geschehen», räumte Stevens ein.

Der letzte Auftritt des VfB in einem deprimierenden Fußball-Jahr untermauerte das Image einer scheinbar unbelehrbaren Mannschaft, die ihr Leistungsvermögen nach dem Faktor Zufall abzurufen scheint. «Das erste, was du bringen musst, ist Aggressivität», stellte Stevens klar, der seit seiner Rückkehr acht Punkte aus fünf Ligaspielen holte. Einige Spieler müssten bis zum Vorbereitungsauftakt für die Rückrunde am 3. Januar «ganz schnell» wach werden. «Ich hoffe, dass sie besser aus dem Urlaub kommen, als sie gehen», formulierte der Niederländer. «Ich will, dass sie einen guten Urlaub haben und wissen, worum es geht.»

Hausaufgaben gab Stevens Kapitän Christian Gentner & Co. mit auf den Weg. «Aggressivität im Kopf», wie der 61-Jährige eine Grundlage für Handlungsschnelligkeit nennt, wird auch dabei sein. «Ich kann die Truppe auch nicht ändern, ich kann nur behilflich sein. Wir werden etwas tun müssen», verdeutlichte Stevens die Notwendigkeit von Korrekturen beim Dauerkrisenclub. «Ich habe Vertrauen in die Truppe, aber der Anspruch entspricht nicht immer der Wirklichkeit.»

Stevens jedenfalls hat den Sinn für die Realität. «Das kannst du doch nicht schön reden, das darfst du doch auch nicht», betonte er nach der kargen Bilanz von 17 Punkten in der Hinserie. Nur schwer nachvollziehbare Fehler in der Defensive, eine über weite Strecken orientierungslose Offensive - der VfB hat viel nachzuholen. «Das war zu wenig, das tut uns leid», entschuldigte Torwart Sven Ulreich. «Wir müssen die Pause nutzen, um den Kopf frei zu bekommen. Dann heißt es: Vollgas geben.»

Das hätten die Schwaben allerdings schon längst machen können. «Jeder muss sich in der Pause Gedanken machen, wo er für sich mehr tun kann», erklärte Gentner und es klang nicht nur so, als hätte man so einen Satz schon in der jüngeren VfB-Vergangenheit mehrfach gehört. «Es ist gut zu sehen, dass wir einen Riesenweg vor uns haben. Da können wir auch nichts schön reden», erkannte er noch einen Funken Positives nach dem siebten sieglosen Heimspiel der Hinrunde.

Der SC Paderborn blieb am Neckar zwar im siebten Spiel nacheinander sieglos, mit beachtlichen 19 Zählern hat der Neuling jedoch sogar zwei Punkte mehr auf dem Konto als die Schwaben. «Wir haben eine super Hinrunde gespielt», meinte ein glücklicher Daniel Brückner, der mit einer verunglückten Kopfballrückgabe (41.) fast seinen eigenen Torwart Lukas Kruse überrumpelt hätte. Der Ball landete allerdings am Pfosten. «Das ist einfach traumhaft», lautete sein 2014er Fazit. «Wir können mit gutem Gewissen auf die Tabelle gucken.»

André Breitenreiter verhehlte seinen Stolz ebenfalls nicht. «Das Jahr ist außergewöhnlich», schwelgte Paderborns Trainer. «Die drei Wochen Vorbereitung werden uns gut tun, da können wir schön die Akkus aufladen», sagte Marvin Bakalorz. An diese Hoffnung klammert sich auch der VfB.

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