Der Transfer des einstigen Gladbacher Talents vom FC Bayern zu Hertha BSC ist die Geschichte einer vorhersehbaren Entwicklung.

Früher spielte er bei Gladbach und beim FC Bayern, künftig in Berlin: Sinan Kurt.

Berlin. In seinem ersten Training, heißt es aus Berlin, ließ Hertha-Neuzugang Sinan Kurt beim Kleinfeldturnier im Team mit Salomon Kalou und Ronny seine Fähigkeiten aufblitzen. „Seine Technik ist exzellent“, befand Trainer Pal Dardai. Der Wechsel des 19-Jährigen, vom FC Bayern München zum Bundesliga-Hauptstadtclub wurde am Donnerstag vollzogen.

Kurts Geschichte ist kurios, weil sie absehbar verlaufen ist, ohne dass ihn jemand aufgehalten hätte. Nun hoffen die Berliner, dass aus einem schon immer viel gelobten Talent ein verantwortungsvoller Fußball-Star wird, der er beim FC Bayern nicht werden konnte. Kurt gehört zu jener Generation junger Profis, die mit zu großem Selbstbewusstsein zu jung beim FC Bayern landen – und dort kaum Spielpraxis erhalten. Er verließ Borussia Mönchengladbach gegen den Wunsch von Sportdirektor Max Eberl als 18-Jähriger im vergangenen Jahr. Bilanz in München: ein Erstliga-Einsatz. Im Sommer versetzte Pep Guardiola Kurt in die viertklassige Regionalliga-Elf. Mitchell Weiser kennt das. Er ging den gleichen Weg: Weg vom 1. FC Köln zu den Bayern, dort kaum eingesetzt, jetzt in Berlin. Weiser hat es bei der Hertha geschafft, auf Anhieb Stammspieler als Rechtsverteidiger zu werden. Und auch erwachsener zu sein. Jetzt will er Kurt helfen, „hier reinzufinden“. Und zu reifen. Geschichten wie in München, wo Kurt über soziale Netzwerke mitteilen ließ, dass er seinen Stammfriseur extra aus Düsseldorf habe kommen lassen, sollen der Vergangenheit angehören. Ein angemieteter Helikopter-Trip an die Cote d‘ Azur mit Freunden hatte auch nicht geholfen, Guardiola zu überzeugen.

Berlin wird offenbar ein zunehmend attraktiver Fußball-Standort. Dazu haben der überraschend gute Tabellen-Platz drei, die entspannte Finanzsituation dank des Investors KKR und nicht zuletzt der überzeugend agierende Trainer Dardai beigetragen. In Berlin bekommt Kurt die Rückennummer 18, sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2019. Die Ablöse für den gebürtigen Mönchengladbacher mit türkischem Vater und deutscher Mutter, der 2007 aus Rheydt in die Gladbacher Jugendabteilung gewechselt war, soll bei einem mittleren sechsstelligen Eurobetrag liegen. Ein ausgesprochenes Minusgeschäft für den Rekordmeister ist das, Kurt hatte sie 2,5 Millionen Euro gekostet. Es hätte ja auch etwas werden können mit dem Linksfuß. Aber die Chancen standen nie wirklich gut.

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