Gescheitert
Bayerns Torwart Thomas Kraft (M) lenkt den Strafstoß von Wolfsburgs Grafite (l) an den Pfosten.

Bayerns Torwart Thomas Kraft (M) lenkt den Strafstoß von Wolfsburgs Grafite (l) an den Pfosten.

dpa

Bayerns Torwart Thomas Kraft (M) lenkt den Strafstoß von Wolfsburgs Grafite (l) an den Pfosten.

Leipzig (dpa) - Krisenherd Elfmeterpunkt: Die vermeintliche Angst des Schützen vor dem Torwart geht in der Fußball-Bundesliga weiter um. Bereits nach dem 18. Spieltag wurden eineinhalb mal so viele Strafstöße nicht verwandelt wie in der gesamten vergangenen Spielzeit.

Von 50 ausgeführten Elfmetern fanden 18 nicht den Weg ins Tor. Die Erfolgsquote liegt nur bei 64 Prozent. Einen so niedrigen Quotienten hat es nach Berechnungen des Datenlieferanten Opta Sport und der Nachrichtenagentur dpa in den vergangenen zehn Spielzeiten nicht gegeben.

Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen können auch die Beteiligten nicht liefern. Aber allein viermal hatten die Schützen am Samstag das Nachsehen: Bayern Münchens Philipp Lahm, der Wolfsburger Grafite, Freiburgs Papiss Demba Cissé und Javier Pinola vom 1. FC Nürnberg bekleckerten sich nicht mit Ruhm. Die möglichen Ursachen für die Seuche vom Punkt sind jedenfalls unterschiedlicher Natur.

Zwei vergebene Strafstöße bestaunten die Zuschauer beim 1:1 des FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg. Lahm setzte einen von Ashkan Dejagah an Danijel Pranjic verursachten Foulelfmeter nur an den Pfosten - das Verdienst von «Wölfe»-Schlussmann Diego Benaglio hielt sich dabei in Grenzen. Auf der Gegenseite zeichnete sich jedoch später Bayern-Keeper Thomas Kraft aus. In bester Oliver-Kahn-Manier lenkte er den Foulelfmeter des sonst sicheren Grafite an die Latte.

Münchens Trainer Louis van Gaal war über die Leistung des Bundesliga-Debütanten erfreut. «Wir müssen abwarten. Aber er hat dieses Spiel gut gespielt, und ich bin zufrieden», sagte er. Kraft, der während der Winterpause Jörg Butt aus dem Kasten verdrängt hatte, meinte nur lakonisch: «Ich denke, ich habe es ordentlich gemacht.»

Gerade Butt lässt bei Statistiken Vorsicht walten. So merkte er bereits im Herbst an, als sich die Misere der Elfmeterschützen abzeichnete: «Das könnte Zufall sein. Man müsste es längerfristig beobachten.» Strafstoß-Erfolge seien immer auch abhängig von Umständen wie zum Beispiel Spielständen. Dass die Schlussmänner besser auf die Schützen vorbereitet sind als früher, glaubt der oft auch selbst vom Punkt erfolgreiche Butt nicht: «Das war in den letzten Jahren genauso.»

Die Schützen gegen Mönchengladbach und gegen St. Pauli machten es den Torhütern nicht eben schwer. Gladbachs starker Keeper Christofer Heimeroth parierte einen schwach getretenen Strafstoß von Pinola und rettete damit den «Fohlen» den 1:0-Auswärtssieg. Der frühere Kölner Thomas Kessler wurde beim Handelfmeter von Cissé ebenfalls kaum gefordert - am Ende reichte es zu einem 2:2 gegen die Breisgauer.

Ob schlecht geschossen oder famos gehalten: Endgültige Aussagekraft kann die Elfmeter-Statistik erst am Saisonende entfalten, wenn die Gesamtzahl der ausgeführten Elfmeter und der entsprechende Quotient feststehen.

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