Für Rangnick
Schalkes Torschütze Lewis Holtby (l) feiert seinen Treffer zum 3:1 mit seinen Teamkollegen.

Schalkes Torschütze Lewis Holtby (l) feiert seinen Treffer zum 3:1 mit seinen Teamkollegen.

dpa

Schalkes Torschütze Lewis Holtby (l) feiert seinen Treffer zum 3:1 mit seinen Teamkollegen.

Gelsenkirchen (dpa) - Lange herrschte lähmende Verunsicherung, doch am Ende der Partie große Erleichterung. Nur zwei Tage nach dem unerwarteten Rückzug des erkrankten Trainers Ralf Rangnick blieb dem FC Schalke 04 ein weiterer Tiefschlag erspart.

«Es war ein Spiel auf der Rasierklinge», bekannte Interimscoach Seppo Eichkorn im Anschluss an das 4:2 (1:1) über den SC Freiburg. Der sehenswerte Schlussspurt, mit dem der Revierclub den starken Gegner in die Knie zwang, verleitete Torhüter Ralf Fährmann zu einer besonderen Geste: «Dieser Sieg gehört Ralf Rangnick. Wir wollten ihm zusätzliche Kraft geben, die er in den kommenden schwierigen Wochen benötigt.»

Späte Treffer von Klaas Jan Huntelaar (62.), Lewis Holtby (67.) und Raúl (75.) bewahrten die Schalker vor der dritten Bundesliga-Niederlage in Serie. Selbst der zuletzt leidgeprüfte Manager Horst Heldt konnte erstmals seit Tagen wieder lächeln: «Der Sieg hat gezeigt, dass wir nicht führungslos sind. Er gibt uns die Zeit, die wir für die Trainersuche brauchen.»

Über die jüngste Vergangenheit mit dem bitteren Abschied des bisherigen Cheftrainers verlor der dicht umlagerte Heldt nur wenige Worte. Stattdessen ging er auf die vielen Fragen nach den Kandidaten ein, die für die Rangnick-Nachfolge infrage kommen. Die Suche will Heldt nicht nur auf die derzeit freien Fußball-Lehrer beschränken: «In der Not gilt es, das Beste für den Verein zu machen. Und wenn ich es für richtig halte, werde ich deshalb auch Kontakt zu Leuten aufnehmen, die woanders unter Vertrag stehen.»

Nach eigenem Bekunden hat Heldt vor der Partie noch mit keinem Kandidaten gesprochen, will aber in den kommenden Tagen in die Offensive gehen. «Viele passen nicht in unser Profil. Deshalb fokussiert sich die Suche auf einige wenige», sagte der Manager. Ob der von der «Bild am Sonntag» als Favorit gehandelte Thorsten Fink (FC Basel) dazugehört, mochte er nicht kommentieren.

Huub Stevens bestätigte «Bild.de» gegenüber Kontakte zu Schalke 04. Heldt soll sich mit ihm am Sonntag getroffen haben. «Ja, Schalke ist auch im Rennen», wird der Niederländer zitiert. Er habe dies auch HSV-Sportdirektor Frank Arnesen gesagt. Der 57-Jährige galt auch beim Hamburger SV als Kandidat für den freien Cheftrainer-Posten nach der Entlassung von Michael Oenning. Der HSV soll die Gespräche mit Stevens abgebrochen haben.

Der zuvor ins Spiel gebrachte Hans-Dieter Flick hat bereits abgewunken. «Ich habe beim DFB einen Vertrag bis 2014, wir haben mit einer herausragenden Mannschaft eine EM vor Augen, die Arbeit macht mir große Freude» sagte der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw der «Rhein-Neckar-Zeitung».

Grund zur Eile sieht Heldt nicht: «Wir brauchen jetzt keinen Schnellschuss zu machen. Wenn wir am Dienstag keine Entscheidung haben, wird Seppo Eichkorn auch am Donnerstag im Europa-League-Spiel gegen Haifa übernehmen.»

Mit seinem Entschluss, erstmals seit seinem Amtsantritt als Manager beim FC Schalke im Juli 2010 auf der Trainerbank Platz zu nehmen, wollte er ein Zeichen setzen: «Das sollte verdeutlichen, wir müssen nun eng zusammenstehen.» Doch diese Botschaft schien bei der Mannschaft nicht angekommen zu sein. Fahrig und ideenlos überließ sie dem frechen Gegner die Regie, der diese Schwäche zur frühen Führung durch Papiss Demba Cissé (2.) nutzte. Selbst der Ausgleich durch Jefferson Farfan (33.) nahm den Schalkern nicht die Verunsicherung.

Erst der Torreigen in der Schlussphase sorgte dafür, dass die lange Zeit besseren Freiburger deutlich unter Wert geschlagen wurden. «Es ist bitter, wenn man solch große Chancen vergibt. Wir sind für unsere gute Leistung wieder nicht belohnt worden», klagte Marcus Sorg. Bei allem Ärger über die unnötige Niederlage konnte der Freiburger Trainer dem Auftritt «auf» Schalke jedoch auch positive Erkenntnisse abgewinnen: «Wenn die Mannschaft weiter diese Geschlossenheit zeigt und diese Leistungen abruft, wird sie die nötigen Punkte noch holen.»

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