Verärgert
Huub Stevens (M) ärgerte sich nicht über Gelb-Rot-Sünder Kyriakos Papadopoulos, sondern über seine schlaffen Mitspieler. Foto: Marius Becker

Huub Stevens (M) ärgerte sich nicht über Gelb-Rot-Sünder Kyriakos Papadopoulos, sondern über seine schlaffen Mitspieler. Foto: Marius Becker

dpa

Huub Stevens (M) ärgerte sich nicht über Gelb-Rot-Sünder Kyriakos Papadopoulos, sondern über seine schlaffen Mitspieler. Foto: Marius Becker

Leverkusen (dpa) - Zur Hochform lief beim FC Schalke 04 nur Trainer Huub Stevens auf. «Wir haben gebettelt, um zu verlieren», schimpfte der erregte Niederländer mit hochrotem Kopf nach dem 0:2 (0:1) im Bundesliga-Topspiel bei Bayer Leverkusen über das «kollektive Versagen».

Krach zettelte er schon während der Partie an, als er die ausgewechselten Lewis Holtby und Jefferson Farfan wutentbrannt in die Kabine scheuchte. «Die beiden waren erhitzt», sagte Schalke-Manager Horst Heldt zu dem Zoff. «Huub hat sie zum Duschen geschickt, damit sie sich nicht erkälten.»

Nach einer fürsorglichen Geste sah der heftige Disput aber nicht aus. Schließlich hätte der restlos bediente Stevens am liebsten fast die ganze Elf des Tabellenzweiten in die Kabine geschickt. «Ich hätte neun Spieler auswechseln können - und von den zwei übrigen hat einer noch die Gelb-Rote-Karte bekommen», sagte der Coach der Bayern-Jäger, die den Patzer der Münchner (1:1 in Nürnberg) nicht nutzen konnten, zum Platzverweis von Kyriakos Papadopoulos (82.). Dass sich der Grieche daneben benahm und auf dem Weg zum Duschen durch einen Tritt gegen eine Flasche einen TV-Mitarbeiter nass spritzte, fand Stevens nicht so schlimm. Denn: «Der hat noch gekämpft.»

Für Jubel sorgte die Pleite des Verfolgers bei Bastian Schweinsteiger und Co. auf der Rückfahrt an die Isar. «Torschrei im Bayern-Bus! 2:0 für Leverkusen gegen Schalke», twitterte Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick. «Stimmung jetzt besser.»

Davon kann vier Tage vor dem Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus auf Schalke keine Rede sein. Auch Heldt nahm kein Blatt vor den Mund und sprach von einem «völligen Versagen» der schlappen 04-Truppe. «Wir haben alles vermissen lassen. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so ein schlechtes Spiel gemacht haben», meinte er. Keine Ausflüchte suchte ebenso Kapitän Benedikt Höwedes: «Wir haben es unheimlich schlecht gemacht und das Spiel über 90 Minuten nie richtig in den Griff bekommen.»

Viel Zeit bleibt nicht, um sich von der blamablen Pleite in Leverkusen bis zur Partie am Mittwoch gegen Piräus zu erholen. Für Stevens ist das gerade wegen der Klatsche kein Nachteil. «Ich denke, es ist besser für die Jungs, dass sie direkt Revanche nehmen können», sagte er. «Ich hoffe aber, dass sie eine ganz andere Leistung bringen. Sonst haben wir gegen Olympiakos auch keine Chance.»

Während Schalke gegen die Griechen nicht nur Wiedergutmachung betreiben, sondern noch um das Weiterkommen kämpfen muss, darf Bayer 04 den Prestigeerfolg und eine sehenswerte Leistung genießen. «Wir haben es richtig gut gemacht», freute sich Leverkusens Kapitän Simon Rolfes und kündigte an: «Es geht alles noch besser. Wenn wir alle hundert Prozent abrufen, sind wir schwer zu schlagen.»

Eine Woche nach der indiskutablen Leistung beim 1:3 in Wolfsburg war auch Rudi Völler wieder versöhnt mit der auf Platz fünf liegenden Werkself. «Das war eine Topleistung», lobte der Bayer-Sportdirektor. «Wenn wir gieriger gewesen wären, hätten wir höher gewinnen können.» Dafür geriet der ehemalige Nationalstürmer über das 1:0 aus 25 Metern in den Winkel von André Schürrle (45. Minute) ins Schwärmen: «Ein sensationelles Tor. Das kann man nicht oft genug sehen.»

Nicht ganz so spektakulär, aber nicht ohne Pikanterie war der zweite Treffer von Stefan Kießling (67.). Der mit nun 21 Toren im Kalenderjahr 2012 erfolgreichste Bundesliga-Stürmer wird trotz seiner Erfolgsserie von Bundestrainer Joachim Löw ignoriert. «Das war überhaupt kein Gruß an ihn. Das war ein Tor für uns», reagierte Kießling auf das Reizthema Nationalmannschaft. «Es nervt mich tierisch, was soll ich dazu noch sagen.»

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