Verlust
Freiburg wird Stürmer Papiss Demba Cissé nur schwer ersetzen können. Foto: Patrick Seeger

Freiburg wird Stürmer Papiss Demba Cissé nur schwer ersetzen können. Foto: Patrick Seeger

dpa

Freiburg wird Stürmer Papiss Demba Cissé nur schwer ersetzen können. Foto: Patrick Seeger

Freiburg (dpa) - Nach dem mit Abstand teuersten Verkauf in der Vereinsgeschichte schwimmt der SC Freiburg im Geld. Aber ohne Tor-Garant Papiss Demba Cissé ist der Kampf um den Klassenerhalt für das Bundesliga-Schlusslicht noch schwieriger geworden.

«Papiss ist sicherlich ein Spieler, den Freiburg nicht 1:1 ersetzen kann», räumte der neue SC-Trainer Christian Streich einen halben Tag nach dem spektakulären Transfer des senegalesischen Top-Stürmers zu Newcastle United für schätzungsweise zwölf Millionen Euro gegenüber der Nachrichtenagentur dpa illusionslos ein. «Es ist außerhalb jeder Diskussion, dass wir einen herausragenden Spieler verloren haben.»

Der erst kurz vor Weihnachten für den entlassenen Marcus Sorg zum Chefcoach aufgestiegene Streich findet sich zwangsläufig damit ab, in Cissé den einzigen Fußball-Profi von internationalem Format verloren zu haben. «Das sind Gegebenheiten, die normal sind für einen Verein wie Freiburg. Es gibt gewisse Notwendigkeiten, auch finanzieller Art», sagte der 46-Jährige. «Ich trage sie selbstverständlich mit.»

Trotz des Geldsegens will der SC nun nicht groß investieren. «Es würde keinen Sinn machen, damit Spieler zu holen, die weit über unseren üblichen Ablösesummen und Gehältern liegen. Damit stünde das wieder gestärkte Gefüge der Mannschaft auf dem Spiel, das wissen wir», sagte Sportdirektor Dirk Dufner der dpa. «Jedem muss klar sein, dass der SC Freiburg nun nicht mit einem prall gefüllten Budget auf den Markt geht. Von daher wollen wir den Kader zwar weiterhin umsichtig verstärken, aber nicht um jeden Preis.»

Streich deutete aber an, dass ihm der Verkauf aus sportlichen Gründen nicht ins Konzept passt, zumal ein gleichwertiger Ersatz für Cissé auch nicht annähernd in Aussicht ist. «Wir werden probieren, es als Gruppe so gut wie möglich zu kompensieren», sagte er. In Sebastian Freis präsentierte der SC am Dienstag zwar eine neue Offensivkraft. Aber der ablösefrei kommende Stürmer war beim 1. FC Köln nur Ergänzungsspieler. Da Garra Dembelé für Mali beim Afrika Cup ist, vergrößert sich die Sturm-Problematik beim Sportclub noch mehr.

Schon am Samstag gegen den Vorletzten FC Augsburg wird sich zeigen, wie Freiburg mit der neuen Situation klar kommt. Zwar hätte Cissé bei diesem Schlüsselduell wegen seines Afrika-Cup-Einsatzes für den Senegal gefehlt, aber psychologisch könnte der dauerhafte Verlust des Torjägers einen weiteren großen Knacks bei den eh angeknockten Badenern auslösen.

Die Vereinsverantwortlichen weisen indes zu Recht darauf hin, dass dieser Mega-Wechsel keine Überraschung war. Cissé hatte schon seit langem angekündigt, dass er zu einem Top-Club im Ausland wolle. «Uns war klar, dass wir einen solchen Ausnahmespieler wie Papiss nicht dauerhaft halten können», sagte Dufner.

Streich pflichtete bei: «Es überfällt mich nicht, dass er jetzt nicht mehr für uns spielt.» Der Trainer hatte Cissé «gleich eine SMS geschrieben und ihm gratuliert, weil er es sich verdient hat. Es ist traurig für uns, dass er jetzt für einen anderen Club spielt, aber ich freue mich für ihn.»

Welche Dimension der Cissé-Transfer für die stets mit einem bescheidenen Etat wirtschaftenden Freiburger hat, belegt auch die davor größte Transaktion. Im Januar 2002 hatte Borussia Dortmund 3,2 Millionen Euro für Sebastian Kehl bezahlt.

Cissé fiebert seinem ersten Einsatz für den Tabellensechsten der Premier League schon jetzt entgegen. «Es ist eine Ehre, für einen so großen Club spielen zu dürfen», sagte der zwölfmalige Nationalspieler dem britischen Sender BBC nach Unterzeichnung des Vertrags über fünfeinhalb Jahre. In Newcastle könnte er das Angriffsduo mit seinem Landsmann Demba Ba bilden, der früher in Hoffenheim spielte.

Er wolle für das in ihn investierte Geld einen «guten Gegenwert geben», sagte Cissé «nufc TV». Britische Boulevard-Blätter meldeten, der Stürmer werde bei United 40 000 Pfund wöchentlich, also etwa 48 000 Euro, verdienen. Das entspräche etwa 2,5 Millionen im Jahr. In Freiburg soll er knapp eine Million pro Saison erhalten haben.

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