Marvin Compper
Marvin Compper: «Wir sollten nicht sagen, wir sind unerschütterlich.» Foto: Jan Woitas

Marvin Compper: «Wir sollten nicht sagen, wir sind unerschütterlich.» Foto: Jan Woitas

dpa

Marvin Compper: «Wir sollten nicht sagen, wir sind unerschütterlich.» Foto: Jan Woitas

Leipzig (dpa) - Für Marvin Compper ist die mannschaftliche Geschlossenheit der entscheidende Erfolgsfaktor des Fußball-Bundesligaaufsteigers RB Leipzig.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der 31 Jahre alte Abwehrspieler auch über die Zukunftsfähigkeit des RB-Konzepts, die Chancen für junge Talente und den langen Weg zu einem Spitzenverein.

Sie sind deutlich bundesligaerfahrener als viele ihrer Teamkollegen. Worauf muss sich die Mannschaft in der Rückrunde einstellen und wie sollten sie gemeinsam diese angehen?

Marvin Compper: Ich denke, man sollte nicht meinen, man muss jetzt was anders machen und den Stil verändern. Es gab auch schon in der Hinrunde viele Spiele, in denen man gemerkt hat, dass die Gegner uns respektieren und ein bisschen für die Spielweise fürchten, die wir bis dato an den Tag gelegt haben. Darum geht es: Diese Spielweise weiterhin aufs Spielfeld zu bringen. Unsere größte Qualität ist die mannschaftliche Geschlossenheit, dass wir als Team funktionieren. Das müssen wir in der Rückrunde wieder bedingungslos zeigen.

Nach dem 0:1 in Ingolstadt glaubte manch einer an einen Rückschlag. Danach dominierte RB gegen den Tabellendritten Hertha BSC nach Belieben, ehe die Niederlage in München folgte. Ist diese Mannschaft aber letztlich unerschütterlich?

Compper: Das gilt es nach wie vor zu beweisen. Wir haben erst 16 Spiele hinter, aber noch 18 vor uns. Ein Fazit sollte man prinzipiell erst am Ende ziehen. Wir sollten nicht sagen, wir sind unerschütterlich. Wir sollten und müssen das Woche für Woche beweisen. Es gilt, sich nun noch 18 Mal auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie kommt dieses Phänomen zustande, dass eine Mannschaft mit weniger bekannten Spielern so sehr miteinander harmoniert, dass sie eben nahezu unerschütterlich wirkt?

Compper: Man darf nicht vergessen, dass wir nicht zufällig zusammengewürfelt wurden. Da steckten und stecken ein klarer Plan und eine entsprechende Strategie hinter: Eine Mannschaft zusammenzustellen, die verschiedene Stärken mitbringt. Wo jeden Spieler etwas auszeichnet, was bei dem anderen vielleicht nicht so der Fall ist. Diese Ergänzung der Stärken, dieses Komplementieren, das ist die größte Stärke in der Hinrunde gewesen. Solange uns das bewusst ist und wir kapieren, dass keiner als einzelner etwas gerissen hat, sondern wir es als Mannschaft erreicht haben, solange sind wir auf einem guten Weg.

Wird das Konzept mit jungen Spielern langfristig so haltbar sein?

Compper: Es ist ein langer Weg. Nur, weil man einmal in den Top 5 oder Top 6 ist, ist man noch kein Spitzenteam. Pep Guardiola hat es neulich einmal gesagt: Manchester City wurde zwei Jahre Meister (Anm. 2012 und 2014), hat immer wieder in der Champions League gespielt. Es gibt aber trotzdem noch eine Riesenlücke zwischen Manchester City und dem FC Bayern oder Manchester City und dem FC Barcelona. Mannschaften, die über Jahre hinweg gewohnt sind zu gewinnen. Und wenn die schon eine Riesenlücke haben, dann kann man erahnen, wie weit weg wir davon sind. Wenn wir uns jetzt nicht fünf bis zehn Jahre auf dem Niveau immer wieder beweisen, sind wir es noch lange nicht. Wir haben die ersten Schritte getan und entscheidend ist, dass man gewillt ist, sich weiterzuentwickeln.

Hätten Sie vor zweieinhalb Jahren, als sie vom AC Florenz zu RB Leipzig wechselten, damit gerechnet, dass sie in diesem Jahr womöglich in der Champions League spielen dürfen?

Compper: Irgendwo habe ich mir das höchstens erträumt, aber damit gerechnet ganz sicher nicht. Zudem ist auch klar: aktuell sind wir davon noch weit entfernt. Ich war anfangs skeptisch, ob ich den Schritt machen sollte. Es war damals ja ein Rückschritt, von einem Verein, der in der Europa League spielt, zu einem Verein zu gehen, der gerade in die Zweite Liga aufgestiegen war. Aber ich habe es auch schon betont: Für mich war es gefühlt die letzte Möglichkeit, als älterer Spieler noch mal auf diesen Zug aufzuspringen. Ich bereue es keine Sekunde, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ganz im Gegenteil.

Zur PERSON: Marvin Compper (31 Jahre alt) wechselte im Sommer 2014 vom AC Florenz zu RB Leipzig. Der Abwehrspieler stieg mit dem Team im Sommer 2016 in die Bundesliga auf. Nach einer Verletzungspause ist Compper für den Wiederbeginn fit. Er spielte in seiner Karriere auch schon für Borussia Mönchengladbach und 1899 Hoffenheim.

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